Trainer-Rauswurf beim TSV 1860 Ex-Löwentrainer von Ahlen: Seine fünf Fehler

Ex-Löwentrainer Markus von Ahlen. Foto: MM/AZ

Coaching, Stagnation, Sturheit, Personalpolitik, Taktik: Darum scheiterte Markus von Ahlen als Trainer beim TSV 1860.

 

München - Nur 147 Tage dauerte seine Amtszeit. Dann war Markus von Ahlen nicht mehr Cheftrainer des TSV 1860. Seit Dezember 2012 war er im Verein – erst als Coach der U21, dann als Co-, als Interims- und schließlich als Chefcoach. Doch weil er als Oberdompteur nicht das erfüllen konnte, was man sich aufgrund seiner Erfolge als Interimstrainer erhofft hatte, wurde er am Dienstag von seinen Aufgaben entbunden. Die Gründe des Scheiterns.

1. Mauertaktik gegen Darmstadt: Die endgültige Entscheidung dürfte bei den Bossen gereift sein, als sie die Aufstellung der Löwen gegen Darmstadt sahen. Von Ahlen präsentierte in der Startelf gleich sieben Verteidiger. Mauern für den Punktgewinn schien die Devise. Eine Mischung aus Trotz, Resignation, Kapitulation und Angst. Aber auch: ein letztes Auflehnen gegen die Vorgabe von Sportchef Gerhard Poschner. Noch nie hatte sich von Ahlen derart dem 4-3-3 verweigert wie gegen Darmstadt (1:1). Selbst ein Sieg hätte ihn nicht mehr gerettet. Die Art und Weise, wie von Ahlen an diesem Tag Fußball zerstören – statt spielen – ließ, kam trotz positiven Ergebnisses einer Bankrotterklärung gleich.

2. Kein Einfluss von der Trainerbank: Die Spiele gegen Heidenheim und Darmstadt waren zudem ein weiterer Beweis dafür, dass es von Ahlen nur selten geschafft hat, seine Mannschaft von der Seitenlinie zu führen, sobald das Spiel lief. Gegen Heidenheim brach sein Team unmittelbar nach der Halbzeit zusammen. Die Halbzeitansprache zeigte keine Wirkung, den ersten Wechsel nahm von Ahlen erst nach dem Ausgleich vor. Auch gegen Darmstadt wartete von Ahlen mit seinen ersten Wechseln bis nach dem Ausgleich, statt schon früher auf die aufgerückten und konteranfälligen Lilien zu reagieren. Zweimal führte 1860 zur Halbzeit mit 1:0, am Ende stand nur ein Punkt zu Buche.

3. Fehlende Entwicklung: Immer wieder erklärte von Ahlen, dass sein Team Zeit bräuchte, um zusammenzuwachsen und als Einheit zu funktionieren. Dazu bekam er noch einmal in der Vorbereitung die Chance. Das Ergebnis: Gegen Heidenheim hielt diese Einheit genau 45 Minuten, gegen Darmstadt warf der 44-Jährige daraufhin alles über den Haufen, was er spieltaktisch noch in Marbella erarbeitet hatte.

4. Personalpolitik: Auch seine Personalpolitik brachte von Ahlen heftige Kritik ein. Yannick Stark stützte er immer wieder, das Ende ist bekannt. Andere Spieler (Hertner, Schindler, Claasen) pendelten teilweise von Spiel zu Spiel zwischen Tribüne und Startelf. Und Neuzugang Krisztian Simon? Der ungarische Nationalspieler, ein Wunschspieler von Ahlens, endete nach einem Joker-Einsatz gegen Heidenheim als 19. Spieler in Darmstadt auf der Tribüne.

5. Keine Hilfe von außen: Das Bild komplettierte von Ahlens Trainerteam. Filip Tapalovic hatte schon als U19-Trainer auf der Kippe gestanden, wurde trotzdem zum Co bei den Profis befördert. Einen zweiten Co-Trainer lehnte von Ahlen ab, obwohl der Verein ihm die Option gelassen hatte, einen weiteren erfahrenen Trainer hinzuzuholen. Und auch als für jeden offensichtlich wurde, dass die Mannschaft ein mentales Problem mit sich herumträgt, lehnte es von Ahlen ab, einen Sportpsychologen zurate zu ziehen.

 

37 Kommentare