Ursula von der Leyen zu Besuch in Bad Reichenhall Ein Herz für Tiere – und für Gebirgsjäger

Selten zu dritt auf einem Foto: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und ein Gebirgsjäger samt Maultier. Foto: Sven Hoppe/dpa

Frühere Skandale um die Eliteeinheit sind vergessen – zumindest für den Kurzbesuch von Ursula von der Leyen in Bad Reichenhall.

 

Bad Reichenhall - Ein bisschen Lagerfeuerromantik ist dabei. Einige Soldaten wärmen sich an einem offenen Holzfeuer, als Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Mittwoch in Bad Reichenhall die speziellen Fähigkeiten der Gebirgsjäger gezeigt bekommt.

Doch die ums Feuer kauernden Bundeswehrsoldaten sind der böse Feind, den es im Laufe der Vorführung zu besiegen gilt. Das gelingt auch ganz nach Drehbuch, an dem für den prominenten Besuch mehrere Wochen gefeilt worden ist.

„Das ist ganz beachtlich“, sagt eine sichtlich zufriedene Ministerin, die das Szenario eine Stunde lang aufmerksam mit meist verschränkten Armen verfolgt. Mit Bergstiefeln und türkisfarbener Funktionsjacke samt wärmenden Handschuhen hat sie sich bei Schneegestöber und unfreundlichen Temperaturen wetterfest eingekleidet.

Was sie in einem aufgelassenen Steinbruch in 1000 Metern Höhe zu sehen bekommt, ist eine komprimierte Leistungsschau der Eliteeinheit, die seit Jahren regelmäßig Auslandseinsätze der Bundeswehr absolviert. Nach dem Grundsatz „Wer die Höhen hat, hat auch die Täler“ lassen sich Gebirgsjäger von steilen Felsen abseilen, andere klettern den Fels hinauf, von Kameraden fachmännisch gesichert.

Wohl nicht ganz zufällig nimmt die Bergung und Versorgung eines laut Szenario am Fels verwundeten Soldaten breiten Raum ein – die Verteidigungsministerin ist gelernte Ärztin. Dazu seilt sich ein Kamerad zu dem im Fels hängenden Soldaten ab und bringt ihn nach unten, wo er auf eine Trage gelegt wird. Anschließend erfolgt die medizinische Erstversorgung, ehe das Übungsopfer in einem geländegängigen Fahrzeug weggebracht wird.

Die Ministerin und das Maultier

Um den „Feind“ zu besiegen, kommt auch ein kleiner Panzer namens „Wiesel“ zum Einsatz, der einige Runden in dem Steinbruch dreht. Gewehrsalven sind zu hören, auch eine gegnerische Mine wird laut Übungsplan mit einem lauten Knall unschädlich gemacht.

Viel mehr interessiert sich die bekennende Pferdeliebhaberin und Reiterin von der Leyen aber für das Aushängeschild der Gebirgsjäger, die Maultiere, eine Kreuzung aus Pferd und Esel. Vier Prachtexemplare transportieren einen zentnerschweren Mörser. Am Ende der Vorführung geht die Ministerin schnurstracks auf die Mulis zu. Die sechsjährige Stute namens Gundi und der 17 Jahre alte Hengst Vincent lassen sich bereitwillig von ihrer obersten Chefin tätscheln, die ihre Handschuhe längst ausgezogen hat.

Negativ-Schlagzeilen sind vergessen

Die Tragtierführer beantworten lehrbuchmäßig Fragen der Ministerin zu Alter und Tagesablauf ihrer Schützlinge, ehe es das obligatorische Foto einer lächelnden Verteidigungsministerin mit martialisch ausgerüsteten Soldaten gibt.

Negativschlagzeilen, die Gebirgsjäger vor Jahren produzierten, sind an diesem Tag kein Thema. 2011 kam die Hochstaufen-Kaserne in Bad Reichenhall ins Gerede, als Kinder sich bei einem Tag der offenen Tür an Kriegsspielen beteiligen durften. 2010 wurde bekannt, dass es bei der Elitetruppe ekelerregende Aufnahme-Rituale gab. Unter anderem mussten Rekruten rohe Schweineleber essen und Alkohol bis zum Erbrechen trinken. 2006 sorgten makabre Posen von Gebirgsjägern mit Totenschädeln in Afghanistan für Empörung.

 

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