Syrischer Kriegsflüchtling 1860-Spieler Awata: Sein dramatisches Leben

"Er ist der gute Geist des Teams", sagt Löwen-Coach Daniel Bierofka über Mohamad Awata, der 2016 aus dem syrischen Kriegsgebiet geflüchtet ist. Foto: sampics/Augenklick

Der Stürmer floh vor dem Syrien-Krieg, eine Bombe tötete seine Mutter. Beim TSV 1860 hofft er auf ein besseres Leben, dafür braucht er einen Vertrag.

München/Obertraun - Was in Fußballliedern voller Schmäh für den Rivalen besungen wird, lernte er mit voller Brutalität kennen. Tod und Hass. Mohamad Awata (23) ist ein syrischer Kriegsflüchtling. Einer, der vieles verlor und noch mehr aufs Spiel setzte. Mit Erfolg. Mit dem Wissen um ein sicheres Dach über dem Kopf. Und einen Job beim TSV 1860.

Vergangenes Jahr traf Awata eine Entscheidung: fort aus der Heimat. "Ich habe 17 Tage nach Deutschland gebraucht. Mit Auto, Zug und einem Boot - 70 Personen auf einem kleinen Schiff", schildert er die Flucht aus Damaskus, wo seit 2011 ein Bürgerkrieg tobt.

"Ich habe 2.000 Dollar bezahlt. Mein Vater, meine Freunde, sie haben mir Geld gegeben. Ohne sie hätte ich es nicht geschafft", schildert Awata in brüchigem, aber respektablem Deutsch sein Schicksal. Eines ohne Happy End. Und doch mit einer besseren Zukunft.

"Köppel: Wir standen oft zu zweit auf dem Platz"

Awata ist ein hochaufgeschossener, schlanker Kerl. Breites Grinsen. So sitzt der Angreifer, zuvor bei Al Wahda Damascus aktiv, im Trainingslager in Obertraun bei seiner ersten Presserunde neben Junglöwe Christian Köppel. Der ist Abwehrspieler und schon seit zwölf Jahren im Verein.

Awatas traurige Vergangenheit bewegt auch ihn. "Als Mo letztes Jahr kam", erzählt Köppel, "war er zufällig bei mir gesessen. Zudem war ich verletzt und er durfte am Anfang nicht mittrainieren, da standen wir oft zu zweit auf dem Platz. Er ist extrem gut im Kopfballspiel, ich habe die Flanken geschlagen."

Sie wurden zu Freunden. "Köppi", den er neben Cristiano Ronaldo als Vorbild bezeichnet, "hat mir immer geholfen", sagt Awata, Doppeltorschütze im Test gegen Augsburg II (4:0). "Mo ist ein total sympathischer Typ. Er wollte immer alles wissen: Was heißt 'passen' auf Deutsch? Woher kriege ich ein Handy?", so Köppel, der erklärt: Anfangs habe man sich mit Händen und Füßen, Awatas schlechtem Englisch und noch schlechterem Deutsch verständigt – beide lachen.

Schlagartig schlägt die Emotion um, als die Frage nach seiner Familie in Syrien kommt. "Eine Bombe ist auf unser Haus gefallen, hat alles zerstört. Meine Mutter und mein Onkel wurden dabei getötet", erklärt Awata mit Tränen in den Augen.

Er versucht, sich zu sammeln. "Mein Vater und mein Bruder sind noch dort, ich bin hier alleine. Ich würde mir wünschen, dass sie irgendwann kommen." Täglich habe er Angst um seine Liebsten, mit denen er per Whatsapp und Facebook kommuniziert.

Bierofka: "Er ist der gute Geist des Teams"

Sechzig wurde ihm von einem Freund, einem Deutsch-Syrer, empfohlen. "Er wohnt schon lange hier und hat mir gesagt: Geh‘ zu 1860." Also ging Awata im Sommer aus Stuttgart, wo er zuerst unterkam, nach München. Dort sei er bei der U21 (sieben Einsätze) sowohl von Kumpel Köppel und Kollegen als auch vom Coach herzlich empfangen worden: Daniel Bierofka.

"Er ist ein großer Trainer, hat immer zu mir gehalten und gesagt: Mo, egal was passiert, ich stehe hinter dir", schwärmt Awata. Das Lob bekommt er postwendend zurück: "Er hat sich alles erarbeitet", so Bierofka zur AZ: "Jeder mag ihn, er ist sehr dankbar, dass er hier sein darf. Er ist der gute Geist des Teams."

Auch für Awata wäre wichtig, dass 1860 womöglich am Freitag den Einstieg neuer Investoren verkünden kann, denn: "Ich kann nur hierbleiben, wenn ich einen Vertrag habe."

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