Trotz Corona-Krise München: "Supermärkte wollen nicht abends und Sonntags aufmachen"

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Hüseyin Ince ist Redakteur im Lokalressort der Abendzeitung.
In München wollen die Lebensmittel-Riesen und die kleinen Händler nicht länger öffnen. (Symbolbild) Foto: Martin Gerten/dpa

Warum in München die Lebensmittel-Riesen und die kleinen Händler nicht länger öffnen.

 

München - Um die Grundversorgung mit Lebensmitteln und anderen lebenswichtigen Produkten sicherzustellen, hatte der Freistaat vergangene Woche die Öffnungszeiten für Lebensmittelläden ausgeweitet: Seit dem 18. März dürfen sie werktags von 6 bis 22 Uhr und sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet sein. Zumindest theoretisch. In München scheint kaum ein Supermarkt oder Discounter davon Gebrauch zu machen.

Eine Rewe-Sprecherin erklärt auf AZ-Anfrage, warum die Märkte dafür in München vorerst keinen Grund sehen. "In Anbetracht der aktuellen Situation einer stabilen Warenversorgung sehen wir momentan keine Notwendigkeit, die Öffnungszeiten zu verändern", sagt eine Rewe-Sprecherin. Auch von Lidl heißt es, man "beobachtet die aktuellen Entwicklungen sehr genau".

Mitarbeiter und Kunden schützen

Eine Lidl-Sprecherin sagte der AZ: "Unser wichtigstes Ziel ist es, Mitarbeiter und Kunden zu schützen und die Warenverfügbarkeit für die Bevölkerung sicherzustellen." Zum jetzigen Zeitpunkt gehe das zu den gewohnten Öffnungszeiten, man plane aktuell auch nicht, diese auszuweiten.

Die Sprecherin weist auch auf die enorme Belastung hin, die das normale Tagesgeschäft – ohne erweiterte Öffnungszeiten – von den Mitarbeitern in den Märkten abverlangt. "Sie geben Tag und Nacht ihr Bestes, damit unseren Kunden genug Waren zur Verfügung stehen, die sie für ihren Alltag benötigen", so die Sprecherin.

Gewerkschaft warnt vor Überlastung Auf die besondere – psychisch sowie körperliche – Belastung, weist Heinrich Birner von der Gewerkschaft Verdi hin. "Beschäftigte im Handel sind ohnehin enorm überbelastet", sagt er. Eh schon längere Arbeitszeiten würden auf die Sorge treffen, ob man sich nicht doch infiziert hat, sagt Birner. Die Erweiterung der Öffnungszeiten auf 22 Uhr hält er für ein "Unding". Birner: "Das ist der völlig falsche Weg."

Ähnlicher Meinung ist Bernd Ohlmann, Sprecher vom Handelsverband Bayern. Er sagt: Das Personal arbeitet schon jetzt am Limit, "zudem ist der Bedarf für erweiterte Öffnungszeiten nicht da." Er vermutet zudem, dass die Spitze der enormen Kundenanstürme schon erreicht ist – und die großen Panikeinkäufe jetzt wieder abflachen.

OB Reiter schlägt Einkaufszeiten für Risikogruppen vor

Den Vorschlag von OB Dieter Reiter (SPD), Einkaufszeiten für gefährdete Bevölkerungsgruppen wie Senioren einzuführen, hält Ohlmann zwar für eine "gute Absicht", die aber praktisch schwer umzusetzen sei. Ohlmann sieht Schwierigkeiten darin, das zu kontrollieren.

Wenn das nicht klappe, dann begrüße er auch Maßnahmen, die ein Supermarkt bereits getroffen hat, sagt Ohlmann. "Eine Packung Toilettenpapier wird zum normalen Kaufpreis angeboten, für die zweite Rolle muss man auf den normalen Kaufpreis fünf Euro obendrauf zahlen."

Auch inhabergeführte Supermärkte erweitern die Öffnungszeiten nicht. Etwa der Verdi-Supermarkt in der Landwehrstraße. "Wir wollen das grundsätzlich nicht", sagt ein Mitarbeiter. "Zudem laufen die Geschäfte seit der Corona-Krise deutlich schlechter. Wir haben viel weniger Kundschaft als sonst. Da wäre es sinnlos, noch länger offen zu haben." Den genauen Umsatzrückgang könne man derzeit nicht beziffern. Vor der Coronakrise machte der relativ kleine, überregional bekannte türkische Markt einen Jahresumsatz in Millionenhöhe, im niedrigen siebenstelligen Bereich.

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