TV-Kritik Sonntags-Stammtisch: So war die erste Runde in neuer Besetzung

Clemens Hagen.
Der neue Moderator am Stammtisch: Hans Werner Kilz. Foto: BR/Philipp Kimmelzwinger

Der beliebte Sonntags-Stammtisch im BR startet im neuen Jahr mit neuer Besetzung - so war die erste Sendung.

 

München - Das Wichtigste vorab: Auch in neuer Runde tendiert die Gefahr, spannungsbedingt einen Herzinfarkt zu erleiden, scharf gegen null. Der sonntägliche Stammtisch des Bayerischen Rundfunks ist im besten Sinne BRav – eine Sendung, die man beim Brunch getrost als Hintergrund-Beschallung laufen lassen kann. So weit, so bekannt. Natürlich muss sich der neue Moderator Hans Werner Kilz, ehemaliger Chefredakteur des "Spiegel" und der "SZ", erst einmal eingrooven. Zu Beginn erinnert er an seinen in die Politik abgewanderten Vorgänger Helmut Markwort, der dem Stammtisch elf Jahre lang vorgesessen hatte. Kilz beruhigt die Zuschauer gleich, indem er darauf hinweist, dass Markwort Hesse sei, er selbst Rheinhesse und schon aus diesem Grunde keine große Umgewöhnung stattzufinden habe. Auch die Verjüngung bleibt überschaubar, Markwort ist 82, Kilz 75.

Sonntags-Stammtisch mit Evelyn Ehrenberger und Christian Neureuther

Statt dem Karikaturisten Dieter Hanitzsch, der jeden Freitag in der AZ zeichnet, und dem Generaldirektor des Deutschen Museums, Wolfgang M. Heckl, bringt Kilz zwei neue Co-Moderatoren an den Stammtisch mit: die Chemikerin und Präsidenten der Hochschule der Bayerischen Wirtschaft, Evelyn Ehrenberger, und den ehemaligen Skirennläufer und TV-Experten Christian Neureuther. Als Gäste komplettieren CSU-Vize Manfred Weber und Kabarettist Michael Altinger die Runde.

Alle Themen, die den Freistaat (und Restdeutschland) gerade bewegen, werden ohne große Aufregung abgearbeitet – Populismus, Europa, Brexit, Digitalisierung, Soziale Medien. Als ausführlich über die heutige Jugend gesprochen wird, stellt sich die Frage, warum dies nur von – wie sagt man einigermaßen charmant? – Menschen im besten Alter getan wird. Eine junge Person, die am besten erklären könnte, wie ihre Generation tickt, täte der Runde an dieser Stelle gut.

"Bayerisch – bissig – bunt" soll der Stammtisch sein – leider ist er am Ende nichts davon wirklich. Humoriger Höhepunkt: Bei der Diskussion über das Gold-Steak, das Franck Ribéry in Dubai vertilgt und das wegen anschließender unflätiger Einlassungen vonseiten des Bayern-Stars Berühmtheit erlangt hat, erklärt Christian Neureuther, dass er als Gatte von "Gold-Rosi" Mittermaier Experte in Sachen Gold sei. Viel lustiger wird es danach nicht mehr.

 

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