TSV 1860 Löwen nach Lautern: Ein Punkt, etwas Stunk

Auf die Bank verfrachtet: Diesmal gab Löwen-Trainer Torsten Fröhling Youngster Korbinian Vollmann den Vorzug vor Spielmacher Michael Liendl. Einen 1860-Sieg gab's dadurch nicht. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Abräumer Degenek beendet nach 300 Minuten die Torflaute der Löwen – doch zum Sieg reicht es auch gegen Lautern nicht. Trainer Fröhling setzt seinen Spielmacher Liendl auf die Bank, der ärgert sich über die Ausbootung

 

München - Grün-golden glänzten die Wiesn-Trikots des TSV 1860, Vize-Präsident Peter Helfer ahmte den Wiesn-Anstich in der Arena nach und schenkte Freibier für die Fans aus. Die präsentierten eine große Oktoberfest-Choreo: „Zu München schönsten Paradiesen zählt ohne Zweifel seine Wiesn“, stand dort geschrieben. Doch alle Wiesn-Euphorie half nichts: Auf dem Spielfeld gab’s wenig, was man mit paradiesisch umschreiben würde.

Am Ende eines wenig inspirierenden Wiesn-Heimspiels gegen den 1. FC Kaiserslautern stand es 1:1, die Mannschaft von Trainer Torsten Fröhling hat auch im siebten Anlauf nicht den ersten Sieg geholt. Immerhin: Nach 300 Minuten ohne Tor traf mit Milos Degenek mal wieder ein Blauer und brachte die Löwen in Führung – (15.). „Klar, freue ich mich über mein erstes Tor in der 2. Liga, aber ich kann nicht glücklich sein, weil wir nur einen Punkt geholt haben“, sagte Degenek über seinen wuchtigen Schuss von der Strafraumgrenze. Sein Jubel-Sprint in die Arme von Fröhling machte deutlich, wem der kürzlich noch vertragslose Australier seinen Aufstieg zu verdanken glaubt.

Weil die Löwen viel zu passiv agierten und Ruben Jenssen in der 59. Minute mit einem Distanzschuss ausglich, sah sich Fröhling hinterher zu einer oft – zu oft – gebrauchten Phrase genötigt. „Ich bin enttäuscht, dass wir die drei Punkte nicht geholt haben.“ Beim 1:1 machte Torwart Vitus Eicher, der später den Punkt mit einem Riesen-Reflex gegen Lukas Görtler (79.) rettete, keine gute Figur. „Der war haltbar, ganz klar. Das tut mir leid für die Mannschaft, weil wir 1:0 geführt haben. Das ist ein bitterer Tag, in unserer Situation doppelt bitter“, so der Keeper.

Die da wäre: Vorletzter, nur drei von möglichen 21 Punkten. Und Fröhling gerät somit immer mehr in der Schusslinie. Es werden bereits wieder Nachfolger gespielt, etwa Zweitliga-Urgestein Peter Neururer. „Wo gibt es Garantien? Nirgendwo“, sagte Fröhling – und bekam von Sportchef Necat Aygün einmal mehr eine solche: „Der Trainer betrachtet die Situation auch realistisch, genauso wie wir: Wir müssen punkten. Es gibt aber keine Trainerdiskussion. Fakt ist: Wir haben zu wenig Punkte und müssen sehen, dass wir diese schnellstmöglich einfahren – egal ob mit einem dreckigen Sieg oder wie auch immer.“ Allzulang sollte Fröhling nicht mehr sieglos bleiben, sonst wird Aygün den Reflexen des Fußball-Geschäfts nachgeben müssen. Immer, wenn sich ein Sportdirektor gemüßigt sieht, öffentlichkeitswirksam den Treuschwur zum Trainer abzulegen, weiß auch der größte Optimist: Der Coach ist angezählt.

Für Zündstoff sorgte Fröhlings Variante, Korbinian Vollmann anstelle von Michael Liendl zu bringen. Doch Vollmann blieb blass. Warum also auf Hoffnungsträger Liendl verzichten? „Wir wussten, dass es ein Kampfspiel wird, mit Beißen und Kratzen. Liendl ist ein sehr wichtiger Spieler für uns, der den letzten Pass spielen kann, aber wir wollten erst einmal von der Kompaktheit kommen“, erklärte Fröhling.

Eine Aussage, die suggeriert, dass Liendl diese Attribute fehlen. Daher reagierte der so Kritisierte angefressen. „Was soll ich mit so einer Aussage machen? Das hört man natürlich nicht gerne. Ich sehe das ein bisschen anders, weil ich denke, dass wir gegen Bochum schon kompakt gestanden sind“, sagte Liendl, der eigentlich als Führungsspieler aufgebaut werden soll. „Ich glaube, der Klub hat mich deswegen geholt, der Rolle will ich gerecht werden. Aber das ist schwierig, wenn man im dritten Spiel schon auf der Bank sitzt.“ Nächste Chance für die Löwen und den frustrierten Spielmacher: Dienstag in Sandhausen.    Matthias Eicher

 

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