Thomas Pekny im AZ-Interview Neuer Chef der Komödie: Ganz in ihrem Sinne

„Ziemlich beste Freunde“: Peter Marton (li.) und Sigmar Solbach nahmen den neuen Intendanten der Komödie im Bayerischen Hof bei der Premiere vor 14 Tagen in die Mitte. Foto: Franco Gulotta / face to face

Nach dem Tod von Margit Bönisch leitet jetzt Thomas Pekny die Komödie im Bayerischen Hof. Was heißt das?

München - Die Peknys schreiben bereits in der zweiten Generation mit an der Münchner Theatergeschichte. Vater Romuald Pekny war über Jahrzehnte hinweg ein prägendes Gesicht der Kammerspiele. Sein Sohn wurde Kostüm- und Bühnenbildner. Er stattete Produktionen des Gärtnerplatztheaters oder der Staatsoper aus und hat außerdem eine Professur an der Hochschule Pforzheim. Seine künstlerische Heimat aber ist die Komödie im Bayerischen Hof. Seit 1983 ist Pekny dort Chefausstatter. Seit dem Tod der Intendantin Margit Bönisch Ende Januar leitet er das Boulevardtheater-Imperium aus Komödie im Bayerischen Hof und der Münchner Tournee.

AZ: Herr Pekny, wie geht es Ihnen rund zwei Monate nach dem Tod von Frau Bönisch?

THOMAS PEKNY: Ich frage mich manchmal: Fehlt mir Frau Bönisch deshalb so, weil ich in diesem Metier bis jetzt noch nicht wirklich zu Hause bin? Aber in Wirklichkeit ist es natürlich der Schmerz, ein Verlust, mit dem mir der Boden weggerissen wurde.

War es von Anfang an der Plan, dass Sie eines Tages die Komödie übernehmen?

Frau Bönisch hat zu mir gesagt: Mach nicht mehr so lang in Pforzheim, dann können wir hier mehr zusammen machen. Das wäre mir sehr recht gewesen.

Wie fühlt es sich an, Intendant zu sein?

Das Metier ist mir nicht fremd. Aber ein Tourneetheater zu führen und noch ein Privattheater dazu ist etwas anderes, als ein Stadttheater oder ein Staatstheater. Da hat der Intendant ein festes Ensemble, mit dem er besetzt, wie es ihm passt und es kann ihm letztlich egal sein, ob ein Stück gut läuft oder nicht. Es sind völlig andere Gegebenheiten.

Können Sie von Ihrer Vorgängerin etwas lernen?

Frau Bönisch hat die Fäden genial gezogen. Da kommt, zum Beispiel, plötzlich ein Anruf, dass ein LKW neuen TÜV braucht – und wir haben fünf LKWs – , die Tankkarte für den PKW fehlt, dann ist der Motor bei der Nähmaschine kaputt, ein Schauspieler hat Halsbeschwerden. Das hat sie alles pausenlos miteinander verwoben und es kam dabei etwas Tolles heraus. Wenn ich das verwebe, weiß ich noch nicht, ob etwas Tolles dabei herauskommt. Aber ich möchte es in ihrem Sinne machen. Ich bewundere Frau Bönisch von Tag zu Tag mehr dafür, wie sie das immer geschafft hat.

Sie hat irgendwann einmal aufgegeben, um Subventionen im Rathaus zu antichambrieren. Haben Sie es jetzt noch einmal versucht?

Bürgermeister Josef Schmidt hat mir eine Stunde lang sein Konzept erzählt, wie es sein könnte, wie die Bedingungen sind – ja, ich verstehe jetzt Frau Bönisch auch: Das ist ein Bürokratismus, der nicht unerheblich ist, und dann ist es letzten Endes so, dass die Zuschüsse nicht richtig helfen.

Warum helfen die Subventionen nicht?

Ich habe gefragt: Wie viel ist denn so eine Förderung? Dann sagt er: „Naja, das sind vielleicht 10 000 Euro.“ Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man unsere Produktionskosten ansieht. Wenn ich die Tournee nicht hätte, würde dieses Theater nicht mehr existieren. Die Kammerspiele haben 33 Millionen, und wir haben gar nichts und trotzdem hängen viele Menschen daran.

Wie sind denn die Kriterien?

Es würde etwas bringen, wenn wir ein Stück bringen, das förderungswürdig ist. Zum Beispiel ein Kinderstück, oder Kinder- und Jugendtheater, oder ein junger Autor müsste ein Münchner Stück schreiben.

Wie ist die Auslastung?

Das ist unterschiedlich. Montag, Dienstag und Mittwoch laufen nicht so gut. Da ist es nur halb voll. Wir kommen dann insgesamt auf eine Auslastung von 70 Prozent. Es sind 570 Plätze, denn ein Theater muss eine gewisse Größe haben, damit es überhaupt funktioniert. Und früher haben wir ein Tourneestück 100 mal verkauft. Heute sind 40 Vorstellungen gigantisch.

Trotzdem, sagen Sie, ist die Komödie ohne den Tourneebetrieb nicht denkbar.

Die Tournee fängt manchmal die Dinge auf, wenn etwa ein oder zwei Stücke nicht gut laufen. Ich muss für das Haus zehn Produktionen haben und für die Tournee sechs. Das sind 16 Stücke, und die müssen erst einmal irgendwo her kommen.

Wonach suchen Sie?

Ich brauche Stücke, die eine gewisse Grundintelligenz haben, einen intellektuellen Anspruch, natürlich gepaart mit Humor. Da gibt es nur wenig. Ich habe vor zwei Tagen Heiner Lauterbach angerufen und ihm ein schönes Stück angeboten - und ich weiß, dass ich ihm kein blödes Stück schicken kann. Er hat zurückgeschrieben: Er findet es auch toll, aber es fehlt ihm das Allerletzte daran, dass er wieder bei uns spielen möchte. Wenn diese Stücke nicht geschrieben werden: Ich kann sie nicht schreiben.

Haben Sie ein Erfolgsrezept für Boulevardtheater?

Ich weiß grundsätzlich nie, ob ein Stück funktioniert oder nicht. Aber das wusste Frau Bönisch auch nicht. Einmal hat der Stuttgarter Intendant Elert Bode, der dort auch ein Privattheater leitete, zu mir gesagt: „Jetzt weiß ich, wann die Leute kommen: Wenn sie Lust dazu haben.“

 

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