"Super Mario" vor Gericht Soko Oktoberfest: LKA-Mann nur Opfer?

Der ehemalige Leiter der Soko Oktoberfest beim bayerischen Landeskriminalamt sieht sich selbst als Opfer. Der Prozess in Nürnberg steht kurz vor dem Abschluss.

 

München - Vom "Star" des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) zum Angeklagten – viel holpriger könnte der Crash-Kurs für "Super Mario" kaum ausfallen. Der Spitzenbeamte des LKA spielt in dem Prozess, der gegen ihn und fünf weitere Kollegen vor dem Landgericht in Nürnberg geführt wird, nach Ansicht der Staatsanwaltschaft eine entscheidende Rolle (AZ berichtete).

Seit einem Dreivierteljahr läuft das Verfahren gegen die sechs LKA-Beamten. Laut Anklage waren sie alle auf unterschiedliche Weise in den Diebstahl von Mini-Baggern verwickelt. Entsprechend groß ist die Bandbreite der angeklagten Straftaten.

Der Prozess gegen "Super Mario" nähert sich dem Ende

Nach rund drei Dutzend Verhandlungstagen nähert sich der Prozess seinem Ende. Der Staatsanwalt hat sein Plädoyer bereits gehalten und für "Super Mario" eine Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten gefordert. Mit einer derartigen Strafe würde der LKA-Beamte zwar ohne Haftvollzug davonkommen, aber seine berufliche Karriere wäre am Ende. Ein entsprechendes Disziplinarverfahren, das bereits gegen alle Beamten eröffnet wurde, liegt nur bis zum Ende des Strafprozesses auf Eis.

Im Zuge der Ermittlungen gegen die LKA-Beamten, die durch die Aussage eines V-Manns in Gang kamen, wurden mit Beschluss des Amtsgerichts deren Arbeitsplätze und Privatwohnungen durchsucht und zahlreiche Datenträger sichergestellt. Sie dienen der Staatsanwaltschaft jetzt als Beweismittel für schräge Tricksereien und Straftaten.

Der Beamte war im LKA ein wichtiger Mann

"Super-Mario" erwischte es mit den Durchsuchungen gleich dreimal – einmal privat, einmal im Münchner LKA-Dienstgebäude und einmal an seinem zweiten Dienstsitz ein paar Kilometer entfernt, wo die neue "Soko Oktoberfest" installiert wurde. "Super-Mario" war ihr Chef.

Der LKA-Ermittler mit dem Sonderstatus, der auch noch in die "Organisierte Kriminalität" und andere Fachbereiche eingebunden war, führte im Auftrag der Behörde auch Verhandlungen im Ausland, oder trat in Untersuchungsausschüssen des Landtags als Experte des Landeskriminalamts auf, etwa im NSU- und im Schottdorf-Untersuchungsausschuss.

LKA-Ermittler selbst ein Opfer?

"Super-Mario" selbst hält sich allenfalls für ein Opfer von falschen Behauptungen des V-Manns und den daraus resultierenden Umständen. Er bestritt gestern in seinem Schlusswort auch die kriminelle Energie (Strafvereitelung im Amt, Falschaussage vor Gericht), die ihm die Staatsanwaltschaft vorwirft.

Der V-Mann, der für "Super-Mario" und seine Kollegen ein rotes Tuch darstellt und sie mit Lügen auf die Anklagebank gebracht haben soll, wurde vom Gericht als Nebenkläger im Prozess zugelassen. "Wenn hier jemand gelogen hat", erklärte sein Anwalt Alexander Schmidtgall, "dann waren es Beamte des LKA. Das ist längst belegt." Schmidtgall will Schadensersatzansprüche gegen die LKA-Beamten durchsetzen und sagt: "Mein Mandant landete immerhin ungerechtfertigt lange im Gefängnis."   

 

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