Torhüter-Legende wird 75 Breitner gratuliert Maier: "Sepp ist ein Original“

Paul Breitner über Sepp Maier: "Er wollte den Erfolg, hat absolute Leistungsbereitschaft von seinen Mitspielern eingefordert, aber immer auf positive Art und Weise." Im Bild: Maier bei der WM 1978. Foto: Eggitt/dpa

Hier schreibt Paul Breitner über seinen ehemaligen Teamkollegen: "Er ist ein Grantler – und neben Manuel Neuer der beste Torhüter aller Zeiten." Am heutigen Donnerstag wird Sepp Maier 75 Jahre alt.

 

Von Paul Breitner

Wie der Bayer an sich ist der Sepp ein Grantler. Aber: Er hat die Fähigkeit, vom einen auf den anderen Moment einen Spaß zu machen und damit eine angespannte Situation ins Lustige, manchmal sogar ins Lächerliche zu ziehen. Wie ich auch ist der Sepp ein echter Bayer, ein Original. Einer, der eben auch hin und wieder seinen Grant auslebt. Andererseits hat er nie einen Spieler zusammengestaucht, niemals niedergemacht. Das habe ich ihm immer hoch angerechnet.

Er wollte den Erfolg, hat absolute Leistungsbereitschaft von seinen Mitspielern eingefordert, aber immer auf positive Art und Weise. Als ich 1970 vom ESV Freilassing an die Säbener Straße kam, rangierte der Franz in der Hierarchie ganz oben. Beckenbauer, Sepp und Gerd Müller kamen von der WM in Mexiko, waren für uns Junge wie Uli Hoeneß und mich außer Reichweite.


 

14. Mai 2016: Am letzten Bundesliga-Spieltag vor dem Bayern-Heimspiel gegen Hannover 96 macht Sepp Maier (links) für seinen früheren Teamkollegen Paul Breitner den Torero.
14. Mai 2016: Am letzten Bundesliga-Spieltag vor dem Bayern-Heimspiel gegen Hannover 96 macht Sepp Maier (links) für seinen früheren Teamkollegen Paul Breitner den Torero. Foto: imago/MIS

 

Paul Breitner über Sepp Maier: "Er hat die Gosch'n aufgemacht"

Über allen stand der Franz, unangefochten, dann kam lange nix, dann der Sepp und der Gerd. Wenn nötig, war er jedoch ein durchaus streitbarer Charakter. Als ich 1978 aus Braunschweig zurück zum FC Bayern kam, wurde ich sein Stellvertreter als Kapitän.

Gemeinsam haben wir Präsident Wilhelm Neudecker verabschiedet und Trainer Max Merkel verhindert. Wir haben den Verein umgedreht. Das war meine intensivste Zeit mit Sepp, ein Genuss – in jeder Hinsicht. Denn er war gradaus, hat die Gosch'n aufgemacht – mit allen Konsequenzen. Das hat uns immer verbunden.

Natürlich auch der WM-Titel 1974, das Finale gegen die Niederlande. Du kannst als Torhüter kein größeres Spiel machen. Er hat sich da hineingesteigert, kann sich das wohl heute noch nicht erklären, wie gut er da war. Sepp hat Bälle an den Körper bekommen, weil er in einer Mischung aus Instinkt und Fallwinkel angeschossen wurde. Seine Leistung in der zweiten Halbzeit, als die Holländer auf den 2:2-Ausgleich drängten, war einfach magisch.

Paul Breitner: Dank Sepp Maier über sich hinausgewachsen

In diesem Endspiel hat er mir einen Moment in meiner Karriere geschenkt, an den ich mich immer wieder gerne mit Erstaunen erinnere. Etwa in der 70. Minute habe ich einen Ball, als Sepp ausgespielt war, per Kopf von der Linie gerettet. Ich wusste nicht, dass ich so hoch springen konnte, bin sprichwörtlich über mich hinausgewachsen. Das war der wertvollste der lediglich zehn Kopfbälle, die ich in meiner gesamten Karriere gemacht habe.

Sepp war übrigens keiner dieser unsäglichen Schauspieler-Torhüter, dieser Nullinger-Torhüter, die nach einem Gegentreffer sofort gestenreich den Fehler einem Mitspieler zuschieben. Und er war ein hervorragender Fußballer, mit seiner Art zu spielen, den ganzen Strafraum zu beherrschen, würde er auch perfekt in die heutige Zeit passen.

Für mich ist Sepp neben Manuel Neuer der beste Torhüter aller Zeiten, auch wenn sie völlig konträre Stärken haben. Sepp war der Großmeister der Strafraumbeherrschung, während Manuel der Großmeister des Spielaufbaus ist. 

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