Unterwegs im Rolls-Royce Das Ausnahme-Erlebnis namens Wraith

Aus dieser Perspektive kommt die mit viel Eleganz gepaarte Wucht des britisch-deutschen Nobel-Coupés besonders schön zur Geltung. Foto: Rudolf Huber

5,3 Meter lang, 2,3 Tonnen schwer und 632 PS für gerade mal 279531 Euro: Eindrücke von einer Ausfahrt im Rolls-Royce Wraith.

 

München - Lasst andere über Downsizing, weniger Zylinder oder ganz allgemein über reduzierte Masse und reduzierten Luxus nachdenken: Bei Rolls-Royce ist das definitiv kein primäres Thema.

Wer sich eine Emily auf der Motorhaube leisten kann, kann auch hohe Betriebskosten verschmerzen. Wie fühlt sich das so an? Das wollte AZ Motor wissen. Ein Erfahrungsbericht aus dem Rolls-Royce mit der jüngsten Käufer-Klientel – dem Wraith (= Geist).

Die Türen des Coupés öffnen sich nach vorne – das ist schon einmal ungewöhnlich. Es erleichtert allerdings den Einstieg und zwingt auch danach nicht zu unpassenden Verrenkungen – die Türen lassen sich per Knopfdruck elektrisch schließen. Was sein muss, muss sein.

Eine kurze Orientierung am Cockpit reicht allen Zeitgenossen, die sich in aktuellen BMW-Modellen auskennen. Material, Haptik und Optik der Schalter, Taster und des Dreh-Drück-Schiebe-Knopfes auf der Mittelkonsole wurden zwar verändert, nicht aber ihre Funktion.

Das wirkt alles britisch-gediegen bis zur Perfektion. Taktil auffällig wird eigentlich nur der Scheibenwischerhebel. Der fühlt sich – pardon – irgendwie ein wenig plastikmäßig an.

Startknopf drücken, Automatik-Wählhebel in D wie Drive, sanft Gas geben: Das immerhin 5,3 Meter lange und 1,95 Meter breite Gefährt setzt sich flüsterleise in Bewegung.

Ein kurzer Trip über den Mittleren Ring zeigt: RR-Fahren ist keine Hexerei, wenn man sich an die Dimensionen und an das Gewicht von 2,36 Tonnen gewöhnt hat.

Dann die Autobahn nach Süden, freie Fahrt. Ein kräftiger Druck aufs Gaspedal ruft ein gut gedämpftes, aber durchaus vernehmbares Knurren unter der riesigen Motorhaube hervor. Kein Wunder: Hier werden gerade 632 PS und 800 Nm Drehmoment auf die Hinterachse losgelassen.

Sie stammen aus einem 6,6 Liter großen, per Bi-Turbo beatmeten Zwölfzylinder und sind nicht von schlechten Eltern – nämlich aus der Motorenschmiede von Rolls-Royce-Mutter BMW.

Nach dem Sprint (für Zahlenfreaks: 4,6 von 0 auf 100), beim Cruisen, wird’s wieder leise im Wraith. Aber horch: Windgeräusche an den Außenspiegeln – kann das sein?

Der Blick auf den Tacho verrät: Es kann, denn wir sind mit knapp 200 Sachen unterwegs. Angesichts der Fahrwerks- und sonstigen Qualitäten des Wraith liegt das gefühlte Tempo weit drunter.

Stopp-and-Go bei Miesbach – auch das ist natürlich kein Thema im Rolls-Royce für den selbst fahrenden Eigner. Und dann das Sudelfeld mit seinen kräftigen Kurven. Hier zeigt der Wraith, dass dynamische Fertigkeiten im Lastenheft nicht so ganz weit vorne standen.

In den Serpentinen reagiert er eher unwillig auf das per Gaspedal vorschlagene Tempo. Dann doch lieber wieder ein wenig sanfter das Gaspedal gestreichelt.

Länge läuft, Luxus schmeichelt, Flair begeistert: Unterm Strich ist das Wraith-Fahren für den AZ-Tester ein faszinierendes Ausnahme-Erlebnis. Angesichts der 3630 im letzten Jahr ausgelieferten Rolls-Royce ist der Verbrauch von knapp über 20 Litern während der Testfahrt auch keine ernsthafte Bedrohung fürs Welt-Klima.

Schließlich wirkt der nach oben weitgehend offene Basispreis wie ein sehr effizientes Mengen-Regulativ: 279 531 Euro sind mindestens nötig. Die Mehrwertsteuer ist dabei aber immerhin schon enthalten ...

 

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