TSV 1860 Fröhling: "Im Biergarten mit Hans Jammernicht"

Sein Konzept geht auf: 1860-Trainer Torsten Fröhling jubelt. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Löwen-Trainer Torsten Fröhling stand am Mittwoch nach dem Training Rede und Antwort. Er sprach über den DFB-Pokal, ausbleibende Neuzugänge und das anstehende Derby gegen Nürnberg.

 

München - Torsten Fröhling weiß um das schwere Umfeld beim TSV 1860. "Wir wissen alle, wie schwer es ist bei Sechzig, schon als Deutscher, und dann erst als Ausländer, der die Sprache nicht spricht. Das dauert immer ein bisschen, bis man sich an Sechzig gewöhnt, und dabei dürfen wir nicht übertreiben", sagte Fröhling. Zum einen meint der Löwen-Coach seine integrationswilligen Spieler, die derzeit zweimal pro Woche einen Deutschkurs absolvieren (siehe unten).

Zum anderen geht's um die vom Löwen-Umfeld traditionell ausgelebte Einstellung: die riesengroße Fallhöhe zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt: "Das ist mal wieder klar: Jetzt haben wir einmal ein gutes Spiel gemacht, einmal gegen Hoffenheim ein Pokalspiel gewonnen. Jetzt ist alles wieder super. Wir müssen aber realistisch bleiben", weiß Fröhling und witzelt auf die Frage, wie lange er brauchte, um den Klub Sechzig München zu verstehen: "Das war gleich beim ersten Mal im Biergarten, mit Hans Jammernicht!"

Außerdem sprach Fröhling über...

den Pokalerfolg gegen Hoffenheim: So schön das mit dem Pokalspiel war, wir müssen auf den Teppich zurück. Schön, das erlebt zu haben, aber in der Liga immer noch null Punkte. Wir haben uns peu a peu gesteigert, müssen uns auch dort belohnen.

ausbleibende Transfers: Wir müssen schon kucken, dass wir uns da nicht zubauen. Wir haben gesagt: gezielt verstärken. Nachdem wir jetzt umgebaut haben, mit Gary (Kagelmacher, die Red.) auf rechts: Da haben wir Vladi (Vladimir Kovac) als Backup. Okay, links haben wir mit der Verletzung von Jannik Bandowski ein bisschen Probleme, aber da will ich keinen holen. In der Innenverteidigung und auf der Sechs haben wir genug. Wenn wir da was holen würden, wäre es kontraproduktiv.

den jungen, dünnen Kader: Das ist unsere Mannschaft, in die haben wir Vertrauen. Wir wissen aber auch, dass es in einer jungen Mannschaft Rückschläge geben kann, und wir wissen, dass wir in der Breite noch nicht so gut aufgestellt sind auf gewissen Positionen, dass sich da keiner groß verletzen darf. Jetzt sind wir  im Pokal weiter, junge Spieler werden in ein Loch fallen, wenn sich einer verletzt oder sonst was ist, das müssen wir alles kompensieren.

Talent Stephane Mvibudulu: Man muss kucken, wie er das hält. Das Spiel gegen Hoffenheim war wie ein Maßband auf ihn zugeschnitten: Die müssen aufmachen, waren kaputt und dann kommt einer in den letzten zehn Minuten, der jung und unbekümmert ist. Er hat es aber auch sehr ordentlich gemacht, den Ball festgemacht. Das waren jetzt zehn Minuten, jetzt müssen wir Beständigkeit reinkriegen. Das wollen wir behutsam aufbauen. Er bleibt diese Woche dabei, dann geht es mit der U21 wieder los. Und ich habe immer gesagt und denke, das ist einigermaßen eingetreten: Wenn ich jemanden hochziehe und von der anderen Mannschaft wegnehme, muss er auch Einsatzzeiten kriegen. Ich muss keine jungen Spieler hochziehen und auf der Bank versauern lassen, dafür sind sie mir zu schade.

seine Deutsch-Schüler: Lacazette macht zweimal die Woche eine Deutsch-Kurs, Daylon Claasen und Krisztian Simon machen auch mit. Das sind alles Sachen, die unheimlich wichtig sind. Entscheidend ist, dass sie im Spiel miteinander kommunizieren können: Mit Schlagwörtern und Begriffen, die du als allererstes lernen musst. Bei Lacazette ist das Problem, dass er auch kein Englisch spricht.

die Pokal-Auslosung: Ich würde gerne ein Heimspiel haben: Jetzt waren „nur“ 18.000 Zuschauer da, aber das war unser harter Kern, der immer für uns da ist. Die haben eine Riesen-Stimmung gemacht, denen würde ich gerne nochmal etwas bieten. Ansonsten, auch bezüglich Gegner: Ich kann es sowieso nicht beeinflussen. Wir wollen unsere Heimspiele besser gestalten, haben das schon zweimal angedeutet. Wir wollen unsere Heimspiele als Käfig hinkriegen. Gerade die, die immer zu uns halten, in guten wie in schlechten Zeiten, denen würde ich gerne einen Pokalfight zuhause bieten.

 

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