Zahl der Tiere steigt rasant Landwirte, Jäger und Waldbesitzer wollen wolfsfreie Zonen

Mehr als 1000 Wölfe gibt es nach Schätzungen des Deutschen Jagdverbandes (DJV) inzwischen bundesweit. Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Die Zahl der Wölfe steigt rasant, das stößt nicht überall auf Begeisterung. Eine Initiative im Bundesrat will Abschüsse erleichtern, ein nationales Konzept soll her. Jetzt gehen einige Interessengruppen noch einen Schritt weiter.

Berlin - Landwirte, Jäger und Waldbesitzer fordern wolfsfreie Zonen in Deutschland. Demnach sollen in sogenannten Ausschlussarealen territoriale Wolfsrudel nicht geduldet werden, wie das Aktionsbündnis Forum Natur (AFN) am Mittwoch mitteilte.

Dazu gehörten etwa städtische Bereiche und Gebiete mit intensiver Weidetierhaltung. Im AFN haben sich unter anderem Forsteigentümer, Fischer und Reiter zusammengeschlossen. Auch der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Deutsche Jagdverband (DJV) sind Mitglied.

Beim Naturschutzbund Nabu stoßen die Vorschläge auf Kritik. "Wolf und Weidehaltung schließen sich nicht aus", sagte Claudia Grünewald, die beim Nabu für Artenschutz zuständig ist. Es sei wichtig, dass umfassende Herdenschutzmaßnahmen bundesweit umgesetzt werden. Bereits jetzt ließen es die Naturschutzregelungen zu, dass vermeintlich auffällige Wölfe entnommen werden.

Mehr als 1000 Wölfe gibt es nach DJV-Schätzungen inzwischen bundesweit, sagte Jagdverbandssprecher Torsten Reinwald. Ihre Zahl wachse jedes Jahr um etwa 30 Prozent. "Eine Verdopplung innerhalb von drei Jahren ist realistisch. Damit nehmen die Konflikte weiter zu", meinte er.

Die im AFN zusammengeschlossenen Verbände forderten anlässlich der Agrarministerkonferenz in Berlin in einem eigenen Managementkonzept ein aktives Eingreifen in die Wolfsbestände. "Der Wolf hat in Deutschland ein Existenzrecht", betonte DJV-Präsidiumsmitglied Helmut Dammann-Tamke. Ein "Willkommen Wolf" allein reiche aber nicht. Es sei eine gesamtgesellschaftliche Entscheidung, wie viele Wölfe das Land vertrage, sonst drohe die Akzeptanz verloren zu gehen.

Nach dem AFN-Konzept sollen die einzelnen Bundesländer eine Obergrenze definieren, die auch die Weidetierwirtschaft garantiert. Die Initiatoren sprechen sich für drei Kategorien aus. Neben den Ausschlussarealen sollen sich die Wölfe in Schutzarealen wie großen Waldgebieten oder auf Truppenübungsplätzen unbeeinflusst entwickeln. In sogenannten Managementarealen soll der Wolf grundsätzlich toleriert werden, seine Bestände sollen aber auf Basis der Akzeptanzgrenzen in den einzelnen Ländern reduziert werden.

Nach Ansicht des AFN seien die Wolfsvorkommen in Deutschland Teil einer baltisch-osteuropäischen Population mit über 8000 Tieren, deren günstiger Erhaltungszustand zweifelsfrei gesichert sei, sagte Reinwald. Damit würden die Nutzerverbände dem Bundesamt für Naturschutz widersprechen, das von mehreren getrennten Populationen ausgehe.

Vom Nabu heißt es: "Jegliche Eingriffe in die Population sind rechtswidrig und zum jetzigen Zeitpunkt nicht notwendig, da ein günstiger Erhaltungszustand der Wolfspopulation noch nicht erreicht ist." Der günstige Erhaltungszustand gilt wegen EU-Regeln als eine der Voraussetzungen für eine reguläre Jagd.

Niedersachsen hatte im vergangenen Jahr ein nationales Konzept zur Wolfskontrolle angestoßen, auch in Brandenburg und Sachsen wurden Forderungen nach einem aktiven Wolfsmanagement laut. Die Initiative im Bundesrat soll deutschlandweit klare Regeln im Umgang mit den bislang streng geschützten Tieren schaffen, das Töten problematischer Wölfe soll erleichtert werden.

 

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