Tennis-WM: Nadal verliert das Finale Djokovic: Triumph des Gummimenschen

Im Finale der ATP-Tour bezwingt Djokovic die Nummer 1 der Tennis-Welt mit 6:3, 6:4

 

Er hatte auch in diesem Jahr das erste und das letzte Wort im Wanderzirkus der Tennis-Profis. Und selbst der Beste der Saison konnte ihn bei seiner Londoner WM-Mission nicht mehr gefährden, ihn, den Titelverteidiger, Novak Djokovic – den Mann, der das Championat der acht Saisonbesten in einer begeisternden Abendvorstellung am Montag mit 6:3 und 6:4 gegen den Weltranglisten-Ersten Rafael Nadal gewann.

Djokovic hatte in dieser Saison bereits die Australian Open-Krone geholt, war dann aber in zwei Grand Slam-Endspielen gescheitert – in Wimbledon an Andy Murray, in New York an Nadal. Mit dem dritten WM-Sieg verschaffte sich Djokovic nun aber auch wieder eine deutlich bessere Ausgangsposition, um im neuen Tennisjahr womöglich Nadal wieder an der Spitze der Tennischarts abzulösen.

Was 18.000 Zuschauer im Hallenpalast im Osten der britischen Kapitale zu sehen bekamen, war ein atemraubendes Finale furioso, das ohne die geringsten Anlaufschwierigkeiten sofort wie im Formel 1-Tempo auf höchste Touren kam. Und Djokovic, der geschmeidige Bewegungskünstler, legte mit einem Tempo und einer Brillanz los, dass selbst Nadal zunächst Hören und Sehen und siegreiches Schlagen verging, nach rund zehn Minuten lag der Matador mit 0:3 hinten. Mit verzerrter Miene, den Kopf wild schüttelnd, setzte er sich da auf die Pausenbank und musste sich erst mal sortieren.

Doch Nadal wäre nicht Nadal, würde er eine solche Herausforderung nicht annehmen – und so glich der gereizte, überrumpelte Mallorquiner fast ebenso schnell zum 3:3 aus. Djokovic ließ sich nicht im Geringsten beirren in seiner Intensität, spielte zeitweise wie im Rausch und nahm Nadal dann vorentscheidend zum 5:3 den Aufschlag ab. Anschließend servierte er den ersten Akt des Spektakels heim, beim Satzball formvollendet mit einem krachenden Ass.

Djokovic blieb auch im zweiten Satz der tonangebende Spieler. Und selbst die unerreichbar scheinenden Bälle brachte der 26-jährige Belgrader immer zurück ins Spiel – wie ein Gummimensch wirkte er, wie ein Artist unter der Zirkuskuppel der 02-Arena. Rasch holte er sich wieder eine beruhigende Break-Führung zum 2:1, verteidigte den Vorsprung dann auch zum 3:1, 4:2 und 5:3. Für endgültig klare Verhältnisse sorgte dann das letzte Aufschlagspiel des Serben zum 6:4, die Tennis-Messe war gelesen – für Djokovic und gegen Nadal, den offiziellen Branchenführer, der weiter auf den ersten WM-Sieg wartet. Als dominierende Figuren des ganzen Tennisjahres hatten Nadal und Djokovic das letzte Finale dieser bewegten und bewegenden Saison 2013 erreicht – ein Showdown der Nummer 1 und Nummer 2 der Welt, der irgendwie zwingend und logisch wirkte.

Denn auch in London war eher die Ausnahmestellung des Spaniers und des Serben zu erkennen als eine größere Annäherung des Pulks an die beiden Führungsfiguren. Beide gingen ungeschlagen aus den Gruppenspielen in die Halbfinals und ließen dort ihren Schweizer Herausforderern Federer (gegen Nadal) und Wawrinka (gegen Djokovic) keine relle Siegchance. Damit verfestigte sich auf großer WM-Bühne eben auch noch einmal der Trend dieser Spielserie, in der Nadal und Djokovic drei der vier Grand Slam-Titel und acht der neun Masters-Turniere unter sich ausmachten – eine frappierende Bilanz für das Verfolgerfeld, in dem eigentlich nur Andy Murray einen Glanzpunkt setzte, als er die britische Titeldürre in Wimbledon nach 77 Jahren Wartezeit beendete. Doch ausgerechnet er fehlte dann fast in der ganzen zweiten Saisonhälfte wegen seiner Rückenbeschwerden und einer Operation als Herausforderer, an diesem Finaltag, dem 11. November, reiste der eigentliche Lokalmatador von London schon zur Saisonvorbereitung 2014 nach Miami. 

 

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