Unterschriftenaktion wegen Dauerparty am Flaucher Isar-Anwohner wehren sich gegen Verschmutzung

Paul Riedel (mit Hund auf dem Arm) und 41 weitere Isar-Anwohner sammeln Unterschriften gegen die Dauerparty am Flaucher. Ein Kompromiss soll her. Foto: privat

Wieder Erholungsgebiet statt Ballermann: Flaucher-Anwohner haben genug von den "Exzessen" an der Isar. Sie fordern Glasverbot, weniger Feuerstellen und Party-Ende um 22 Uhr.

München – Schon zweimal haben Flaschenscherben am Isarufer seinem Hund die Pfoten zerschnitten, der Qualm der Grillfeuer zieht ebenso in die Wohnung wie die Partygeräusche bis spät in die Nacht: Paul Riedel hat nicht nur genug – Paul Riedel hat zu viel.

„Seit fünf oder sechs Jahren merkt man: Die Zahl der Besucher an der Isar steigt, aber es sind nicht mehr nur Besuche, sondern Exzesse“, sagt der Münchner, der genau zwischen Flaucherbrücke und Brudermühlbrücke wohnt. „Während des Sommers können wir teilweise eine ganze Woche nicht schlafen, bis nachts um 3, 4 Uhr sitzen Betrunkene am Ufer oder laufen herum und werfen mit Mülltonnen. Es ist wie 1. Mai, nur jeden Tag.“

Zusammen mit 41 weiteren Isar-Anwohnern in Untergiesing sammelt Riedel nun Unterschriften gegen die Verschmutzung der ehemaligen Erholungsgebiete am Fluss (AZ berichtete) und für eine Art „Re-Erholierung“ des Flaucher: Die Bewohner wollen ein Verbot von Glas am Ufer, damit sich Menschen und Tiere nicht mehr an Scherben verletzen. Außerdem wollen sie, dass die Feuerstellen reduziert werden. Allergologen und Lungenfachärzte der Umgebung hätten bestätigt, dass die Zahl von Erkrankungen zugenommen hat – die Anwohner sehen einen Zusammenhang.

Und die Party soll künftig vorbei sein um 22 Uhr – „es gibt keine Beleuchtung und keine Sicherheit“, sagt der Künstler, „die Jugendlichen fallen besoffen in irgendwelche Büsche oder liegen auf Bänken. Wenn da etwas passiert, dann merkt das niemand.“

„Alle sollen nach alter Münchner Art miteinander umgehen“

Den Alleingang haben die Anwohner angetreten, weil sie sich von Polizei und Politik alleingelassen fühlen. Seit mehr als einem Jahr versuche er, mit den Lokalpolitikern über das Thema zu reden, sagt Riedel – kürzlich bei einer Bezirksausschuss-Sitzung habe ihm ein CSU-Politiker aus Schwabing erklärt: „Wenn Sie in einer privilegierten Lage wohnen, müssen Sie mit Beschränkungen rechnen.“

Die Bewohner sehen das freilich anders: „Das sind für uns keine Beschränkungen, das sind Gefährdungen!“ Man wolle niemanden verscheuchen, sondern „eine friedliche Aktion, einen Kompromiss. Es sollen alle nach alter Münchner Art freundlich und sauber miteinander umgehen.“ Ende August wollen sie die gesammelten Unterschriften vor dem Oberbürgermeister und den Stadträten vortragen.

Riedel, Jahrgang 1960, ist auch deshalb so engagiert, weil ihn die Entwicklung an São Paulo erinnert. 19 Jahre hat der gebürtige Brasilianer dort gelebt und die Verschmutzung des Stadtfluss Tietê beobachtet, die zur Folge hatte, dass ein ganzes Viertel dort von „einer der vorzüglichsten Wohngegenden“ zu einer Gegend wurde, „in der man nachts nicht alleine nach Hause geht“. Wegen der Verseuchung seien irgendwann Kinder geboren worden ohne Gehirne, sagt er.

Aber ganz so weit kommt es dann in München vielleicht doch nicht.

 

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