Tipps und Tricks gegen Betrüger Falsche Hilfe in München: Die fiese Microsoft-Masche

, aktualisiert am 21.05.2019 - 06:48 Uhr
Die Betrüger rufen wahllos bei Leuten an und geben sich dort als Computer-Experten aus. (Symbolbild) Foto: Arne Dedert/dpa

Probleme mit dem PC? Betrüger rufen systematisch bei Münchnern an und wollen "helfen". Die AZ erklärt den Trick – und, wie Sie sich wehren.

 

München - Einen Trojaner fängt man sich am Computer schneller ein, als man glaubt. "300.000 neue Viren oder Schadprogramme kommen jeden Tag dazu", sagt Cem Karakaya, Cyber-Crime-Experte bei der Münchner Polizei. Wer nicht täglich seine Firewall und den Virenschutz aktualisiert, hat gegen diese Flut kaum eine Chance.

Das wissen auch Trickbetrügerbanden, die sich genau das zunutze machen. Nahezu jeder hat einen PC, Laptop, ein Tablet oder Smartphone. Über Call-Center, die im Ausland sitzen, rufen die Täter wahllos Leute an und geben sich als Computerexperten aus.

Microsoft warnt vor Betrügern

Mal behaupten sie, sie seien von Apple, Dell, oder Microsoft. Der Name des US-Konzerns ist bei den Gaunern besonders beliebt. Deshalb hat Microsoft bereits einen Warnhinweis auf seiner Homepage, dass kein Mitarbeiter des Unternehmens ungebeten bei Kunden anruft, um Hilfe anzubieten.

Seit kurzem melden sich Betrüger, die sich auch als Mitarbeiter von Vodafone ausgeben. "Die haben es auf PIN und Passwörter abgesehen", warnt Cem Karakaya. Wer im Auftrag einer Firma anruft, hat logischerweise bereits alle relevanten Daten. Man wolle die Angaben abgleichen, behaupten die Gauner. "Das ist natürlich absoluter Blödsinn", sagt der Cyber-Crime-Experte.

Betrüger versuchen Daten von Münchnerin zu stehlen

Wie hartnäckig Betrüger sein können, zeigt der Fall von Barbara Fischer: Bei der Münchnerin meldete sich ein Mann, der vorgab, IT-Experte bei Microsoft zu sein. Man habe festgestellt, auf ihrem PC gebe es Probleme, behauptete er. "Der Mann sprach Englisch und bot seine Hilfe bei der Behebung an", erzählt die 50-Jährige aus München.

Er wollte, dass die Angestellte ihm via PC-Fernwartung Zugriff auf ihren Rechner erlaubt. Damit haben die Gauner auf einen Schlag nicht nur Zugriff auf sämtliche gespeicherte Daten, sondern auch auf den gesamten Computer.

"Ich hab den Mann am Telefon ausgelacht und aufgelegt", sagt Barbara Fischer. Das war Ostern vor einem Jahr. Seitdem lassen die Trickbetrüger nicht mehr locker. Immer wieder rufen sie an. Zuerst nur auf dem Festnetz, später auch auf dem Handy. Wie die Gauner an die Nummern kamen, ist der Münchnerin schleierhaft.

"Niemals sollte man einem Fremden persönliche Daten überlassen"

Über das "Darknet", einem versteckten Teil des Internets, werden Millionen Datensätze angeboten und gehandelt. An die meist illegal beschafften Informationen kommen die Banden über harmlos wirkende Preisausschreiben, Gewinnspiele oder Ähnliches. "Niemals sollte man einem Fremden persönliche Daten überlassen", warnt Cem Karakaya.

Die Anrufe bei Barbara Fischer hörten so plötzlich auf, wie sie begonnen hatten. Monatelang war Ruhe. Doch jetzt rief wieder ein Fremder an, der sich als Microsoft-Mitarbeiter ausgab. Wieder die alte Masche – angeblich Probleme am PC.

Da Barbara Fischer wusste, dass es sich um einen Betrüger handelte, notierte sie sich erst die Telefonnummer, dann wurde sie deutlich: "Ich ruf die Polizei, wenn sie mich noch einmal belästigen." Was die Münchnerin beunruhigt: Die Nummer, die sie sich notiert hat, gehört einer Freundin aus Großbritannien. Vermutlich Zufall. Gauner können über "Call-ID-Spoofing" Telefonnummern fälschen oder die echten Nummern verschleiern.

Insider-Rat: Mit der Trillerpfeife gegen Telefon-Betrüger

"Die Banden führen sogar Listen, in denen sie genau festhalten, wie sich das Opfer verhält", sagt Cem Karakaya, "beispielsweise ob der Betreffende freundlich, gutgläubig oder energisch ist." Die Polizei rät, bei Anrufen einfach aufzulegen. Die fremde Nummer zu blockieren, bringt dagegen wenig, weil die Täter sie ständig wechseln.

Insider raten dazu, sich eine Trillerpfeife bereitzulegen und, sobald einer der Trickbetrüger anruft, so laut in den Hörer zu pfeifen, wie es nur geht. Dem Anrufer klingen anschließend garantiert eine Zeit lang die Ohren. Mit etwas Glück werde man nach einer Zeit von der Info-Liste der Bande gestrichen, sagen Insider.

Sogar ein Hacker des Chaos-Computer-Clubs in Hamburg erhielt einen Anruf von einem vermeintlichen Microsoft-Mann. Der Hacker gab sich ahnungslos und nahm zum Schein die Hilfe an. Er bat den Trickbetrüger, ihm eine E-Mail-Adresse zu schicken, damit er seine Kreditkartendaten übermitteln könne. Der Gauner wähnte sich am Ziel. "Der Hacker schickte einen Trojaner, der das Call-Center der Bande komplett lahmlegte", erzählt Cem Karakaya.

Wichtig: Regelmäßig Sicherheitskopien auf externer Festplatte speichern

Wer sich tatsächlich einen Virus oder ein Schadprogramm eingefangen hat, sollte seinen Computer komplett plattmachen, raten Fachleute. Sämtliche Daten löschen, die Festplatte neu formatieren und alle Programme neu installieren.

Wichtig ist, dass man von seinen Daten regelmäßig eine Sicherheitskopie macht und sie auf einer externen Festplatte speichert. Bevor man die Daten wieder auf den PC lädt, sollte man allerdings prüfen, ob irgendwo dazwischen nicht auch Schadsoftware versteckt lauert.

Lesen Sie auch: Betrüger zocken Münchner mit falschem Gewinnspiel ab

 

2 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihr Pseudonym sowie weitere Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading