Terror und Krisen Studie: Was uns Deutschen Angst macht

Finanzkrise, Naturkatastrophen, Terrorismus und vieles weitere - in einer Studie sprachen die Deutschen über ihre Ängste. (Archivbilder) Foto: dpa/AZ

Naturkatastrophen, Terror, die Folgen der Schuldenkrise, eine Überforderung durch Asylbewerber und Pflegebedürftigkeit: Davor fürchten sich die Bundesbürger am meisten.

 

München - Ein Großteil der Deutschen lebt in Sicherheit und Wohlstand – Ängste haben die Bundesbürger trotzdem. Was ihnen die größten Sorgen bereitet, warum das so ist und welche Ängste abgenommen haben, legt eine neue Umfrage der R+V Versicherung offen.

Die Ergebnisse:

Finanzkrise

Die größten Sorgen bereitet den Deutschen die Schuldenkrise in der Europäischen Union. Knapp zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) befürchten, dass sie für die wirtschafts- und finanzpolitischen Sünden von EU-Staaten wie Griechenland geradestehen müssen. Obendrein bangt fast jeder Zweite (49 Prozent) um die Stabilität des Euro. Politologe und R+V-Berater Dr. Manfred Schmidt hat dafür eine einfache Erklärung: „Den nach finanzieller Sicherheit strebenden Deutschen sitzt die Angst ums liebe Geld seit jeher im Nacken.“

Naturkatastrophen

Die zweitgrößte Angst hierzulande ist laut der Studie nicht politischer Natur: Auch die Menschen in Deutschland fürchten Naturkatastrophen. Grund: Weltweit gab es zuletzt etliche schwere Stürme, Erdbeben und Fluten. Auch das Jahrhunderthochwasser von 2013, dass besonders die Menschen in und um Passau sowie Deggendorf schwer traf, steckt noch in den Köpfen der Bürger.

Terrorismus

Ob die Anschläge auf das Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ in Paris, das Massaker im tunesischen Touristenzentrum Sousse oder die andauernden Gewaltexzesse des Islamischen Staates: Die Furcht vor dem Terror ist sprunghaft angestiegen. Gut jeder zweite Befragte (52 Prozent) hat demnach Angst vor terroristischen Anschlägen – der höchste Wert in den vergangenen 20 Jahren. „Diese Angst wird durch intensive Berichterstattung und durch erschütternde Bilder und aufwühlende Berichte über terroristische Gräueltaten – auch an Frauen und Kindern – weiter verstärkt“, erklärt Politologe Schmidt.

Zuwanderung

Seit dem Zweiten Weltkrieg waren nicht mehr so viele Menschen auf der Flucht wie in diesem Jahr. Millionen Menschen fliehen aus Ländern wie Syrien, Eritrea, Irak oder Afghanistan vor Krieg, Verfolgung und Hunger. Viele Flüchtlinge kommen nach Deutschland. Das bereitet fast jedem zweiten Bundesbürger (49 Prozent) Sorgen, weil sie um ein friedliches Zusammenleben fürchten. Die Befragten haben Angst, dass die stark zunehmende Zahl an Asylbewerbern Bürger und Behörden überfordern wird.

Knapp jeder Zweite fürchtet, dass sich Extremismus ausbreitet

Zwar sei die Bundesrepublik seit ihrer Geburtsstunde ein Einwanderungsland, betont Schmidt, doch war früher ein Großteil der Einwanderer deutschstämmig, wie die Vertriebenen aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches, die Übersiedler aus der früheren DDR oder die Einwanderer aus der Sowjetunion.

Weil derzeit aber die meisten Flüchtlinge aus fremden Kulturen, insbesondere aus Staaten mit einer nichtchristlichen Religion stammten, sei die Integration heute schwieriger als damals und sorge deshalb für Bedenken unter den Befragten. Zugleich haben 49 Prozent der Deutschen Angst, dass sich unter die Flüchtlinge auch Terroristen mischen und somit der Extremismus auch in Deutschland Fuß fasst.

Hierbei gibt es allerdings deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. Spannungen und eine Überforderung der Behörden durch die Zuwanderung von Ausländern fürchten die Ostdeutschen mehr (59 Prozent) als die Westdeutschen (48 Prozent). Schmidts knappe Erklärung: „Die meisten Ostdeutschen haben wenig Erfahrung mit Einwanderung.“ Eine Ausnahme ist hier der Freistaat: Anders als im westdeutschen Durchschnitt, ist die Angst vor einer Überforderung durch Flüchtlinge bei den Bayern sogar höher (knapp über 60 Prozent) als bei den Ostdeutschen.

Wirtschaft & Arbeit

Die positiven Konjunkturprognosen und die günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt spiegeln sich auch in den Ängsten der Bundesbürger wider. In keiner der bisherigen R+V-Studien befürchteten so wenige der Befragten (40 Prozent), dass die Wirtschaftslage schlechter wird.

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Auch des eigenen Jobs sind sich die Deutschen sicher: Noch nicht einmal jeder Dritte hat Angst vor einer höheren Arbeitslosenquote (31 Prozent) oder dem Verlust des eigenen Jobs (32 Prozent).

Weitere Ängste

Pflegefall: Hoch ist die Besorgnis der Bundesbürger, im Alter als Pflegefall anderen zur Last zu fallen (49 Prozent). Frauen (51 Prozent) sind in dieser Frage besorgter als Männer (47 Prozent).

Drogen: Obwohl Rauschtrinken, Cannabis oder Crystal Meth bei vielen Jugendlichen in Mode sind, haben nur 31 Prozent der Eltern Angst, dass ihre Kinder drogen- oder alkoholsüchtig werden könnten – der niedrigste Wert seit 1992.

Einsamkeit: Jeder vierte Deutsche (27 Prozent) befürchtet, im Alter allein leben zu müssen und zu vereinsamen. Dieser Wert war aber sonst höher.

Scheidungen: Trotz hoher Scheidungsraten fürchtet sich noch nicht einmal jeder siebte Bundesbürger vor dem Zerbrechen der eigenen Partnerschaft. Diese Angst ist mit 15 Prozent auf dem bisher niedrigsten Stand.

Für die repräsentative Studie der R+V-Versicherung werden seit 1992 regelmäßig 2400 Deutsche zu ihren Ängsten befragt.

 

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