Uli, der Unruheständler FC Bayern: Warum Hoeneß auch jetzt nicht leise sein kann

"Bis zu den Wortmeldungen war es eine Super-Veranstaltung", sagt Uli Hoeneß und wirft den Kritikern entgegen: "Dann bleibt zu Hause!" Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Direkt nach seinem letzten Auftritt als Präsident des FC Bayern poltert Hoeneß mal wieder und tut die Kritiker als "Krakeeler" ab. Er fordert: "Dann bleibt zu Hause oder gebt eure Mitgliedschaft zurück!"

 

München - Es war bereits kurz nach 1 Uhr in der Nacht zum Samstag. In der beinahe leeren Olympiahalle wurde die Bühne abgebaut, die Arbeiter konnten dabei der Blasmusikkapelle "14 Hoibe" (für Nicht-Bayern: 14 Helle Bier, je 0,5 l) lauschen. Weiter oben, im Restaurant "Coubertin", lud der FC Bayern noch zu einer Pressekonferenz mit dem alten (Uli Hoeneß) und dem neuen Präsidenten (Herbert Hainer).

Lediglich zwölf Minuten waren nach der gefühlsintensiven Jahreshauptversammlung, auf der Hoeneß feierlich in den Ruhestand verabschiedet wurde, vergangen. Die Uli-Huldigungen klangen den Beobachtern noch in den Ohren, da wurde es plötzlich laut auf dem Podium. Der Ex-Präsident, kurz zuvor für sein Lebenswerk zum Ehrenpräsidenten des Vereins ernannt, polterte wie zu seinen besten (je nach Sichtweise auch: schlimmsten) Zeiten.

Seine Rede während der Mitgliederversammlung hatte Hoeneß mit den Worten "Das war's. Ich habe fertig. Danke!" beendet. Von der Liebe und Zuneigung seiner Untertanen überwältigt, verbeugte sich Hoeneß vor den Mitgliedern. Um einige derer später anzugehen. "Bis zu den Wortmeldungen war es eine Super-Veranstaltung, ich habe mich so sauwohl gefühlt. Und dann lässt man sich das von ein paar Krakeelern - ich will nicht sagen: alles kaputtmachen - aber die ganze Sache beschädigen. Ich war kurz davor, auf die Bühne zu gehen", schimpfte Hoeneß, wieder voll in seinem Element namens "Abteilung Attacke".

Hoeneß wütet wegen Wortmeldungen der Mitglieder

Die Wortmeldungen, Tagesordnungspunkt 9, seien "hanebüchen", und das "unter dem Deckmantel Demokratie, freie Meinungsäußerung". Doch jenes Forum der eingetragenen - und Beitrag zahlenden - Vereinsmitglieder, die sich dafür vorab in eine Liste eintragen müssen, ist das Wesen der Versammlung. Zielscheibe der Kritik war hauptsächlich der bei den Fans aufgrund seiner Einkaufspolitik und der Außendarstellung umstrittene Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der ab Juli in den Vorstand aufrückt, zudem der Umgang von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigges mit Ex-Trainer Niko Kovac und die Trainingslager-Reisen ins Israel-feindliche Katar.

Man müsse darüber nachdenken, diesen Tagesordnungspunkt gänzlich abzuschaffen, schnaubte Hoeneß und rief den Rednern wutentbrannt hinterher: "Wenn es den Leuten partout nicht gefällt bei uns, dann gibt es immer noch die Möglichkeit auszutreten. Dann bleibt zu Hause oder gebt eure Mitgliedschaft zurück!" Sitznachbar und Hoeneß' Nachfolger Hainer wollte sich keine Regung anmerken lassen. Er wird froh gewesen sein, dass man seine Gedanken in diesem Moment nicht lesen konnte.

Hoeneß' Wut hatte natürlich mit der Versammlung des vergangenen Jahres zu tun, als er von Klub-Mitglied Johannes Bachmayr in einer Brandrede ("Der Verein ist nicht Ihr Eigentum") scharf angegangen und ihm "Vetternwirtschaft" sowie "One-Man-Show" vorgeworfen wurde. Erneut also Kritik aus den eigenen Reihen, erneut folgte darauf von Hoeneß' Seite ein wenig souveräner Umgang damit. Die Möglichkeit, Lob oder Kritik in Redebeiträgen zu äußern, nannte Hoeneß "das alte Chaos bei den Wortmeldungen".

Hoeneß und die innere Zerrissenheit

Auch über seinen anderen Lieblingsfeind "Social Media" schwadronierte der 67-Jährige, der Sitz und Stimme im Aufsichtsrat behält. All das komme bei ihm zu Hause "aufm Berg gar nicht an". Er habe daher "morgens gute Laune", sei "froh, dass ich nicht in Aleppo aufwache". Und: "Ich bin auch nicht vegan, obwohl es auch veganes Essen am Tegernsee gibt."

Eine höchst merkwürdige Themen-Vermischung. Für die kommende Woche sei sein Terminkalender leer, versicherte Hoeneß und meinte: "Ich werde mich nirgendwo aufdrängen." Kaum zu glauben, und - siehe da - die Korrektur erfolgte auf dem Fuße: "Wenn ich nicht mehr Präsident bin, kann ich meine Meinung deutlicher sagen, weil sie nicht gleichzeitig Rückschlüsse auf den FC Bayern zulässt."

Allein die letzten beiden Zitate belegen seine innere Zerrissenheit über die neuartige, ihm fremde Zukunft mit so viel Freizeit. Das war's? Hoeneß hat fertig? Echt jetzt? Willkommen im Unruhestand, Herr Hoeneß.

Lesen Sie hier den AZ-Kommentar: Hoeneß' Mitglieder-Attacke ist ein Zeichen der Schwäche

 

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