Traditionsgeschäft in Nöten Nach AZ-Bericht: Hoffnung für Souvenirladen in der Altstadt

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Kuckucksuhren und Geschenke: Das Ehepaar Nehmeyer in seinem Geschäft. Foto: Sigi Müller

Weil dem Ehepaar Herrmann-Nehmeyer in der staatlichen Immobilie trotz Krise keine Pacht erlassen wurde, drohte das Aus. Nun wird der Freistaat doch aktiv.

 

München - Weil der Freistaat auf ihre Hilferufe nur mit Floskeln reagiert hat, stand das Ehepaar Herrmann-Nehmeyer mit seinem Geschenke-Geschäft in der Neuhauser Straße 2 vor der Pleite.

Nach einem AZ-Bericht ist der Freistaat jetzt doch aktiv geworden. "Es meldete sich der zuständige Referatsleiter aus dem Ministerium für Bau, Wohnen und Verkehr. Es täte ihm leid, dass die Kommunikation mit der Immobilien-Abteilung so gelaufen ist, und er wird dort nochmals darauf hinweisen, dass es so nicht geht", sagt Bernd Nehmeyer der AZ.

Herrmann Geschenke: Die Angst vor der Insolvenz

Der Souvenirladen zahlt eine Spitzenmiete von 320 Euro pro Quadratmeter Verkaufsfläche an die Immobilien Freistaat Bayern. Deshalb hatte das Ehepaar gebeten, dass die Miete erlassen wird und für die Zeit nach Corona eine angemessene Miete festgelegt wird. Sonst sind sie Mitte April insolvent.

"Des Weiteren teilte er uns mit, dass mit Hochdruck an einer Lösung für alle Mieter gearbeitet wird und signalisierte Gesprächsbereitschaft, sobald durch neue Verordnungen der rechtliche Rahmen dafür vorhanden sei", sagt Nehmeyer.
 

Herrmann Geschenke: 600 Euro Mietschulden pro Tag

Seit 60 Jahren gehen bei Herrmann Geschenke hochwertige Souvenirs über die Ladentheke, besonders für seine Kuckucksuhren ist der Laden in der Neuhauser Straße bekannt. Annemarie Herrmann (58) und Bernd Nehmeyer (56) haben zusammen schon viele Krisen überstanden: den Terroranschlag vom 11. September, die Sars-Pandemie und die Finanzkrise.

Die Corona-Pandemie droht das Familiengeschäft in seinen Festen zu erschüttern – weil ihnen der Freistaat eben nicht entgegenkomme, so zunächst der Vorwurf des Ehepaares.

Als 2015 der FC Bayern mit seinem Fanshop in das Gebäude gezogen ist, wurde die Miete um 30 Prozent erhöht. Derzeit entstehen dem Ehepaar allein 600 Euro Mietschulden – pro Tag wohlgemerkt und derzeit ohne jede Einnahme.

Herrmann Geschenke: Die Suche nach einer Perspektive

Deshalb hatte sich Annemarie Herrmann mit einem Brief an Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und ihren Vermieter, die Immobilien Freistaat Bayern, gewandt.

"Unser Blick richtet sich auf die Zeit nach der Corona-Krise, wenn der Freistaat Bayern mit uns spricht, uns jetzt eine Perspektive bietet. Wenn nicht, sind wir am Ende und melden spätestens Mitte April Insolvenz an, verlieren aufgrund privater Bürgschaften wahrscheinlich unsere Altersvorsorge und unser Haus und reißen einige kleine Zulieferer mit", heißt es darin. Doch der staatliche Vermieter sprach weiter nur in vorgefertigen Textbausteinen mit dem Ehepaar.

"Geschäfte wie wir werden in dieser Form nicht mehr existieren"

Die AZ erhält auf Anfrage dieselbe Antwort von der Immobilien Freistaat Bayern wie das Ehepaar: Die Miete wird für drei Monate gestundet. "Wir bitten aber um Verständnis, dass zu darüber hinausgehenden Maßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund der unklaren weiteren Entwicklungen der Krise und der zu beachtenden rechtlichen Rahmenbedingungen noch keine Aussagen getroffen werden können", hieß es in der E-Mail.

"Geschäfte wie wir werden in dieser Form nicht mehr existieren", sagte Nehmeyer. Deshalb hatte das Ehepaar schon Ideen entwickelt, wie sich Herrmann Geschenke verändern muss, um weiter zu bestehen.

Vermieter verweigerte Gespräche und Verhandlungen

Das Problem: Laut Mietvertrag dürfen in dem Ladengeschäft nur Souvenirs verkauft werden. Die Touristen, die die kaufen, kommen aber in der nächsten Zeit nicht mehr. "Das Schlimmste für uns persönlich ist die Weigerung unseres Vermieters, auch nur mit uns zu sprechen, um zu verhandeln, eventuelle Möglichkeiten auszuloten. Auf vielfache Nachfrage bekamen wir nur eine Information, wo wir den Antrag für eine Stundung der Miete herunterladen können", sagte Nehmeyer. Da hatte er schon erklärt, dass eine Stundung nicht in Frage kommt, weil das als Insolvenzverschleppung ausgelegt werden könnte.

Enttäuscht schrieb Nehmeyer: "Vielen Dank auch von unseren fünf Angestellten und vielen kleinen – meist deutschen – Zulieferbetrieben. Der eine oder andere wird unsere Insolvenz wohl nicht verschmerzen können! Wir wären nach der Krise aufgestanden und hätten in die Hände gespuckt und wieder etwas aufgebaut. Aber dazu hätte der "Bayerische Löwe" aus seiner Schockstarre erwachen und zumindest mit uns sprechen müssen."

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