Tipps für die ersten Fahrten So kommen Biker sicher in die Motorrad-Saison

Mit den ersten Sonnentagen beginnt die Motorradsaison. Ein Training kann helfen, ein Gefühl für die Maschine zu bekommen. Foto: dpa

Der Frühling ist angekommen – das bedeutet auch, dass etliche Motorradfahrer wieder mit ihrer Maschine auf den Straßen unterwegs sind. Doch vor den ersten Fahrten sollte einiges beachtet werden.

 

Nach einer halben Stunde schmerzt der Rücken, die Handgelenke werden langsam taub, und der Kopf brummt. Motorradfahren ist Sport. Wer sich vor dem Saisonstart nicht vorbereitet, wird schon nach wenigen Kilometern spüren, dass er untrainiert ist. "Bei den ersten Ausfahrten sollte man besonders vorsichtig sein", warnt ADAC-Verkehrsexperte Wolfgang Müller. Experten raten vor der ersten Fahrt zu gezieltem Training. Ganz gleich, ob es mit schleifendem Knie über die Rennstrecke geht oder sonntags im Schleichtempo zum nächsten Ausflugslokal: Motorradfahren will geübt sein.

Denn dabei reagiert der Körper wie beim Hochleistungssport: Blutdruck, Herzfrequenz und Körpertemperatur steigen. Am Helm zerrt der Wind, drückt auf Nacken und Schulter, die linke Hand greift ständig am Kupplungshebel, die rechte dreht sich mit dem Gasgriff. "Wer nicht im Herbst und Winter Sport in seinen Alltag integriert hat, wird bei der ersten Fahrt schnell überfordert", sagt Diana Sprung vom ADAC. "Der alljährliche Start in die Motorradsaison ist, wenn auch verkürzt, mit den ersten Fahranfängen vergleichbar." Sie rät: Etwas Zeit nehmen, um wieder zu lernen.

"Man kann nicht erwarten, dass der Fahrer sofort topfit ist"

Der ADAC rät zum Cardio-Training wie im Fitnessstudio oder beim Joggen. Auch Nacken, Schulter, Hüfte und Oberschenkel sollten durch Krafttraining gestärkt werden. Empfehlenswert: ein kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining, zum Beispiel ein Zirkeltraining. Mountainbiker, Skifahrer, Schlittschuhläufer und Jogger trainieren automatisch die fürs Biken wichtige Muskulatur. Und nicht nur die, sondern auch den wichtigen Gleichgewichtssinn.

Achim Kuschefski vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz) rät zu einem Sicherheitstraining, egal ob für Anfänger oder routinierte Fahrer. Das sei nicht nur nützlich, um wieder in den Fahrfluss zu kommen, sondern auch, um dazuzulernen und das Können zu verbessern. Ähnlich sieht das Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR): "Bei vier Monaten Pause ist es wie bei anderen Sportarten: Man kann nicht erwarten, dass der Fahrer sofort alle Bewegungsabläufe drin hat und wieder topfit ist." Der DVR, ACE, ADAC, Dekra und andere Clubs bieten Kurse vom Basis- bis hin zum Perfektionstraining an. Hilfreich zum Start in die Saison seien aber auch Fahrübungen auf einem Parkplatz.

Biker, die im Winter hauptsächlich im Auto saßen, müssen wieder daran denken, dass sie auf dem Zweirad keine Knautschzone haben. Deshalb rät Bente zu einem früheren Bremsen: "Lieber fünf Meter zu früh bremsen als ein Meter zu spät."

TÜV fordert: Bei Fahrten in Gruppe sollte man Absprachen treffen

Während den ersten Touren sollten es die Fahrer nicht übertreiben: Bei kurzen und weniger anspruchsvollen Strecken kommt der Biker leichter ins flüssige Fahren. "Ein behutsames Herantasten an Schräglagen ist hilfreich, das über den Winter verblasste Gefühl dafür wieder aufzufrischen", sagt Kuschefski.

Bei Touren an kühlen Frühlingstagen schützen Thermounterwäsche, dicke Socken und Innenhandschuhe vor Kälte – und Konzentrationsverlust. Denn Kälte und Wind zehren an der Kondition. Für die Koordinationsfähigkeit beim Motorradfahren seien deshalb warme Gliedmaßen wichtig. Beim Fahren in Kolonnen sind Disziplin und Ordnung wichtig, erklärt der TÜV – und empfiehlt, vor dem Anlassen der Maschinen untereinander klare Absprachen zu treffen.

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An Spitze und Ende des Konvois sollten zum Beispiel erfahrene Biker fahren. Der Vorderste leitet den Rest, er gibt Tempo und Richtung vor. Wer ein schwächer motorisiertes Gefährt oder wenig Fahrpraxis hat, sollte sich hinter der Spitze einreihen.

Wurde die Schutzausrüstung nicht am Ende der vergangenen Saison gereinigt, sollte das spätestens jetzt geschehen. Bei den meisten Motorradkombis lässt sich das Futter herausnehmen. Die Oberfläche wird mit mildem und speziellem Shampoo gewaschen, rät Michael Lenzen vom Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM). Das Innenfutter in der Waschmaschine. Anschließend wird die Kombi imprägniert – das schützt vor Regen und Kälte. Außerdem sollten Handschuhe und Stiefel kontrolliert werden.

Ganz wichtig: der Helm. Das Visier muss sauber und kratzfrei sein. Lässt es sich nicht mehr reinigen, gehört es ausgetauscht. Mit Fett wird die Visier-Mechanik wieder leichtgängig. Wenn ein Helm bei einem Unfall getragen wurde, sollte er unbedingt ersetzt werden. Auch wenn Motorradhelme kein Verfallsdatum haben: Spätestens nach acht bis zehn Jahren sollte ein neuer Helm den Kopf zieren. Sicher ist sicher. Nicht nur am Anfang der Saison.

 

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