Tollwood Auf Tollwood feiern Moop Mama ihr zehnjähriges Bestehen

Zehn Freunde müsst ihr sein! Die Band Moop Mama ist trotz ihrer Größe sehr mobil. Foto: Felix Baab

Auf dem Tollwood Sommerfestival feiert die Band Moop Mama ihr zehnjähriges Bestehen

 

Unabhängigkeit ist für die Münchner Band Moop Mama zentral. Deswegen haben sie ihre letzten beiden Alben auf ihrem eigenen Label rausgebracht.

AZ: Herr Langbein, was sind als Musiker die Vorteile der Unabhängigkeit?
KENO LANGBEIN: Dass uns niemand in Entscheidungen reinreden kann. Wir sind eine zehnköpfige Band und da ist es schon anstrengend genug, sich untereinander einig zu werden. Das hat aber alles Vor- und Nachteile: Die Nachteile haben meist ökonomische Gründe. Die Vorteile sind, dass wir viele Kräfte zusammenlegen können und jeder seine speziellen Talente für uns einbringt.

Sie haben Ihre Heimatstadt München gegen Hamburg getauscht. Was vermissen Sie an der „Stadt, die immer schläft“ wie Moop Mama sie besingt?
Die vielen Menschen. Ich habe in 30 Jahren in dieser Stadt unglaublich viel erlebt und bis zum Stadtrand in verschiedenen Orten Münchens gelebt.

Was kann München von anderen Städten lernen?
Eine gewisse Weltgewandtheit und Offenheit. Ich finde, München ist eine sehr bewertende Stadt und das spürt man im täglichen und kulturellen Leben. München könnte die eigene Position bisschen mehr hinterfragen. Sie hält sich für eine Großstadt, aber wenn man mal in anderen Großstädten unterwegs ist, merkt man, dass sich München schon sehr klein anfühlt.

Was fehlt der Stadt, um sich besser anzufühlen?
Die Stadt lässt leider immer noch zu wenig Freiräume für Subkultur. München ist hochkulturell geprägt und das ist an sich nichts Schlechtes, aber der Gegenpart mit alternativen Projekten, die auch mal ein bisschen anti und dreckig sind, ist oft sehr randständig. Da könnte man sich einfach mehr öffnen.

Political und Social Awareness werden immer größere Themen und es ist mittlerweile wieder cool, auf die Straße zu gehen. Wogegen wird noch gar nicht protestiert?
Es gibt sehr viele Themen, für die zurecht demonstriert wird wo noch nicht genug Aufmerksamkeit draufliegt. Ein Beispiel ist Klima, ein anderes ist der Rassismus. Es laufen zwar fortwährend Diskussionen darüber, aber es ist längst nicht im öffentlichen Verständnis angekommen. Daher haben diese Themen noch mehr Aufmerksamkeit verdient.

Mit Moop Mama äußern Sie sich regelmäßig politisch. Haben Sie auch schon mal einen Shitstorm erhalten?
Komischerweise noch nicht. Wenn wir uns in irgendeiner Form politisch geäußert haben, war es immer so, dass unser Publikum zum größten Teil unsere Ansichten teilt und diese auch unterstützt. Wir haben zum Beispiel vor einer Wahl mal ein Video gemacht, in dem wir einen Song gespielt haben, der dazu aufgerufen hat, nicht für die AfD zu stimmen. Da hatten wir erwartet, dass viel mehr Gegenwind oder Kritik von Leuten kommt, die sich auf den Schlips getreten fühlen. Aber da merkt man, dass man nur gewisse Menschen innerhalb der eigenen Reichweite erreicht.

Mit Moop Mama hatten Sie bereits einige Kollaborationen mit anderen Künstlern, wie zum Beispiel Jan Delay. Mit wem würden Sie gerne mal zusammenarbeiten?
Da gibt es viele! Wir arbeiten gerade sogar an einem Projekt, das wir letztes Jahr angefangen haben. Es nennt sich „Moop Mama trifft“ und geht darum, wie wir uns mit Künstlern treffen und deren Songs auf unsere Art und Weise performen. Da sind wir Band-intern gerade kräftig am diskutieren, mit wem wir gerne zusammenarbeiten würden.

Bei zehn Meinungen sicher nicht so einfach.
Auf jeden Fall! Wir sind zehn Menschen mit sehr unterschiedlichen Geschmäckern.

Sie plädieren für einen optimistischen Umgang mit der Gegenwart und der Zukunft. Auf was freuen Sie sich besonders in der Zukunft?
Es gibt viele gute Ideen, die sich in der Zukunft umsetzen lassen: Alternative Konzepte, ob es da um Arbeit oder Gesellschaft geht, oder dass Aufmerksamkeit für bestimmte Themen wächst – da bin ich optimistisch. Ich freue mich zum Beispiel drauf, wenn wir eines Tages nicht mehr mit eigenen Autos durch die Gegend fahren oder sich Arbeit und Bildung menschengerechter und freier werden. Früher oder später wird das passieren.

Vor zehn Jahren sind Sie mit Moop Mama durch ein Guerilla-Konzert entlang der Isar bekannt geworden. Kommt so ein spontanes Open-Air-Konzert auf Augenhöhe mit den Zuschauern noch in Frage?
Auf jeden Fall! Das ist immer noch ein Teil unserer Band-Philosophie. Wir haben von Anfang an diese Mobilität als Teil von uns gesehen, damit wir spontane Auftritte machen können. Das ist uns ganz wichtig. Das neue Projekt „Moop Mama trifft“ beinhaltet auch, dass wir mobil spielen wollen, aber dadurch, dass wir viele Termine haben und unter einem anderen Zeitdruck stehen als früher, müssen wir viel genauer überlegen, was wir wann und wo machen. Also von der Probe direkt auf die Straße ist leider nicht mehr möglich, aber wir denken uns kleine Projekte aus, wie wir beispielsweise anlässlich des letzten Albums eine kleine Straßentournee gemacht haben.

Was bedeutet Ihnen das Tollwood?
Es hat eine sehr spezielle Bedeutung für uns, weil wir dort zum ersten Mal als Vorband von Jan Delay gespielt haben, was für uns ein wichtiger Moment war, weil wir mit ihm auf Tour gegangen sind. Und nun kehren wir zurück und werden, wenn alles glatt läuft, unser größtes Konzert spielen, in der Stadt wo für uns alles angefangen hat. Das wird also ein Hyper-Moop-Mama-Konzert und wir hängen wir uns richtig rein.

Was planen Sie auf Ihrem Geburtstagskonzert?
Ziemlich viel: Wir haben mindestens zwei weitere Acts mit auf der Bühne, auf die wir uns sehr freuen. Das ist zum einen Fatoni, der ja ganz am Anfang unserer Band-Geschichte sogar ein Bandmitglied war. Das fühlt sich an, wie ein Kreis, der sich schließt. Und zum anderen haben wir Roger Rekless als Support, der in den letzten Jahren oft mit uns auf Tour war und der uns sehr ans Herz gewachsen ist. Dazu kommen viele Überraschungsgäste, über die ich noch nichts Näheres verraten darf. Aber wir planen eine Show, die durch unsere Geschichte führt und wir werden Songs aus allen vier Alben spielen, um das Jubiläum gebührend zu feiern.

Moop Mama spielen am 19. Juli, 19 Uhr auf dem Tollwood. Karten 39 Euro unter Telefon 070038 38 50 24

 

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