TSV 1860 München 4:1 in Berlin - das war gut, das war schlecht bei den Löwen

Durch starke erste 50 Minuten drei Punkte gesichert: Die Löwen siegen in Berlin. Foto: dpa

Das 4:1 der Löwen gegen Union Berlin war ein Erfolg der ersten 50 Minuten. Doch der TSV 1860 München offenbarte auch Schwächen. Die AZ-Spielanalyse.

 

Berlin/München – Drei Punkte. Ein Sieg nach der Länderspiel-Pause. Der nächste Auswärtssieg. Platz elf. Das alles liest sich gut für die Sechzger. Und tatsächlich war der Erfolg Balsam auf die geschundene Löwen-Seele. Deshalb hat Trainer Markus von Ahlen Recht, dass der Samstag ein Tag der Freude für den Klub war. Doch nicht alles war golden, was im Schein des Ergebnisses glänzte.

Das Spiel: Union Berlin erwies sich als guter Gastgeber. Fehlpässe en masse luden Sechzig ein die Spielkontrolle zu übernehmen. So fiel das 1:0. Das zweite Tor fiel durch freundlichen Geleitschutz nicht angreifender Berliner. Und ein kollektiver Fünf-Minuten-Schlaf zu Beginn der zweiten Hälfte entschied das Spiel früh. 4:0, der Käse war gegessen. Doch Union drehte noch einmal auf. Motiviert durch erst schläfrige, dann fehlerhafte und schließlich ängstliche Löwen wären die Eisernen beinahe noch mal ins Spiel gekommen. Doch Stefan Ortega (AZ-Note 1) stellte sich mit all seinem Können in den Weg.

Die Tore: Daniel Adlung nach einem unfreiwilligen Handspiel, der doppelte Okotie und Rama – der Feldspieler des Tages der Löwen – machten in den ersten 50 Minuten alles klar. Acht Schüsse aufs Tor, vier Treffer: eine herausragende Ausbeute für den TSV. Hinten prasselten 21 Schüsse auf Ortegas Tor, mit viel, viel Glück und des Torwarts Können schlug nur der Schuss von Sebastian Polter im Netz ein.

Szene des Spiels: Hätte Ortega in Minute 61 nicht Quirings Elfmeter und Thiels Nachschuss bravourös pariert, wäre es noch einmal kritisch geworden. Denn auch danach hatten die Berliner noch genügend Chancen, um mindestens zwei weitere Tore zu erzielen. Doch Ortega zog Union mit dem gehaltenen Elfmeter den Zahn. Danach schwand die eiserne Überzeugung, doch noch das Sensationscomeback schaffen zu können.

Das war gut: Die Spielkontrolle der Löwen in der ersten Halbzeit, aber vor allem die ersten fünf Minuten nach dem Pausentee. Wie die Löwen aus der Kabine kamen und mit einem Doppelschlag von 2:0 auf 4:0 erhöhten, war Extraklasse. Konterfußball der gehobenen Art und eiskalt vor dem Tor.

Das war schlecht: Die Leistung der Löwen zwischen Minute 50 und 75. Völlig unverständlich bei einer 4:1-Führung. Ein einziger Gegentreffer ließ Sechzig wackeln. Union im Aufwind, und der TSV hatte nichts, aber auch gar nichts dagegen zu setzen. Die Mannschaft ließ sich trotz Drei-Tore-Führung den Schneid abkaufen. Das zeigte bei allem Jubel über den verdienten (!) Sieg: Von einer konstanten, stabilen und mental starken Leistung über 90 Minuten ist Sechzig noch meilenweit entfernt.

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Das sagte 1860-Trainer Markus von Ahlen: "Ich bin stolz. Der Held ist heute die Mannschaft. Wir konnten unsere Chancen heute eiskalt nutzen. Aber in der zweiten Halbzeit waren wir zu passiv. In dieser Phase hat Union mit Wut im Bauch gespielt Ich bin froh, dass wir dann noch mal den Hebel umlegen konnten und unsere Souveränität zurückgewonnen haben. Insofern war der Sieg wichtig und verdient."

Das sagte Union-Coach Norbert Düwel: "Was wir bei allen Toren an individuellen Fehlern abgeliefert haben, ist haarsträubend. Wir wollten in der Pause einiges verändern. Wir sind aber eiskalt mit zwei weiteren Gegentoren erwischt worden. Die haben wir 1860 zu einfach geschenkt. In den letzten 35 Minuten hat die Mannschaft Charakter gezeigt. Sie hat sich nicht kampflos ergeben."

 

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