Theaterakademie August Everding „L’ancêtre“ von Saint-Saëns im Prinzregententheater

„L’ancêtre“ von Camille Saint-Saens im Prinzregententheater. Foto: Jean-Marc Turmes

Die Theaterakademie zeigt die vergessene Oper „L’ancêtre“ von Camille Saint-Saëns im Prinzregententheater

 

Bei Paris denkt jeder an den Eiffelturm, bei München an das Oktoberfest. Und bei Korsika? Natürlich an Napoleon. Und – spätestens seit der Reise von Asterix und Obelix – an stinkenden Käse, uralte, ewig vererbte Familienfeindschaften und Blutrache.

Der Käse kommt in der von der Theaterakademie exhumierten Oper „L’ancêtre“ von Camille Saint-Saëns nicht vor. Dafür aber Napoleon und die Vendetta. Eine der Figuren diente unter dem Korsen, weshalb kurz die Marseillaise aufblitzt. Die Verliebten gehören verfeindeten Clans an. Und das Ganze endet tragisch-blutig mit einer Art Liebestod.

Wer nun vermutet, Saint-Saëns habe in seinem knappen, 1906 in Monte Carlo uraufgeführten Dreiakter mehr oder weniger Pietro Mascagnis „Cavalleria rusticana“ aus Sizilien nach Korsika verlegt, könnte eine Enttäuschung erleben. Abgeklärt fließende Spätwerksmusik eines über 70-jährigen Komponisten tönt durch das Prinzregententheater, wo das Münchner Rundfunkorchester bei anderer Gelegenheit unter seinem vormaligen Chef schon französischer, schlanker und eleganter gespielt hat.

Matthias Formeny dirigiert zwar mit Rücksicht auf die Sänger und den vor allem am Anfang und am Ende aufblühenden Lyrismus der Partitur. Vieles könnte womöglich farbiger klingen, und der gleich zu Beginn angeschlagene Tonfall dräuender Düsternis erreichte die vierte Parkettreihe etwas tubalastig. Ob Erinnerungsmotive für einen übergreifenden Zusammenhang sorgen, lässt sich beim ersten Hören nicht feststellen.

Pädagogisch hilfreich

„L’ancêtre“ wirkt trotz Mord, Totschlag und Eifersucht ziemlich handzahm. Aber man begreift, wieso es damals Opernbesucher gab, denen Puccinis sechs Jahre ältere „Tosca“ zu laut und brutal war.
Die Oper eignet sich allerdings bestens für Zwecke des Studiengangs Operngesang/Musiktheater, weil die sanft sentimentalische Komposition die jungen Stimmen von Céline Akcag, Milena Bischoff, Thomas Kiechle und Damien Gastl nicht überfordert. Und es mag pädagogisch hilfreich sein, Rollen ohne jedes auf Tonträger gebrannte Vorbild gestalten zu dürfen.

Die unnachsichtig harte, von der Rache zerfressene Großmutter verkörpert die von vielen kleinen Rollen aus der Bayerischen Staatsoper bekannte Heike Grötzinger mit Würde und strengem Charisma. Das hat was.

Die Toten vergangener Rachefeldzüge hängen im Schnürboden. Warum die Regisseurin und Ausstatterin Eva Maria Höckmayr den friedenswilligen Eremiten (Jeong Meen Ahn) wie einen Schamanen über die Bühne zappeln lässt, erschließt sich nicht wirklich, aber es bricht den tödlichen Ernst des Geschehens.

Weiter stöbern

Das Grundproblem dieser Oper kann Höckmayr leider nicht reparieren: Saint-Saëns und sein Textdichter verstießen gegen die von einem französischen Intendanten des 19. Jahrhundert formulierte Operngrundregel einer pantomimisch verständlichen Handlung. Und so entschlüpft einem schon mal ein Gähnen.

Was aber weder andere Häuser davon abhalten sollte, der gediegenen Partitur eine weitere Chance zu geben, noch die Theaterakademie, weiter in den Archiven zu stöbern.

Wieder heute sowie am 26. und 30. März um 19.30 Uhr im Prinzregententheater. Karten von 10 bis 38 Euro an der Kasse der Staatstheater, Telefon 2185 1970

 

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