Super-Recogniser Sie sehen alles: Die vier Super-Hirne der Münchner Polizei

Vier Super-Recogniser der Polizei München: Wolfgang Sch. (45), Kriminalhauptmeister, Tanja St. (41), Kriminalhauptmeisterin, Christina W. (29), Kriminaloberkommissarin und Andreas H. (38), Kriminaloberkommissar (von links). Foto: Polizei

Ganz gezielt werden bei der Münchner Polizei Beamte eingesetzt, die ein perfektes Personengedächtnis haben. Die AZ stellt sie und ihre Arbeit vor.

 

München - Super-Recogniser haben eine ganz besondere Begabung: Sie sind phänomenal gut darin, Gesichter zu erkennen. Selbst nach Jahrzehnten können sie sich an Personen erinnern, denen sie einmal begegnet sind, oder deren Foto sie gesehen haben.

Tanja St. arbeitet in der Personalabteilung. Ein Schreibtischjob, wie ihn viele haben. "Immer hab' ich mir gewünscht, eine spezielle Begabung, ein besonderes Talent zu haben", sagt die 41-Jährige. Ihr Wunsch ist in Erfüllung gegangen: Sie ist heute Kriminalhauptmeisterin und ein Super-Recogniser. "Ich konnte selbst nach 25 Jahren alle meine Schulkameraden wiedererkennen, obwohl ich manche seit damals nicht mehr gesehen hatte."

37 Super-Recogniser gibt es in München

35 Polizisten und zwei Verwaltungsangestellte haben die Tests bestanden - 13 Frauen und 24 Männer. 37 der rund 6.600 Mitarbeiter im Präsidium sind Super-Recogniser. Christina W. (29) zum Beispiel ist Kriminalhauptkommissarin. Sie ist Spezialistin für Betrugsfälle. "Ich hab' nicht geglaubt, dass ich es schaffe", sagt sie. Die Tests hat sie aus purer Neugier gemacht. So wie auch Kriminaloberkommissar Andreas H. (38). Er bearbeitet Eigentumsdelikte. "Ich erkenne Personen schneller und besser als andere."

Und auch Kriminalhauptmeister Wolfgang S.: Der 45-Jährige arbeitet bei der Intranetfahnung und Lageauswertung. Er hat viel mit Fotos und Videos zu tun. "Mein Chef schlug vor, eine Trefferliste anzulegen", sagt er. Die war länger als bei anderen Kollegen.

Übrigens: Keiner von ihnen ist unschlagbar bei "Memory". "Meine Kinder sind da viel besser", sagt Wolfgang S. Klar, es geht ja nur um Symbolbilder.

Selbst im dichtesten Getümmel erkennen sie gesuchte Personen

"Super-Recogniser sollen bei der Aufklärung von Straftaten helfen", betonte Polizeipräsident Hubertus Andrä gestern bei der Vorstellung des Pilotprojekts. Sie sollen Straftäter und Verdächtige aufgrund von Fotos identifizieren. Die Spezialisten können helfen, neue Zusammenhänge zu erkennen, Serientäter zu identifizieren.

Super-Recogniser können selbst in großen Menschenmengen bestimmte Personen erkennen und sie auf verschiedenen Aufnahmen wiederfinden. In Fußballstadien funktioniert das, auf Konzerten, bei Demos, an Flughäfen, selbst im dichtesten Getümmel auf der Wiesn. Es wäre sogar möglich, Gefährder oder auch Terroristen frühzeitig zu identifizieren.

Entdeckt hat das Phänomen die Metropolitan Police London. Ihnen war aufgefallen, dass einige Kollegen ein besonderes Talent hatten, Personen zu erkennen. Man ging dem Phänomen auf den Grund. An diesem Punkt kam Dr. Josh Davis von der Universität Greenwich ins Spiel. Der Wissenschaftler forschte über die Bedeutung von Fotos und Videos für die Polizeiarbeit. Er untersuchte das Phänomen und entwickelte Tests, mit denen sich das Talent nachweisen lässt.

Super-Recogniser schlugen den Computer 500 zu 1

Die Stunde der Super-Recogniser kam nach den "London Riots" im Jahr 2011: Polizisten hatten im August einen 29-jährigen Verdächtigen bei der Festnahme erschossen. Es kam zu Protesten. Die Demos schlugen in Krawalle um, die sich über London ausbreiteten.

Auf Videos und Fotos erkannten Super-Recogniser 500 Randalierer - und das, obwohl die Aufnahmen oft schlecht und die Täter vermummt waren. Das automatische Gesichtserkennungssystem konnte nur eine Person identifizieren. Später gelang es sogar, den Mörder einer 14-Jährigen zu identifizieren und zu fassen. "Das zeigt, dass der Mensch hier dem Computer klar überlegen ist", sagt Josh Davis.

Die Frage ist nur, wie lange er die Nase noch vorne hat: Auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz wurden zuletzt enorme Fortschritte gemacht.

"Es ist eine genetische Veranlagung", sagt Josh Davis - ein Talent, das man in die Wiege gelegt bekommt. "Nichts, was man trainieren oder lernen kann."

Von den rund sieben Milliarden Menschen auf der Welt haben nur ein bis zwei Prozent diese Fähigkeit. Der Anteil von Männern und Frauen ist nahezu gleich. Auffällig ist: Eltern vererben sie oft an ihre Kinder - sie scheint genetisch zu sein.

 

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