Umstrittene Rede Türkischer Außenminister in Hamburg: Ein bizarrer Auftritt

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu ließ sich im Garten der Residenz des türkischen Generalkonsuls von seinen Anhängern feiern. Foto: dpa

Der türkische Außenminister Cavusoglu nutzt den Wahlkampfauftritt in Hamburg, um der Bundesregierung noch einmal die Leviten zu lesen. Gleichzeitig gibt er sich aber auch entgegenkommend, will am Mittwoch mit Außenminister Gabriel über alles offen reden.

 

Hamburg - Sie mühen sich kräftig. Bis zu 250 Menschen protestieren mit vereinten Kräften und so laut sie eben können gegen die "Ein-Mann-Diktatur" des Recep Tayyip Erdogan. Sie bezeichnen den türkischen Präsidenten als Tyrannen, fordern ein "Nein" beim Verfassungsreferendum am 16. April in der Türkei. Eine echte Chance haben sie jedoch nicht. Der türkische Generalkonsul in Hamburg hat am Dienstag im Garten seiner Residenz einfach die bessere Übertragungstechnik aufgebaut, lässt eigens für den Präsidenten komponierte Lieder, in denen Erdogans Name im Refrain immer wieder auftaucht, in einer Lautstärke abspielen, dass sich der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu als Hauptredner schon mal prophylaktisch bei den Nachbarn im vornehmen Stadtteil Uhlenhorst entschuldigt.

Es ist ein schon fast skurril anmutender Auftritt des türkischen Außenministers. Umgeben von den teuersten Villen der Stadt inmitten eines Wohngebiets, dessen größtes Aufregerpotenzial üblicherweise Falschparker sind, lässt Cavusoglu seine türkische Fahnen schwenkenden und jubelnden AKP-Anhänger gut 45 Minuten warten, ehe er ganz nach dem Geschmack der rund 350 geladenen Gäste vom Balkon mit Alsterblick aus der deutschen Polizei und der Bundesregierung die Leviten liest. "Die Polizei und die Regierung haben versucht, uns zu überreden, dass wir hier nicht auftreten", ruft er den klatschenden Anhängern zu.

"Das tut man einem Freund nicht an"

Erst sei ihnen als Auftrittsort ein Hotel, dann im Stadtteil Wilhelmsburg ein üblicherweise für türkische Hochzeiten genutzter Saal verwehrt worden. Und warum? Aus Brandschutzgründen, sagt Cavusoglu und vergisst nicht anzufügen: "Wo wart ihr, als dort Hochzeiten gefeiert wurden? Wieso habt ihr bisher das Leben der Menschen dort gefährdet?" Die Türkei sei doch ein Freund Deutschlands. Bislang habe es noch nie eine Auseinandersetzung gegeben. Jetzt aber werde ein nicht akzeptabler Druck gegen die türkische Bevölkerung in Deutschland gemacht. "Das tut man einem Freund nicht an."

Cavusoglu zeigt sich aber durchaus auch entgegenkommend. "Uns sind die Beziehungen zu Deutschland sehr wichtig." Die Türkei wolle, dass das Verhältnis beider Länder gut sei. Mit Blick auf das geplante Treffen mit Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) an diesem Mittwoch in Berlin sagt Cavusoglu: "Wir werden offen reden, ob es ein Problem zwischen der Türkei und Deutschland gibt oder nicht."

Das hatte während des Tages noch ganz anders ausgesehen. So hatte er in der Online-Ausgabe der Zeitung "Hürriyet" noch getobt und Deutschland - wie zuvor Erdogan - Nazi-Methoden vorgeworfen. "Alle Praktiken ähneln denen der Nazi-Zeit. Sie machen Druck, damit für die AKP ein Nein herauskommt", sagte er.

"Natürlich machen wir keine Propaganda"

An der Außenalster, wo an dem Abend statt Jogger und Radfahrer rund 850 Polizisten das Bild prägen, ist davon nichts zu hören. Gut die Hälfte seiner rund 40-minütigen Rede verwendet Cavusoglu dafür, die Erfolge Erdogans und der Regierung zu loben, spricht von Brücken und Tunneln in Istanbul, Autobahnverbindungen nach Aserbaidschan, von der Tourismuswirtschaft und vom hervorragenden Gesundheitswesen.

"Da wir uns hier im Haus des Generalkonsuls befinden, machen wir natürlich keine Propaganda", betont der Außenminister. Das sei vielmehr ein Treffen zwischen der türkischen Regierung und seinem Volk. "Ihr habt alle ein Recht, dass ihr gehört werdet, auch wenn ihr in Deutschland wohnt." Beim Referendum am 16. April sei Gelegenheit, "dass eure Stimme gehört wird". Cavusoglu betont, dass bei der Abstimmung, die Erdogan im Erfolgsfall eine große Machtfülle bescheren würde, selbstverständlich jeder frei mit "Ja" oder auch "Nein" entscheiden könne - was die hinter den Absperrgittern frierenden Demonstranten allerdings ganz anders sehen dürften.

 

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