Trainerdebatte bei den Löwen 1860-Coach Runjaic: "Wenig reden, viel arbeiten"

Ruhe bewahren: Kosta Runjaic. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Nach nur acht Punkten aus acht Spielen steht Coach Kosta Runjaic bei den Löwen schon in der Kritik. Er sagt: "Trainerdiskussionen bei den Löwen sind nichts Neues. Insofern interessiert mich das nicht."

 

München - So kann es schlicht nicht weitergehen beim TSV 1860. "Es gibt Redebedarf", hatte Kosta Runjaic nach dem enttäuschenden 0:2 bei den Würzburger Kickers erkannt – und erklärt. Die Gesprächsinhalte in den letzten Tagen hätte sich der Trainer der Löwen vermutlich anders vorgestellt. Denn: Es ging hauptsächlich um seine Person. Und seinen Job.

"Es wird keine Trainer-Diskussion geben – bis Weihnachten", wurde Präsident Peter Cassalette am Dienstag in der "Bild" zitiert. Eine Aussage, zu der sich der Oberlöwe in einem Bierzelt auf dem Oktoberfest hinreißen ließ und im Leben nicht damit rechnete, dass sie in der Zeitung landen würde.

Zu allererst besagt sie, dass man sich, was den Schleudersitz 1860-Trainerstuhl betrifft, nach nur acht Pünktchen aus acht Spielen (vorerst) nicht zu einer vorschnellen Kurzschluss-Reaktion hinreißen lassen will.

Sie macht aber auch deutlich, dass die Sechzger nicht ewig Geduld haben. Eine Platzierung im Tabellenkeller zur Winterpause? Das darf nicht sein. So oblag es Sportchef Thomas Eichin als Boss von Runjaic, Stellung zu dem verunglückten Präsidenten-Statement zu nehmen. "Keine Ahnung, was Cassalette genau gesagt hat. Er hat es mir aber so erklärt: Das ist in einem privaten Gespräch gefallen."

"Jeder soll seinen Job machen"

Da es aber nicht privat geblieben war, erklärte Eichin auf AZ-Nachfrage: "Ich führe keine Trainerdiskussion. Ich vertraue ganz klar dem Trainerteam, dass es die richtigen Schritte einleitet."

Ob das bis zur Winterpause so bleibe, könne er nicht sagen – im Falle einer Pleiten-Serie genießt selbstredend auch jener Trainer, unter dessen Regie in der nächsten oder übernächsten Spielzeit der Aufstieg perfekt gemacht werden soll, keine Jobgarantie mehr.

Runjaic selbst hatte sich gestern, wie es zunächst von Vereinsseite hieß, ein Schweigegelübde auferlegt. Sendepause statt Redebedarf. Eigentlich.

"Unser Fokus liegt auf Arbeit"

Nach kurzer Absprache mit Eichin am Trainingsplatz stand Runjaic doch Rede und Antwort. Kurz angebunden, aber mit klaren Worten, erklärte der 45-Jährige: "Trainerdiskussionen bei den Löwen sind nichts Neues. Insofern interessiert mich das nicht. Mich interessiert das, was mein Job ist – mit der Mannschaft Punkte zu holen."

Die überdachte Taktik: lieber cool wegbügeln, als nichts sagen. Allzu lässig wirkte Runjaic dabei aber nicht, vielmehr sichtlich von dieser Thematik genervt. So kann nachfolgendes Statement, das er noch fallen ließ, womöglich auch als Kritik am fröhlich plaudernden Präsidenten interpretiert werden: "Unser Fokus liegt auf Arbeit. Wenig reden, viel arbeiten. Jeder soll seinen Job machen."

Am Biertisch über interne Abläufe zu sprechen, dürfte nicht in den Aufgabenbereich Cassalettes fallen. Ansonsten gehe es für die Mannschaft laut Coach darum, sich optimal auf das richtungsweisende Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf (16. Oktober) vorzubereiten. "Da kommt uns die Länderspielpause gelegen: Wir haben jetzt elf Tage Zeit, um uns auf den nächsten Gegner vorzubereiten."

Ob es angesichts der prekären Lage auf dem Rasen anders zugehe? Runjaic: "Wir hatten bisher viel Spaß, sind harmonisch miteinander umgegangen. Jetzt geht’s nicht um Spaß, sondern um das, was nötig ist – im nächsten Spiel Punkte zu holen. Was war, darüber braucht man jetzt nicht reden. Was auf uns zukommt, ist entscheidend. Alles andere werden wir intern besprechen."

Dort scheint es nach wie vor Redebedarf zu geben.

 

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