Tibatong Beim Urmel zu Hause

Ein Drittel der Fläche im Kindercafé Tibatong ist zum Spielen da. Und während die Kleinen sich austoben, können sich die Mütter vom Stress des Alltags erholen. Foto: Gregor Feindt

Spielen, toben, schreien – muss das denn sein? Im Kindercafé Tibatong ist Kindern alles erlaubt, wofür sich Eltern andernorts rechtfertigen müssen.

 

Petra Albrecht hat selbst Kinder, zwei Stück, drei und fünf Jahre alt. Es sind keine Kleinkinder mehr, aber als sie früher mit ihrem Kinderwagen unterwegs war, ist sie gelegentlich auch aus einem Café rausgeflogen. „Die wollten wahrscheinlich ihre Business-Gäste nicht vergraulen”, sagt sie, „aber so ein Baby schreit zwischendrin einfach auch mal”.

Albrecht ist eine eher zurückhaltende Frau, jedenfalls nicht aufbrausend. Aber dass Kinder in einem Café unerwünscht sind, das hält sie für einen regelrechten Skandal. Schon vor gut einem Jahr fasste sie deshalb mit einer Freundin den Entschluss, ein Kindercafé aufzumachen, ein Lokal, in dem man sich nicht mit Baby, sondern ohne fehl am Platz fühlt.

In Neuhausen hat Albrecht nun vor einigen Tagen das Tibatong eröffnet, ein kunterbuntes Café, in dem statt von Porzellan auf unkaputtbarem Babygeschirr gegessen wird. Eine Kinderküche wartet in der Ecke darauf, benutzt zu werden, eine Holzeisenbahn steht startbereit auf den Gleisen und im Regal stapeln sich die Kinderbücher.

Es bisschen kompliziert sei es schon gewesen, geeignete Räume zu finden, erzählt Albrecht. Viele Vermieter hätten Zweifel, dass sich so ein Kindercafé trägt. Es sei auch tatsächlich ein bisschen schwierig. Eine besonders große Zeche macht so ein Baby ja nunmal nicht und das Alete-Gläschen dürfen die Mütter von zu Hause mitbringen. Dafür kostet das Tibatong Eintritt: Ein Kind im Alter bis 18 Monate zahlt 2,50 Euro, ältere Kinder fünf. Spielgeld nennt sich das im Tibatong. „Anders”, erklärt Albrecht, „können wir uns leider nicht finanzieren”.

Das Spielzeug hat Albrecht größtenteils in ihrem Bekannten- und Freundeskreis eingesammelt. Die kleinen Teilchen, die es im Tibatong gibt, stammen von der Bio-Bäckerei Mauerer, und der Name, ja klar, der geht auf Habakuk Tibatong zurück, den Naturkundeprofessor aus „Urmel aus dem Eis”.

Professor Tibatong war eine der ersten Buchfiguren, mit der Albrecht als Kind in Berührung gekommen ist. Nun ziert sein Name auch ein Café, das zugleich Treffpunkt für junge Mütter ist. So versteht Albrecht ihr Lokal jedenfalls. „Das ist ein Ort, wo sich die Leute finden können”, sagt sie. Und nicht nur ab und zu schreit dort ein Baby. 

Schlörstraße 4, Mo. bis Fr. 10-14 und 15.30-18 Uhr, Tel. 99 01 39 84

 

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