Theaterfabrik So war Lena Meyer-Landruts Konzert in München

Im bauchfreien Top: Lena bei ihrem Auftritt in der Münchner Thetarefabrik. Foto: Jens Niering

Lena Meyer-Landrut begeistert in der Theaterfabrik ihr sehr junges Publikum. Die Fans können ihre Texte zwar nicht mitsingen, dafür kreischen sie nach den Liedern wie auf einem Justin Bieber Konzert.

 

München - Sie tragen Fan-Shirts, schreien den Namen ihres Idols und sitzen auf den Schultern ihrer schwitzenden Väter: Die jungen Zuschauer, die für Lena Meyer Landrut gekommen sind. Im Rahmen ihrer Deutschland-Tournee „Carry You Home 2.0“ spielte die 24-Jährige in der Theaterfabrik der Optimolwerke. Die Hälfte der etwa 500 Fans sind Kinder und Jugendliche, die Lena womöglich auch durch ihren Juroren-Job bei der Castingshow „The Voice Kids“ toll finden. Ob sie tatsächlich ihre Musik mögen, bleibt fraglich. Schließlich spielt die Gewinnerin von „Unser Star für Oslo“ hauptsächlich deprimierenden – oder, wie sie es selber sagt „moody“ (launischen) – Elektropop. Ihre Fans können die Texte nicht mitsingen. Dafür kreischen sie nach den Liedern wie auf einem Justin Bieber Konzert. Als Lena dann auch noch dessen Song „Love Yourself“ covert, singen auch die erwachsenen Begleitpersonen lauthals mit.

Die dreifache Echo-Preisträgerin, die vor sechs Jahren durch ihren Sieg beim Eurovision Song Contest bekannt wurde, dankt es ihren Fans mit ihrer klamaukigen Art: „Mein lieber Scholli, Herr Gesangsverein!“ Ihre piepsige Stimme, mit der sie flapsige Zwischenkommentare einwirft, bilden einen harten Kontrast zu den melancholischen Songs aus dem aktuellen Album „Crystal Sky“. Ihre Musik klingt manchmal wie die von Ellie Goulding, ihre Kommunikation mit dem Publikum wie ein Teenager, der keine Rhetorik beherrscht. Nach „Catapult“, einem Song mit einer kleinen Rap-Einlage, hüpft sie johlend herum und verkündet stolz, sie habe es soeben das erste Mal geschafft zu rappen, ohne auf ihren Text-Zettel zu spicken. Entwaffnend ehrlich oder peinlich? Sie reißt es mit einer akustischen Cover-Version von Britney Spears’ „Toxic“ wieder raus. Für den Song holt sie sich die belgische Nachwuchskünstlerin Emma Bale, die deutlich besser singt als die Hannoveranerin, auf die Bühne. Kaum hat man vergessen, dass Lenas Art manchmal anstrengend sein kann, spielt ihre vierköpfige Band das Intro des folgenden Songs falsch. Die Sängerin brüllt: „Das ham wa jetzt alle zusammen verkackt!“

Vier Alben in sechs Jahren hat sie veröffentlicht. Nach den ersten beiden trennte sie sich von ihrem Entdecker Stefan Raab, um ihr eigenes Ding zu machen. „Satellite“, ihren Nummer Eins-Hit, spielt sie trotzdem – in abgewandelter Balladen-Version.

Entgegen ihres Rufs, etwas schwierig zu sein, wendet sich Lena, die mit strengem Dutt und einem schwarzen bauchfreien Top auftritt, mit versöhnlicher Botschaft ans Publikum: „Ohne euch wäre ich gar nicht hier oben. Vielen Dank.“ Lauter gerührte Mädchen formen ihre Hände zu Herzen.

 

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