TSV 1860 in der Dritten Liga Haching fordert 45 Millionen Euro - Löwen pflichten bei

, aktualisiert am 17.01.2019 - 15:38 Uhr
Konkurrenten in der Dritten Liga: Günther Gorenzel (li.) vom TSV 1860 und Hachings Claus Schromm. Foto: AZ-Montage/imago/Nordphoto/Lackovic/foto2press

Die SpVgg Unterhaching verlangt vom DFB eine viel höhere Beteiligung an den TV-Geldern und geht mit einem Modell für die Dritte Liga in Vorleistung. Dieses findet auch beim TSV 1860 Anklang.

 

München - Mitunter mutet es grotesk an, wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) versucht, sein "Premium-Produkt" 3. Liga anzupreisen.

Hansa Rostock, der. 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Braunschweig, der Karlsruher SC, dazu die Ex-Bundesligisten Energie Cottbus und KFC Uerdingen - keine Frage, die Dritte Liga birgt viel Tradition und ist fußballerisch attraktiv. Mittendrin: der TSV 1860 und die SpVgg Unterhaching.

Lohnt sich die Dritte Liga?

Aber wie attraktiv ist dieses Produkt für die Teilnehmer wirklich? Ist es wirtschaftlich vielmehr riskant? Ein Rückblick: "Wer die Gegebenheiten seines Standorts realistisch einschätzt, kann in der 3. Liga auch finanziell positiv abschneiden", schrieb der DFB vor dem Saisonauftakt 2012/13. In derselben Mitteilung hieß es, dass damals immerhin die Hälfte der Vereine die Saison 2011/12 positiv abgeschlossen hätten. Und dass das positiv sei. Positiv? Die Hälfte der Klubs?

Seit ihrer Gründung zur Saison 2008/09 bedeutet die Spielklasse vor allem eines: puren Existenzkampf! In der vergangenen Spielzeit erwischte es gleich vier Klubs in nur 14 Monaten: den FSV Frankfurt, den VfR Aalen, Rot-Weiß Erfurt und den Chemnitzer FC.

Während sich die Schwaben aus Aalen gerade durch ihre Planinsolvenz konsolidieren, und Altlasten aus der Zweiten Liga mit in die dritthöchste Spielklasse geschleppt hatten, haben sich andere Klubs von ihrer Zahlungsunfähigkeit nie wieder erholt: Zum Beispiel Ex-Zweitligist Rot-Weiss Ahlen, pleite im Oktober 2010, abgestürzt bis in die Oberliga.

Dritte Liga: Wieder Klubs in Not

In dieser Saison sind bislang der FSV Zwickau und der 1. FC Kaiserslautern in Not geraten - Ausgang ungewiss. Bei vielen Klubs ist es ein ähnliches Szenario - sie können das finanziell nicht leisten, was der DFB an Auflagen von ihnen verlangt. Meist drücken zudem millionenschwere Stadionmieten aufs ohnehin schmale Budget, jüngstes Beispiel - der 1. FCK.

Was die Drittligisten aber vermissen: eine deutlich höhere Beteiligung an den riesigen TV-Einnahmen im Fußball. Das Problem: Die TV-Gelder der DFL gehen nur an die Bundesliga und die Zweite Liga. Nun wagt die SpVgg Unterhaching die Attacke!

"Die 3. Liga bräuchte ca. drei Prozent der von der DFL ausgehandelten 1,5 Milliarden Euro für die TV-Vermarktung", sagt Haching-Coach Claus Schromm im Gespräch mit der AZ: "Das sollte dem deutschen Fußball diese höchst attraktive Dritte Liga wert sein. Unter diesen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen könnte aus unserer Sicht das System auf einmal gesunden." Konkret geht es um ca. 45 Millionen Euro.

Haching macht revolutionären Vorschlag

Zur Einordnung: Für den Saison-Zyklus von 2017/18 bis 2020/21 kassiert die DFL insgesamt 4,64 Milliarden Euro aus der nationalen Vermarktung - rund 1,16 Milliarden Euro pro Saison. Die internationale Vermarktung hinzugerechnet, kommt ein Betrag von etwa 1,5 Milliarden Euro heraus - pro Spielzeit.

Die Vereine aus der Dritten Liga sehen davon kolportiert aber nur ein Prozent. Da die Transparenz fehlt, lässt sich ein Betrag nur schätzen, dieser liegt AZ-Informationen zufolge irgendwo zwischen 15 und 20 Millionen Euro, verteilt auf 20 Klubs. Für einen einzelnen Verein sind also maximal bis zu eine Million Euro drin. Zu wenig, darin sind sich die Klubs einig - und protestieren bei jeder sich bietenden Gelegenheit. "In der Dritten Liga gibt es unter einer Million Euro (pro Verein, d. Red.). Der Schnitt in der Zweiten Liga liegt ungefähr bei zehn Millionen. Wir reden also von einem Zehntel!", hatte SpVgg-Boss Manfred "Manni" Schwabl im AZ-Interview kritisiert.

Aus Haching, wo solide gewirtschaftet wird, kommt ein forscher Vorschlag. "Wir hatten dem DFB bereits Ende 2014 in Anlehnung an den österreichischen Fördertopf ein deutsches Belohnungsmodell präsentiert", erzählt Schromm und erklärt das Modell: "Vereine, die junge, im eigenen Nachwuchsleistungszentrum ausgebildete Spieler in ihrer Profimannschaft einsetzen, werden dafür belohnt. Damit entsteht ein Anreiz, junge in Deutschland geförderte Spieler auf den Platz zu bringen."

Auch der TSV 1860 findet Interesse daran

Es wird mathematisch: Jeder Spieler erhält einen eigenen Quotienten, "mit dem seine Spielminuten multipliziert werden. Dieser errechnet sich aus seinem Alter, der Dauer der Vereinszugehörigkeit sowie den Einsätzen in einer deutschen Juniorennationalmannschaft", erklärt der 49-Jährige. "Wenn ich einen Nachwuchsspieler spielen lassen würde, bekäme ich verhältnismäßig hohe Zuschüsse aus dem Fördertopf. Jeder Trainer würde sich genau überlegen, ob er dem erfahrenen Spieler den Vorrang gibt oder dem jungen Spieler." Spieler, die bestensfalls Kandidaten für die Bundesliga oder Zweite Liga (der DFL) werden.

Klingt nach einer Win-win-Situation. Doch passiert ist in diese Richtung noch nichts. Auch den Einwand, dass die DFL die exorbitanten TV-Einnahmen generiert, will der Hachinger Coach nicht gelten lassen. Schromm zu seinem Modell: "Somit wäre der Zweck der 3. Liga erfüllt, dem Nachwuchs eine echte Bühne zu geben."

Ein Luftschloss? Wohl nicht. Die Löwen begrüßen diesen Vorschlag, klagen schließlich auch sie über die geringen TV-Gelder. Statt vier könnten sechs oder acht U23-Spieler im Kader stehen, oder zwei fest in der Startelf, meint 1860-Sportchef Günther Gorenzel auf Nachfrage: "Das würde die Vereine finanziell entlasten, da man das Gehaltsgefüge nach unten drücken könnte."

Haching-Coach wirbt vehement

Deutlicher wird Kollege Schromm: "Jeder Drittligist könnte in Ruhe wirtschaftlich stabil werden. Somit wäre der Aufstieg nicht mehr die einzige Möglichkeit, aus dem kranken System herauszukommen. Dann wäre die 3. Liga für viele Vereine eine echte Heimat."

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