Tote Hose im Puff Bordelle und Sex-Arbeiterinnen in der Corona-Krise

In den Bordellen und Sex-Clubs Münchens herrscht wegen der Corona-Krise seit Wochen tote Hose. Foto: imago/Petra Schneider

Sex-Clubs und Bordelle in der Stadt kämpfen ums nackte Überleben. Die Betriebe sind seit Wochen wegen dem Coronavirus geschlossen. Und jetzt fällt auch noch das Wiesn-Geschäft weg.

 

München - Keine Erotik, kein Zauber, kein Geschäft. Im New Pasha’s im Stahlgruberring hat sich seit Wochen kein Kunde mehr blicken lassen. Der Shutdown hat auch die Rotlichtbranche lahmgelegt. Manche Escort-Lady versucht, mit Hausbesuchen die Corona-Krise zu überstehen.

Erotik-Club-Managerin: "Die Wiesn war unsere letzte Hoffnung"

Im New Pasha’s hält nur noch die Managerin Alice Strandl die Stellung. Zwei oder drei Mal die Woche sieht sie in dem Erotik-Club nach dem Rechten und holt die Post. Gute Nachrichten sind keine dabei. Im Gegenteil. "Die Absage des Oktoberfests ist die nächste Katastrophe", sagt Alice Strandl. Erst wurden alle Messen abgesagt, dann die Clubs komplett geschlossen. "Die Wiesn war unsere letzte Hoffnung, dass das Jahr nicht völlig im Desaster endet", sagt die Managerin.

Normalerweise arbeiten bis zu 15 Frauen im New Pasha’s. Viele stammen aus Osteuropa, alle sind weg. Bis auf zwei Bulgarinnen. Die sitzen in München fest und dürfen nicht mehr über die Grenze. Die beiden Mädchen wohnen momentan in Zimmern, die ihnen der Club zur Verfügung stellt. Mietfrei, die Frauen haben kein Einkommen. "Wir können sie doch nicht einfach ihrem Schicksal überlassen", sagt Alice Strandl. "Wir sind auch in der Not füreinander da."

Sex-Arbeiterinnen in finanzieller Notlage 

Viele Clubs und Bordelle kämpfen inzwischen ums nackte Überleben. "Anfangs dachten wir, zwei oder drei Wochen werden wir das schon durchhalten", sagt Bianca. Die 23-Jährige arbeitete bis zum Shutdown in verschiedenen Münchner Bordellen. Jetzt sitzt die gelernte Einzelhandelskauffrau daheim und weiß nicht, wie sie ihre Miete und die Rechnungen bezahlen soll. Inzwischen ist mehr als ein Monat vergangen und kein Silberstreif am Horizont in Sicht. "Wir haben uns um finanzielle Unterstützung bemüht, so wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen in der momentanen Krise auch", sagt Alice Strandl. Für die Sex-Arbeiterinnen wurde Kurzarbeitergeld beantragt.

Letzte Woche war im New Pasha’s eine Kontrolle. Ein Mitarbeiter des KVR sah sich um, überprüfte, ob der Betrieb tatsächlich geschlossen ist. Zu beanstanden gab’s nichts. Wie auch, die Zimmer sind leer, die Bar verlassen. Doch nicht die gesamte Rotlichtbranche ist lahmgelegt. Die Polizei erwische am vergangenen Freitag eine 22-Jährige, die trotz Kontaktverbot arbeitete.

Die Frau kam gegen 21.45 aus einem Bordell im Münchner Norden und stieg in ein Taxi. Eine Zivilstreife folgte ihr unauffällig. Das Taxi stoppte vor einem Mehrfamilienhaus in Bogenhausen. Dort stattete die Prostituierte einem 54-Jährigen einen Hausbesuch ab. Als die 22-Jährige wenig später wieder aus dem Haus kam, wurde e sie von Polizisten in Empfang genommen. Sie erhielt eine Anzeige wegen illegaler Prostitution und Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz. Wegen Letzterem wurde auch der Freier angezeigt.

Riskant: Hausbesuche und Straßen-Prostitution

Kein Einzelfall, wie Kenner der Rotlichtszene sagen. Die Kontaktforen im Internet sind voll mit Frauen, die Sex gegen Bezahlung anbieten. So manche Escort-Lady versucht so, die Corona-Krise zu überstehen. "Die Frauen riskieren dabei nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch die ihrer Kunden", sagt Alice Strandl.

Die Flaute in den Clubs und Bordellen zwingt manche der Sex-Arbeiterinnen auf die Straße. Doch auch hier lässt sich kaum Geld verdienen. "Die Freier versuchen, die Preise zu drücken", erzählt eine Prostituierte. Manche bieten zehn oder 20 Euro für eine schnelle Nummer. Dazu kommt die Angst, erwischt zu werden. Die Polizei kontrolliert die einschlägigen Plätze am Stadtrand. Wer erwischt wird, zahlt Strafe.

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