TSV-1860-Saisonvorschau Irrer Machtkampf: Das Sommertheater beim TSV 1860 München

Mittendrin statt nur dabei: Gerhard Poschner war die bestimmende Figuren im Sommertheater bei den Löwen. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Vom Rücktritt des Präsidium Mayrhofer, bis hin zur Posse um Gerhard Poschner. Die Saisonvorbereitung stand im Schatten des irren Matchkampfs beim TSV 1860. Ein Rückblick.

 

Die „Löwen“ kommen einfach nicht zur Ruhe. In einem Klub mit schon fast traditionell unruhigem Umfeld spielte sich in den vergangenen Wochen und Monaten ein irrer Machtkampf ab, den man sich kaum ausdenken könnte. Aber der Reihe nach: Schon vor Ende der vermurksten Saison, die mit großen Träumen begonnen hatte und im Fast-Abstieg endete, war allen klar: Es muss personelle Konsequenzen geben.

Der damalige Verwaltungsrats-Vorsitzende und jetzige Interimspräsident Sigi Schneider forderte öffentlich den Rücktritt von Sportchef Gerhard Poschner. „Sein sportliches Konzept ist ganz offensichtlich gescheitert. Ich gehe davon aus,dass Poschner Manns genug ist, selbst die Konsequenzen zu ziehen und den Weg freizumachen für einen sportlichen Neuanfang.“

Anstatt zu gehen,kämpfte Poschner um eine zweite Chance, wollte seine Fehler nach eigener Aussage korrigieren.

Die Fans bezogen klar Stellung: Am 13. Juni zogen sie auf Initiative zweier Fanklubs und Allesfahrer Franz Hell vor die Geschäftsstelle, auch zahlreiche Alt-„Löwen“ wie Meisterlöwe Peter Grosser, Kult-Trainer Karsten Wettberg und Ex- Spieler Thomas Miller mischten sich unter die wütenden Fans.

Die Akte Poschner war es auch, die das Machtgefüge der Löwen zum Erbeben brachte: Gespräche des Präsidiums um Gerhard Mayrhofer und Investor Hasan Ismaik scheiterten, weil der Verein wie seine Fans nicht nur Poschner, sondern auch seinen Gesellschafter loswerden wollte, um einer besseren Zukunft entgegen zu blicken. Ohne der Abhängigkeit vom jordanischen Geldgeber, sondern mit einem nebulösen neuen Investoren-Konsortium.

Der Name Felix Magath kursierte als starke Lösung, als Trainer und Manager in Personalunion, an der Grünwalder Straße. Weil Ismaik die Gespräche abbrach und Poschner weiterhin stützte, sah sich das Präsidium um Mayrhofer zum Rücktritt gezwungen.

Am 19. Juni traten Mayrhofer und seine Vizepräsidenten Heinz Schmidt und Erik Altmann geschlossen zurück. Und selbst dabei unterlief den Sechzigern noch ein Fauxpas: Schmidt hatte nach den Rücktritten von Mayrhofer und Altmann faktisch keinen Vereinsvertreter mehr, dem er seinen Rücktritt hätte erklären können – dieser ist somit nichtig und Schmidt weiter im Amt.

Der eigentlich scheidende Verwaltungsrat-Boss Sigi Schneider und Aufsichtsratsmitglied Karl-Christian Bay übernahmen als Notpräsidenten, die für 21. Juni abgesagte Mitgliederversammlung wurde mangels verkündbaren Ergebnissen,wie es denn bei den „Löwen“ überhaupt weitergehen soll, abgesagt.

Weil ohne Ismaiks Zustimmung respektive Geld für eine Abfindung der ungeliebte Poschner nur auf Kosten einer höchst unsicheren finanziellen Zukunft hätte entlassen werden können, erklärten Schneider und Bay im Trainingslager Ende Juni in Bodenmais, dass man weiter mit dem Sportchef zusammenarbeiten werde. Nicht ohne durch die Blume zu sagen, dass Poschner eigentlich nicht mehr erwünscht sei. Gleichzeitig ließen sie sich von den erklärten Poschner-Gegnern Grosser, Wettberg und Miller beraten. Schneider und Bay schafften es allerdings, die Gespräche mit Ismaik wieder aufzunehmen.

Am 12. Juli fand die Mitgliederversammlung schließlich doch noch statt - Ergebnis: Ismaik werde 1,2 Millionen in die Infrastruktur und 2 Millionen in neue Spielerverpflichtungen investieren. Damit war die Poschner-Posse allerdings noch nicht beendet: Der vormalige Sport-Geschäftsführer wurde zum Sportdirektor degradiert und mit einer Probezeit von drei Monaten belegt – vielmehr eine Gnadenfrist.

Bevor diese allerdings abgelaufen war, kündigte Poschner am 30. Juli fristlos und aus freien Stücken. Klar scheint allerdings, dass sein Aus noch ein Nachspiel haben wird: Dem Vernehmen nach werde der Ex-Sportchef gegen seine Degradierung klagen.Während Poschners knapp anderthalbjährige Amtszeit damit ein unrühmliches Ende nimmt, wird bis auf Weiteres Scout Necat Aygün die Arbeit Poschners fortsetzen. Es kursiert aber schon wieder der Name Felix Magath bei den „Löwen“...

 

14 Kommentare