TSV 1860 erkennt umstrittenes Tor an „Betrogen!“ - aber kein Einspruch

Fassungslos: Die Löwen nach der 1:2-Niederlage gegen den MSV Duisburg am Freitag. Foto: dpa

Das Phantomtor von Duisburg: Die Löwen legen nun doch keinen Einspruch ein. Sportchef Kreuzer ist trotzdem sauer: „Unerklärbar, wieso er auf Tor entscheidet.“ Er fordert die Torlinientechnik für Liga 2.

 

München - Das Phantom-Tor von Duisburg erregt immer noch die Gemüter beim TSV 1860. „Ich möchte gar nicht dran denken“, sagt Sportchef Oliver Kreuzer der AZ – und spielt auf einen möglichen Abstieg des Tabellen-17. an. Denn: „In unserer Situation kann sich jedes kleine Detail in der Endabrechnung auswirken.“

Das war geschehen: Löwen-Torwart Stefan Ortega parierte beim 1:2 beim Tabellenletzten MSV Duisburg am Freitagabend einen Kopfball von Thomas Bröker klar auf der Linie, doch Schiedsrichter-Assistent Fabian Maibaum entschied auf Tor zum 1:1. Referee Thorben Siewer verließ sich auf ihn. Es war ein Fehler. „Ich hatte ein gutes Gefühl, bis diese ominöse 73. Minute kam“, meinte Kreuzer. „Das war der Knackpunkt.“

Mittlerweile erkennen die Sechzger das Phantomtor als Tatsachenentscheidung an und sehen von einem Einspruch ab. Den hatten sie noch bis Sonntag in Erwägung gezogen. Trotzdem: Kreuzer ist sauer auf den Schiedsrichter-Assistenten.

„Mit solch einer Entscheidung greifst du ins Spiel ein“, sagte der 50-Jährige. „Dem Schiedsrichter mache ich keinen Vorwurf, sondern dem Linienrichter. Wir fühlen uns betrogen, weil es definitiv kein Tor war. Der Linienrichter kann aus seiner Position heraus unmöglich beurteilen, ob der Ball drin war. Es ist für mich unerklärbar, wieso er da auf Tor entscheidet.“ Doch das tat er – und der Treffer zählt.

„Das ist eine Tatsachenentscheidung. Ein Protest hätte keine Chance auf Erfolg“, erklärte der ehemalige Fifa-Schiedsrichter Urs Meier der AZ. „Wenn man ein Tor gibt, sollte man davon überzeugt sein.“ Das sieht auch Kreuzer so. Der Löwen-Sportchef attackierte auch den DFB. Seine Forderung: Die Torlinientechnologie auch für die 2. Liga – und zwar mit finanzieller Unterstützung des DFB. Ein Zweitligist könne nicht dieselben Kosten tragen wie ein Erstligist.

Kreuzers Idee: Alle Klubs zahlen in einen Topf und ermöglichen so jedem Verein die Finanzierung der Torlinientechnologie. Meier dagegen ist skeptisch. „Es ist eine Kostenfrage. Irgendwo muss man den Schnitt machen“, meinte der Schweizer und nahm das Schiedsrichtergespann um Siewer in Schutz. „Wenn die Referees die Technik nicht zur Verfügung haben, muss man damit leben.“

Er selbst habe von der Bank gesehen, „dass Ortega den Ball vor seinem Körper nach oben schlägt“, sagte ein aufgebrachter Kreuzer. Ein weiterer Kritikpunkt: Die Ansetzung des Schiedsrichtergespanns, die Kreuzer nicht nachvollziehen kann. Zur Erklärung: Schiedsrichter-Assistent Maibaum kommt aus Olpe. Das liegt nur knapp 65 Kilometer von Duisburg entfernt. „Die Schiedsrichter müssen mindestens 50 Kilometer entfernt wohnhaft sein, dass man nicht in Schwierigkeiten kommt“, sagte er: „Ich möchte ja nix unterstellen, aber das ist eine doofe Situation. Diese Ansetzung ist unglücklich.“ Er hätte sich auch einen erfahreneren Referee gewünscht, sagte er. „Es war unglücklich, dass ein junger, unerfahrener Mann dieses wichtige Spiel pfeift“, meinte Kreuzer. „Ich glaube, es war Siewers sechstes Zweitligaspiel.“

Vielleicht aber ein ganz entscheidendes.

 

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