TV-Kritik "Tatort: Kein Mitleid, keine Gnade" verheddert sich heillos

Klaus J. Behrendt (als Kommissar Max Ballauf) und Dietmar Bär (als Kommissar Freddy Schenk) zeigen im "Tatort: Kein Mitleid, keine Gnade" Ines Marie Westernströer (als Lehrerin Frau Wessel) ein Foto eines Toten. Foto: WDR/Thomas Kost

Hätte der ARD-"Tatort" das Budget eines Hollywood-Blockbusters, hätte man die zweite Hälfte vermutlich einfach noch mal gedreht. Irgendwann weiß man bei diesem Krimi aus Köln (Regie: Felix Herzogenrath, Drehbuch: Johannes Rotter) nicht mehr, wer wen aus welchen Gründen geküsst hat, wer wen deswegen verachtet hat - und wer das so untragbar fand, dass er dafür jemanden ermordet hat. Gemobbt wird auch viel.

 

Spoiler-Warnung: Liebe AZ-Leser, die folgende Kritik enthält teils unverschleierte Hinweise zur Handlung des "Tatorts". Falls Sie den Krimi unvoreingenommen sehen möchten, lesen Sie diesen Artikel am besten erst später.


Mittendrin, das zeigt sich bald, steckt das teuflische Trio: der Sport-Star der Schule, dem offenbar sogar die Lehrerin verfallen ist; der klavierspielende Sensible (der Arme singt seiner Freundin ein Liebeslied am Piano, während sie vor seinen Augen mit dem Sportler rummacht) und die überdrehte Verführerin selbst. Warum diese Drei überhaupt zusammenhalten, ist angesichts der gegenseitigen Demütigungen und Verletzungen: ein Rätsel.

"Tatort" aus Köln: Es geht um Homosexualität, Homophobie und Cybermobbing

Dieser "Tatort" will zu viele Themen abhandeln und verheddert sich dabei heillos: vor allem geht es um Homosexualität, Homophobie und Cybermobbing. Das ganze wird immer wieder begleitet von mystischen Aufnahmen, die nicht zum Rest der sonst ziemlich gewöhnlich erzählten Geschichte passen: erst vom künftigen Toten, der im fahlen Licht durch eine alte Villa geistert, dann von Krähen. Eine erkennbare Funktion haben all diese Aufnahmen nicht. Das Ende ist dann immerhin wieder etwas ungewöhnlich.

Schauspieler Thomas Prenn ragt heraus

Die verehrten Ermittler Max Ballauf und Freddy Schenk (Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär) arbeiten sich routiniert durch ihre 90 Minuten, der arme Schenk muss sich nebenbei auch noch gegen erfundene Vorwürfe wehren.

Die beiden alten Hasen müssen sich diesmal aber die Show vom Nachwuchs stehlen lassen. Schauspielerisch ragt der junge Darsteller Thomas Prenn als gemobbter Paul heraus, auch Emma Drogunova als femme fatale und Moritz Jahn als Orientierung suchender Teenager sind sehenswert. Wirklich retten können sie diesen Tatort nicht.

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