Traditionskino vor dem Aus Filmriss: Das Maxim muss schließen

Siegfried Daiber führt das Maxim seit mehr als 30 Jahren. Foto: Az-Archiv

Im 1912 eröffneten, drittältesten Kino der Stadt gehen die Lichter aus. Betreiber Siegfried Daiber (75) hört im März 2016 auf.

 

München - Es ist ein Fixpunkt an der Landshuter Allee: die Leuchtreklame mit den roten Buchstaben, die kleinen Filmplakate und in die Jahre gekommenen weißen Türen. Das Maxim-Kino kennt man. Jetzt könnte dort bald die letzte Filmrolle durchlaufen. Der Vermieter hat den Vertrag nicht verlängert.

Das Maxim stammt noch aus einer Zeit, in der Kinos Lichtspielhäuser hießen. 1912 eröffnete es als „Lichtspieltheater des Westens“. Cineast Siegfried Daiber hat es vor gut 30 Jahren übernommen. Der 75-Jährige hat immer das gezeigt, was woanders nicht ins Programm gefunden hat. Abseitige Dokumentationen, Independent-Produktionen, Liebhaberfilme.

Es stirbt ein Stück Münchner Filmgeschichte

Ende März soll damit Schluss sein. Daiber klingt müde, wenn er darüber spricht. Um ihn gehe es nicht, er sei nicht mehr der Jüngste. „Mir tut leid, dass eine bestimmte Form von Filmgeschichte stirbt.“

2010 hatte Daiber schon einmal eine Mieterhöhung bekommen, kurz zuvor hatte der Besitzer des Hauses gewechselt. Seither ist die Zukunft des Kinos wackelig geworden.

Man kann die Unsicherheit gut sehen – indirekt: an den alten Kinosesseln, denen ein neues Polster guttun würde, oder an der veralteten Technik. Aber wenn man nicht weiß, ob es weitergeht, investiert man eben nicht mal 30 000 Euro, sagt Daiber: „Deshalb haben wir nicht sehr viel gemacht.“

Daibers Elan scheint verpufft zu sein. Selbst wenn es mit dem Maxim weitergehen sollte: Er will nicht mehr in der ersten Reihe stehen.

Frische Impulse würden dem Kino nützen

Den Massengeschmack wollte das Maxim nie treffen. Doch in den vergangenen Jahren ist es um das Lichtspielhaus ruhig geworden. Festivals wie das Dokfest finden dort seit acht Jahren nicht mehr statt. Auch die Besucherzahlen sind zurückgegangen.

Jan Jäger möchte das ändern. Vor einem Jahr ist der 25-Jährige beim Maxim eingestiegen. Jäger lernt Veranstaltungstechniker, Film macht er aus Leidenschaft. Er will das Kino modernisieren – aber in einem ersten Schritt vor allem retten.

Dafür sammelte er Unterschriften und sucht die Unterstützung im Bezirksausschuss. Auf der Plattform change.org haben bereits gut 2000 Menschen eine Petition für den Erhalt des Maxim unterschrieben: „Ein paar Hoffnungsschimmer gibt es noch.“

Der Besitzer des Hauses, Carsten Nickel, sieht das anders. Er habe Daiber eine Miete zum marktüblichen Preis angeboten. Über Zahlen will Nickel nicht sprechen. Beim Maxim heißt es, die Mieterhöhung liege bei 40 Prozent. Man habe sich nicht geeinigt, so der Vermieter. Deshalb habe er den Vertrag gekündigt.

Was nach dem Maxim kommen soll, darüber hält er sich bedeckt: „Ich bin offen für alles.“ Auch ein Kino wäre möglich, aber kein zweites Maxim mit Daiber: „Die Filme, die er zeigt, interessieren keinen Menschen.“

 

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