TSV 1860 München Löwen im Abstiegskampf: Was schief läuft

Die Fans waren sauer – und nicht alle Profis gingen ganz freiwillig zu ihren Anhängern: Die Löwen nach der 1:3-Niederlage gegen den KSC am Sonntag. Foto: GES/Augenklick

Nach der Pleite gegen den KSC kritisiert Löwen-Trainer Möhlmann das Team. Von Einstellung bis zum Umgang mit den Fans: Daran hapert’s bei 1860.

 

München - 35 Minuten später als geplant schritten die Löwen aus der Kabine. Der Tabellen-16. hat am Sonntag beim Karlsruher SC einmal mehr eine Leistung hingelegt, die in der Zweiten Liga nur schwer zu verkaufen ist. Drum gab es tags darauf einen gehörigen Einlauf. „Ich bin schon etwas lauter und direkt geworden. Dass wir uns nicht einmal selbst zeigen wollten – so geht es nicht!“, erklärte Benno Möhlmann die Krisensitzung nach der 1:3-Pleite beim KSC, bei der auch Sportchef Oliver Kreuzer „ein paar allgemeine Worte“ ans Team gerichtet habe.

Möhlmanns Kritik nach der Vorstellung im Wildpark: „Wir hatten nicht die Einstellung, Wachheit und Griffigkeit, um in der Zweiten Liga überhaupt ein Spiel gewinnen zu können.“ Angesichts dessen fiel selbst Möhlmann die Ursachenforschung schwer. Daher gab er erstmal eine Marschroute aus. „Erstens: Darüber reden. Zweitens: Dementsprechend trainieren. Und drittens: Die richtigen Leute aufstellen.“ Die AZ zeigt, wo es Gesprächsbedarf gibt:

Keine Stinkstiefel oder Querulanten

Das blaue Einstellungsproblem: Möhlmann, Kreuzer, mehrere Spieler – alle versicherten: Einen solch lethargischen Auftritt wie beim 1:1 gegen Bielefeld vor Ostern werde es nicht mehr geben. Was folgte? „Ein Rückschritt“, so Möhlmann: „Das habe ich der Mannschaft auch gesagt: Es kann alles passieren, aber es muss klar zum Ausdruck kommen, dass wir mehr laufen, dass wir zweikampfstärker und energischer sind. Ich muss doch zumindest eine ganz andere Präsenz auf den Platz bringen“ – geschehen ist das Gegenteil. Das führt der Coach auf die Einstellung der Spieler zurück: „Das hat schon damit zu tun, dass es keine hundertprozentige Mannschaft ist.“ Man habe zwar „keine Stinkstiefel oder Querulanten“ im Team, es gebe aber auch keine „Zweckgemeinschaft, die unbedingt will“.

Führung verwalten? Unmöglich! Erst in Leipzig, dann Bielefeld, nun beim KSC. „Wir haben schon zum dritten Mal in Folge eine Führung verspielt“, klagte Kapitän Christopher Schindler. Sein Trainer wollte zwar nicht gesehen haben, dass die Löwen nur noch verwalten wollten, bekennt aber: „Wir haben es vermissen lassen, auf das 2:0 zu gehen. Wir haben zu wenig gemacht.“

Standards allein reichen nicht

Standards oder nix: Schon wieder hat ein Freistoß von Spielmacher Michael Liendl den Weg zur Führung bereitet, Stürmer Sascha Mölders verwertete eine der wenigen Offensiv-Aktionen. Der zehnte von zwölf Treffern nach einem ruhenden Ball: Die Standards sind zwar Lebensversicherung, nur eine Waffe im Abstiegskampf aber zu wenig. Möhlmann: „Wir kriegen die Basisarbeit nicht umgesetzt.“ Für Dienstag setzte er ein Geheimtraining an.

Drohende Kluft zu den Fans: Nach Schlusspfiff war der Ärger bei den rund 1600 Löwen groß. Möhlmann musste einige Akteure in Richtung Gästeblock befehligen. Der Coach: „Die Fans hatten absolut recht, uns zu sagen: Wir wollen euch kämpfen sehen!

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So muss es ja auch sein.“ In den verbleibenden sechs Spielen muss Sechzig nicht nur dringend punkten, sondern auch seiner Anhängerschaft zeigen: Wir geben alles! Dumm nur, dass einer, der den Weg zu den Mitgereisten alleine fand, nun ausfällt: Linksverteidiger Maximilian Wittek muss wegen einer Kapselverletzung im linken Knie zwei Wochen passen. Trotz allem habe Möhlmann seine Hoffnung an den Klassenerhalt nicht aufgegeben. Im Gegenteil: „100-prozentige Sicherheit gibt es nie, aber zu 99 Prozent glaube ich daran.“


 

 

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