Alternatives Projekt angekündigt Ministerpräsident Markus Söder: Der Skischaukelbremser

, aktualisiert am 06.04.2018 - 17:08 Uhr
Ministerpräsident Markus Söder (Mitte) spricht ein Machtwort, die Bürgermeister Peter Stehle (l., Obermaiselstein) und Konrad Kienle (Balderschwang) ziehen mit. Nach einem Treffen in der Staatskanzlei geben sie das vorläufige Aus der Skischaukel sowie die weiteren Entwicklungspläne bekannt. Foto: Sven Hoppe/dpa

Söder hat entschieden. Die umstrittene Skischaukel am Riedberger Horn wird nicht gebaut – vorerst. Dafür bekommen die betroffenen Gemeinden eine hohe Förderung für umweltfreundlichen Tourismus.

München - Es war eine unerwartete Wendung, die der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Freitagvormittag verkündet hat. Noch als Finanz- und Heimatminister hat er überhaupt die Grundlagen für den möglichen Bau einer Skischaukel am Riedberger Horn geschaffen. Jetzt, als Ministerpräsident, hat er dafür gesorgt, dass das Projekt gestoppt wird. Vorerst.

"Auf die Skischaukel wird verzichtet für mindestens zehn Jahre", sagte Söder am Freitag nach einem Treffen mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein, Konrad Kienle (CSU) und Peter Stehle (CSU), sowie dem Oberallgäuer Landrat Anton Klotz (CSU). "Wir wollen wieder Frieden und Ruhe am Riedberger Horn schaffen."

Die könnte es nun tatsächlich geben. Denn den Gemeinden winkt jetzt ein äußerst süßes Zuckerl in Form eines groß aufgelegten Förderprogramms für ein umweltfreundliches Tourismuskonzept. Mehr als 20 Millionen Euro will der Freistaat investieren. Den Großteil davon in ein künftiges Naturerlebniszentrum am Riedberger Horn, das ähnlich wie das "Haus der Berge" in Berchtesgaden als Erlebnisgelände sowie Informations- und Bildungszentrum ein Anziehungspunkt für Touristen und Einheimische werden soll.

Skischaukel-Rechtsstreit: Söder kritisiert seine Kritiker

Ein "Leuchtturmprojekt und Impulsgeber", nach Söders Worten. Darüber hinaus seien unter anderem Modernisierungen der bestehenden Skilifte und Loipen geplant, "so, dass sie umweltfreundlich sind", sowie eine Busverbindung zwischen den beiden Ski- und Wandergebieten Balderschwang und Obermaiselstein.

Die beiden Bürgermeister gaben sich nach dem Gespräch recht zufrieden, ebenso Landrat Klotz: "Ich freue mich schlichtweg! Wir versuchen seit Jahren, diese beiden Gebiete miteinander zu verbinden." Da alle Beteiligten erkannt hätten, dass "aufgrund bestimmter Diskussionen, auch politischer – teils emotional völlig falsch aufgeladen –, diese Verbindungsbahn einfach nicht machbar sein" würde. Daher sei seit Monaten über Alternativen nachgedacht worden, so Klotz.

Mögliche Bedenken zur Stabilität der Hanglagen – im Januar war es nicht weit vom Riedberger Horn zu einem Erdrutsch gekommen – oder angebliche Probleme bei der Finanzierung des Projektes spielten bei der Entscheidung keinerlei Rolle, stellte Söder klar. "Die ursprüngliche Frage war: Was kann man mit einen Raum tun, damit er sich entwickeln kann? Die Idee einer Skischaukel hat sich zu einer überregionalen Grundsatzdebatte entwickelt, für die die Gemeinden gar nichts können", so Söder. Die aktuelle Entscheidung sei nötig gewesen, um den Orten nicht zu schaden.

Kein Verständnis hingegen zeigt Söder für die Umweltverbände, die weiterhin an ihrer Klage gegen die Änderung des Alpenplanes festhalten wollen: "Es wäre das erste Mal, dass man gegen eine Vergrößerung der Naturschutzzone klagt. Es sind jetzt sogar 224 Hektar Naturfläche mehr." Der Hintergrund: Die Landesregierung hatte jüngst die Änderung des Landesentwicklungsprogramms und des darin enthaltenen Alpenplans durchgesetzt. Neben der Vergrößerung der Naturfläche waren zugleich 84 Hektar – die für die Skischaukel benötigte Fläche – Schutzfläche herausgenommen worden. Auf die Frage, ob diese Fläche nun wieder in die Schutzzone aufgenommen würde, antwortete Söder: "Das wäre jetzt echt albern."



Skischaukel-Protest: Umwelt-Aktivisten vor dem Maximilianeum. Foto: dpa

Aus für die Skischaukel am Riedberger Horn: Das sagen die Kritiker

Die einen atmen auf, die anderen sehen Söders Entscheidung nur als wahlkampfbedingte Kehrtwende.

"Gerettet! ... einfach schön!", titelt der Deutsche Alpenverein (DAV) auf seiner Internetseite – im Hintergrund das Foto einer Winterwonderland-Landschaft. Das Aufatmen der Kritiker ist förmlich zu spüren. Und doch bleibt die Skepsis. Denn die Änderungen im Alpenplan bleiben trotz allem bestehen.

"Wir treten ein für einen starken Alpenplan", sagte Rudi Erlacher, Vizepräsident des DAV, gestern. "Nur durch ihn sind unsere bayerischen Alpen so unberührt und ursprünglich geblieben, wie wir sie kennen und lieben". Der Alpenplan existiert seit 45 Jahren und hat die bayerischen Berge seitdem schon vor so manch drastischem Einschnitt bewahrt.

Der Bund Naturschutz (BN) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) kündigten gestern an, ihre Klage gegen die Planänderung und damit gegen eine mögliche Skischaukel weiter aufrecht zu erhalten – solange, bis konkrete Vorschläge auf dem Tisch lägen, wie das Riedberger Horn dauerhaft gesichert sei. BN-Landesbeauftragter Richard Mergner sagte, es hänge weiterhin ein "Damoklesschwert" darüber. LBV-Landesvorsitzender Norbert Schäffer äußerte, geschützt werden müssten jene Flächen, wo Natur ist, und nicht solche, wo Naturschutz "gerade nicht wehtut". Dennoch zollte er dem Ministerpräsidenten Anerkennung: Söder wäre nicht gezwungen gewesen, das Thema noch einmal aufzugreifen, so Schäffer.

Das sieht Klaus Mrasek, Vorsitzender der Bayern-ÖDP, anders: "Söder schiebt Panik, dass seine Amtszeit kürzer wird als die von Günther Beckstein. Seiner Wandlung vom Saulus zum Paulus liegt bestimmt keine Erleuchtung zugrunde."

Auch Ludwig Hartmann von den Landtags-Grünen ist der Meinung, der bundesweite Protest habe Söder "gezwungen, sich zu drehen". Der Verzicht auf die zusätzliche Bahn sei ein "Etappensieg im Kampf für mehr Umweltschutz".

Florian von Brunn, Umweltexperte der SPD, forderte gestern weiterhin eine Rücknahme der Änderung im Alpenplan. Andernfalls handele es sich bei der Kehrtwende lediglich um "blanken Populismus", so von Brunn. Darüber hinaus sei die Unterstützung weiterer umweltverträglicher Projekte im gesamten bayerischen Alpenraum nötig.

 

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