Nach Telefonkonferenz Europäer wollen über gemeinsamen IWF-Kandidaten abstimmen

Frankreichss Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire. Foto: Michel Euler/AP/dpa/dpa

Nach wochenlangen Debatten hinter den Kulissen macht Paris Druck. Der europäische Kandidat für den Weltwährungsfonds soll schnell benannt werden. Ist auch Großbritannien im Spiel?

 

Paris - Die Europäer wollen rasch über einen gemeinsamen Anwärter für die Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) abstimmen.

Das teilte der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire nach einer Telefonkonferenz mit den europäischen Ministern der Finanzressorts mit. Das Votum ist für den (morgigen) Freitag geplant.

Bisher sind fünf Kandidaten in der engeren Auswahl. Unter ihnen ist der frühere Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem aus den Niederlanden. Die Briten - dort gibt es eine neue Regierung - könnten in letzter Minute noch einen Anwärter benennen, falls sie dies wünschten, so Le Maire. Falls es nötig sei, werde es mehrere Wahlgänge geben.

Wie ein Diplomat berichtete, überzeugte Le Maire seine Amtskollegen, nun über einen Kandidaten abzustimmen, um weitere lange Debatten zu vermeiden.

Frankreich war beauftragt worden, die Kandidatenkür zu leiten. Es geht um die Nachfolge von Christine Lagarde, die an die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) wechseln soll. Die Führung des Weltwährungsfonds mit Sitz in Washington ist traditionell in europäischer Hand.

Die Franzosen hatten eigentlich angekündigt, dass ein Anwärter bis Ende Juli gefunden werden solle. Ziel der Europäer ist es, einen gemeinsamen Kandidaten zu präsentieren, der weitreichende Erfahrungen auf dem Gebiet der internationalen Finanzbeziehungen hat. Das Ministerium betonte die enge Abstimmung zwischen Le Maire und dem deutschen Vize-Kanzler und Finanzminister Olaf Scholz (SPD).

Neben Dijsselbloem sind Ex-EU-Kommissar Olli Rehn, die spanische Wirtschaftsministerin Nadia Calvino, der Vorsitzende der Eurogruppe, der Portugiese Mario Centeno, und die ehemalige Vize-Präsidentin der EU-Kommission, Kristalina Georgiewa aus Bulgarien potenzielle Kandidaten.

Vor Wochen war auch darüber spekuliert, ob der britische Notenbankchef Mark Carney ein Anwärter sein könnte - sein Name erschien aber nicht auf der offiziellen Liste der Europäer. Großbritannien will die EU zum 31. Oktober verlassen.

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