Technischer Direktordes FC Bayern Michael Reschke: "Bündler" mit magischem Auge

Michael Reschke kam von Bayer Leverkusen zum FC Bayern Foto: Augenklick/dpa

Als Technischer Direktor plant Michael Reschke beim FC Bayern die Zukunft. Erste Toptalente sind verpflichtet. Ein Gespräch mit Hoeneß gab es bereits.

 

München - Michael Reschke klingt einigermaßen entspannt, die hektischen Tage liegen erst einmal hinter ihm. Noch "ein paar Transferaktivitäten" gab es zu erledigen, die Telefone klingelten Sturm, aber jetzt, puh, durchatmen, kommt da wohl auch nicht mehr viel. Michael Reschke kann sich darauf konzentrieren, die Nachwuchsarbeit von Bayern München auf ein neues Niveau zu heben.

Er hat es selbst erfahren: Auch der FC Bayern erkennt ein Talent nicht immer auf Anhieb. 35 Jahre lang hat Reschke für Bayer Leverkusen gearbeitet, Kader komponiert, Perlen gesucht und gefunden, sich dabei einen exzellenten Ruf aufgebaut - bis endlich ein gewisser Matthias Sammer auf die Idee kam, dieser Mann könne sein dem Vernehmen nach überragendes Wissen ja auch für den deutschen Rekordmeister einsetzen.

Beim FC Bayern tut sich derzeit so einiges unterhalb des weltstardurchsetzten Kaders, der sowieso immer gewinnen muss. Reschke zieht dabei die Fäden, auch wenn er nicht gerne redet - am liebsten wäre ihm, er würde "gar nicht oder nur sehr wenig" in der Presse auftauchen.

Daher verweist er auch darauf, dass der FC Bayern in den vergangenen fünf Jahren gleich dreimal das Champions-League-Finale erreicht hat. Vor seiner Zeit, lässt er mitschwingen, "das beruhte alles auf einer klugen, durchdachten Kaderplanung". Reschke soll nicht in die Vergangenheit blicken, er soll die Zukunft organisieren.

Der Rekordmeister wendet sich ab von der Strategie, Spieler "fertig" zu kaufen - wohl auch, weil fertige Spieler inzwischen unanständige Summen kosten. Man denke nur an die 40 Millionen Euro für Javi Martinez, den in Deutschland bis dato kaum jemand kannte. Und immer nur die besten Dortmunder zu kaufen, kann es auf Dauer auch nicht sein.

Deshalb steckt der Rekordmeister auch Uli Hoeneß in die Jugendarbeit. Gleich an dessen erstem Tag als Freigänger ging der Ex-Präsident auf Reschke zu. Angeregt wurde dann bei einer Wurstsemmel geplaudert - worüber, bleibt ein Geheimnis. Zuletzt haben die Bayern Sinan Kurt (18) von Borussia Mönchengladbach abgeworben. Der alte Rivale war dermaßen unerfreut, dass Sportdirektor Max Eberl offen infrage stellte, ob ein guter junger Spieler denn immer sofort in München landen muss. Auch an der Verpflichtung von Joshua Kimmich (7 Millionen Euro, VfB Stuttgart/RB Leipzig) war Michael Reschke maßgeblich beteiligt.

"Die neuen Augen von Pep", schrieb eine Zeitung. Diese Augen haben viel gesehen. Reschke gilt als Top-Experte für den nationalen und internationalen Spielermarkt, als der, der an erster Stelle in der Schlange steht. Nur so konnte er stets Spieler nach Leverkusen lotsen, die auch größere Vereine geschmückt hätten: Er sieht Talent, bevor andere es sehen. In München soll er endlich die geplante Ausgliederung der Nachwuchsabteilung vom Klubgelände an der Säbener Straße in ein eigenes Trainingszentrum umsetzen.

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Das Gelände besitzt der Klub seit zehn Jahren, passiert ist seitdem nicht viel. Wichtig ist Reschke: nichts zu überstürzen. Nur die größten Talente zu versammeln, ohne Aussicht auf Spielpraxis - das ist nicht sein Weg. Bayern solle keine Talente-Drehscheibe "á la FC Chelsea" werden, "wir wägen sehr sorgfältig ab".

Reschke: Bayern darf kein "Talente-Verleih" werden

Zuletzt hat sich Michael Reschke selbst als "Bündler" bezeichnet, der Ideen in einem Strang zusammenführt. Damit Richtung und Intensität stimmen. Stimmen sie, darf es auch mal hektisch werden.

 

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