Tipps vom Experten Das sind die Radl-Highlights für 2019

Hüseyin Ince ist Redakteur im Lokalressort der Abendzeitung.
Rad-Experte Gunnar Fehlau stellt in der AZ die Rad-Trends 2019 vor. Foto: inc

Gunnar Fehlau (45) ist von Kindesbeinen an ein Radl-Fan. In der AZ zeigt der Rad-Experte, was die Trends im Jahr 2019 werden und wovon man besser die Finger lässt.

 

München - Gunnar Fehlau (45), Chef des Branchendienstes "Pressedienst Fahrrad" hat sein Leben lang schon Radl-Fieber. Es begann mit fünf Jahren. Mit 16 kam die nächste Stufe: "Da schweißte ich meinen ersten eigenen Rahmen zusammen", sagt Fehlau. Seither ist Radlfahren für ihn ein Lebensthema, für dessen Details er sich bis heute kindlich begeistern kann. Im Jahr 2019 fasziniert ihn eine neue Technologie am meisten: die kabel- und zuglose Gangschaltung per Funk.

Batteriebetriebes Funk-Schaltwerk: Nur ein leises Surren ist zu hören, wenn man das kabellose, batteriebetriebene Funk-Schaltwerk vom Hersteller "Sram" betätigt. Zwar gibt es Schaltsystem schon seit drei Jahren. "Es war aber nicht massentauglich und hat sich zunächst nur bei Rennrädern etabliert", sagt Fehlau. Aber seither hat sich einiges getan, weshalb es nun den Massenmarkt erobern könnte: Es ist vor allem robuster geworden.

Die ersten Schaltungen reagierten relativ sensibel gegen Stöße, "weshalb sie zum Beispiel für Mountainbikefahrten nicht in Frage kamen", sagt Fehlau. Die neueste Generation aber hält das nicht nur aus, wenn man mit dem Fuß dagegenschlägt, die Schaltung reagiert! Fehlau führt es vor: Er holt aus wie beim Fußball und schwingt seinen Fuß gegen den 1000-Euro-teuren Schaltarm. "Sehen Sie, es koppelt aus", sagt Fehlau. Der Schaltarm zuckt nach dem Tritt kurz nach innen, um dann wieder in die Gangposition zurück zu zappeln. "Genau das ist entscheidend", sagt er, "das ist eine neue Evolutionsstufe beim Gangwechsel."

Die Batterie für den Schaltmotor hält bis zu 60 Stunden

Bis zu 60 Stunden Fahrtzeit hält die portable Lithium-Ionen-Batterie. Per Micro-USB wird sie aufgeladen. "Bei 15 Prozent Kapazität leuchtet eine Warnlampe. Aber dann können Sie immer noch viele Kilometer fahren, bevor die Batterie leer ist", sagt Fehlau. Er ist absolut überzeugt, dass sich die Schaltung durchsetzen wird. Denn man kann sie langfristig auch mit anderen Komponenten kombinieren, wie etwa mit dem Sattel. Mit derselben Funktechnologie lässt sich auch der Sattel verstellen – während der Fahrt. Für Mountainbiker sei das sehr wichtig.

Lastenräder als Autoersatz: Der Trend ist nicht zu übersehen: Die Zahl der Lastenräder nimmt klar zu – auch in München. Vor allem elektrische Lastenräder werden immer beliebter. Und das hat zwei Gründe: Einerseits können sie – egal ob mit zwei oder drei Rädern – innerhalb der Stadt das Auto ersetzen, insbesondere dann, wenn sie so moderne und sichere Kindersitzgelegenheiten haben wie die neuesten Modelle.

Finanzielle Förderung der Stadt

Zum anderen fördert die Stadt die elektrisch angetriebenen Lastenräder mit bis zu 1000 Euro (maximal 25 Prozent der Nettokosten).

Vorsicht: Der Zuschuss muss unbedingt vor dem Kauf beantragt werden! Ein E-Lastenrad hat noch einen Vorteil, sagt Fehlau: "Eltern kommen kaum noch dazu, Sport zu machen. Ein Lastenrad macht es möglich, sein Kind zu betreuen und sich ein bisschen zu bewegen."

Schloss mit GPS-Ortung: Fehlau findet smarte Schlösser wie das "SmartX" von Abus zwar ähnlich revolutionär wie die Funkschaltung. Doch er sieht hier einen großen Unterschied: "Ich glaube nicht, dass smarte Fahrrad-Schlösser die herkömmlichen Schlösser mit Zahlen und Schlüsseln komplett vom Markt verdrängen werden."

Das Wort "smart" ist hier kein leeres Trend-Wort. "Vor einigen Wochen wurde einem Kölner das Rad geklaut", sagt Fehlau, "mit Smartphone und Polizei konnte der Bestohlene aber sein Fahrrad und den Dieb orten." Denn was der Dieb nicht wusste: Die neue Generation von Schlössern sendet ein GPS-Signal aus.

Fahrradschloss mit Smartphone-Bedienung

Branchenführer Abus bietet das schlüssellose "SmartX" derzeit ab 199,95 Euro an. Öffnen und schließen funktioniert per Bluetooth. Nähert man sich dem Rad, entriegelt es sich von selbst, falls die App eingeschaltet ist. Das Bügelschloss schlägt auch Alarm, falls es jemand gewaltsam öffnen möchte.

Für jeden Anspruch der passende E-Motor: Früher waren die meisten Radler mit Elektroantrieb froh, wenn sie das kleine Helferlein durchgehend unterstützt hat. Heute sind die Ansprüche höher. Und die Hersteller haben darauf reagiert. "Die Anforderung lautet neudeutsch: Das muss ‘matchen’", sagt Fehlau.

Grundsätzlich gebe es drei Varianten auf dem Markt: elektrische Sport-, Trekking- und Citymotoren. Die Kraftentfaltung variiert dabei beachtlich. "Wer einen sportlichen E-Antrieb am Rad bevorzugt, der will ordentlich Wumms, fast wie bei einem Motorrad", sagt Fehlau, "aber in der Stadt, bei einem City-Bike, da soll das ja ganz unauffällig und leise mithelfen und auf Reichweite optimiert sein." Die Bandbreite ist groß. Je nach Wahl geben die Antriebe zwischen 50 und maximal 120 Newtonmeter (Nm) Leistung ab. 50 bis 90 Nm ist derzeit der Standard bei den meisten E-Antrieben.

E-Bikes nur von erfahrenen Anbietern

Viele Motoren werden heutzutage als Leichtbau gefertigt, häufig mit Aluminiumgehäusen, um das Gesamtgewicht der E-Räder so gering wie möglich zu halten. Hersteller mit viel Erfahrung bedienen derzeit den Markt. Einer von ihnen ist Brose, eigentlich ein traditioneller Auto-Zulieferer. "Ein Auto hat heutzutage bis zu 60 E-Motoren an Bord", sagt Fehlau, "und da reden wir nicht von einem E-Auto." Daher empfiehlt er E-Motoren von erfahrenen Anbietern, wie etwa Brose, Yamaha oder auch Bosch. Die bewährten Antriebe sind in der Regel nie als Nachrüstsatz verfügbar.

Nachrüstmotoren sind "nicht zu empfehlen"

Start-ups und teils etablierte Hersteller bieten seit einigen Jahren elektrische Nachrüstmotoren für herkömmliche Fahrräder an.

Die einen kann man direkt am Hinter- oder Vorderrad montieren, die anderen sind eine Art Mittelmotor direkt an der oder um die Kurbel herum. Doch der Experte rät grundsätzlich davon ab, obwohl es durchaus schlaue Lösungen sind.

"Nur in einem einzigen Fall wäre es sinnvoll, das eigene Rad mit einem E-Motor nachzurüsten", sagt Fehlau, "nämlich, wenn man das perfekte Fahrrad hat, das nur noch einen E-Motor braucht." Und das käme eigentlich nie vor. Vor allem vor der Kraftentfaltung warnt der Experte: "Wenn ein Pedelec auf dem Markt ist, wurde der E-Motor genau auf das Rad abgestimmt", sagt Fehlau, "diese Abstimmung fällt ja bei einer Nachrüstung weg." Wer also nachrüstet, so der Experte, nehme immer ein höheres Unfall-Risiko in Kauf.

Außerdem lohne es sich kaum: Eine Nachrüstung koste bis zu 1300 Euro. "Verkehrssichere, gute E-Räder kosten ab 1500 Euro. Da kann ich nur empfehlen, ein bisschen mehr zu investieren."

Lesen Sie hier: Neue Radlwege für München?

 

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