Strom-Limousine von Volvo-Tochter Polestar 2: Forscher Elektro-Komet im Anflug

Eigenständiger Auftritt: Der Polestar 2 trägt erkennbar skandinavische Züge. Foto: Rudolf Huber

Vor knapp eineinhalb Jahren wurde der Polestar 2 erstmals gezeigt - jetzt ist der Volvo endlich im Anflug zu den deutschen Erstbestellern. Wir haben ihn schon ausführlich getestet.

München
- Eine ausgewachsene Fließheck-Limousine aus dem Premium-Segment, 408 PS stark mit Allradantrieb und allem Drum und Dran für unter 50.000 Euro: Die jüngste Umweltprämien-Erhöhung und die gesenkte Mehrwertsteuer machen es möglich.

 

Denn bei dieser Summe geht es um einen reinen Stromer, der bis zu 470 Kilometer Reichweite drauf hat und sich vor den Angeboten der Nobel-Konkurrenz aus Stuttgart, Ingolstadt und Kalifornien nicht verstecken muss. Der Polestar 2 kommt im August nach Deutschland. Wir haben ihn schon jetzt ausprobiert.

Volvo Polestar liefert dynamisch-knackigen Untersatz

Polestar war ursprünglich die Abteilung Sport und Power von Volvo. Mittlerweile ist auch noch eine Elektromarke draus geworden - und die lässt durchaus spüren, worauf sich der Polarstern einstmals konzentriert hat.

Die Nummer zwei des Hauses ist jedenfalls - neben sonstigen Talenten - auch ein sehr dynamisch-knackiger Untersatz. In Zahlen: Die vorne und hinten platzierten E-Aggregate stellen zusammen 660 Newtonmeter maximales Drehmoment parat und sorgen für eine Standard-Sprintzeit von 4,7 Sekunden. Bei Tacho 210 endet laut mid-Testfahrt der Vortrieb - Polestar spricht von 205 km/h Spitze.

Was die Zahlen nicht beschreiben können, ist das Fahrgefühl. Die unmittelbar freigesetzte Power ist zwar nicht neu, aber immer wieder faszinierend - etwa beim Einfädeln auf die Autobahn oder beim Überhol-Zwischenspurt. Das passiert sehr leise, sogar die Reifengeräusche sind beim Polestar 2 kein Thema, allenfalls ein Säuseln rum um die ganz besonders gelungene Karosserie der fünftürigen Mittelklasse-Limousine ist zu vernehmen.

Volvo Polestar: Kooperation mit Geely

Die chinesischen Schweden - mit im Boot ist Hersteller Geely - geben als Verbrauch 19,3 Kilowattstunden (kWh) je 100 Kilometer an, ein vergleichsweise niedriger Wert. Beim mit 438 PS nicht wesentlich schwächeren e-tron S von Audi etwa stehen 27,2 bis 29,0 kWh im Datenblatt, und wer es etwas fliegen lässt, hat vorne schnell eine Drei stehen.

Anders beim Polarstern: Der zog bei der mid-Testfahrt trotz mehrerer Vollstrom-Etappen 20,1 kWh aus dem 78 kWh-Akku. So nah am Normwert - das ist ganz selten.

Die 470 Kilometer Reichweite sind also mit etwas Zurückhaltung auch real zu schaffen. Gefüllt wird der Akku des Polestar 2 übers eingebaute Ladegerät mit bis zu elf kW, am Schnelllader sind 150 kW möglich und eine Füllzeit von 0 auf 80 Prozent von 40 Minuten - das passt für eine entspannte Kaffeepause.

Volvo Polestar: Komplett vernetzt

Das Platzangebot im eurasischen Stromer mit der veganen Innenausstattung ist vorne klassengerecht, hinten wird es für besonders langbeinige Passagiere ein wenig knapp. Angenehm für die Innenraum-Atmosphäre ist das große Glasdach. Ein ganz eigenes Kapitel ist die Bedienung, denn der Polestar 2 ist das weltweit erste Auto mit einem Infotainmentsystem, das auf Google Android basiert und somit Google-Apps und -Dienste integriert.

Klarer Vorteil für alle Android-Nutzer: Es funktioniert alles wie am gewohnten Smartphone oder Tablet. Anders gesagt: Viel einfacher lässt sich ein doch relativ komplexes Gerät wie ein modernes E-Auto mit kompletter Vernetzung, allen aktuellen Assistenzsystemen plus der kompletten Infotainment-Parade nicht nutzen. Dazu kommt eine wirklich annähernd perfekt funktionierende Sprachsteuerung, die auch Frauenstimmen problemlos versteht. Klingt eigentlich selbstverständlich. Ist es aber bei bisher verwendeten Systemen keinesfalls.

Wie sich das in besseren Kreisen gehört, lässt sich mit ein paar Klicks die Lenkung und der Rekuperationsgrad wie gewünscht einstellen, Letzterer von null, also vom freien Rollen, bis zu einer kräftigen Verzögerung, die nach kurzer Eingewöhnung das Bremspedal fast arbeitslos macht. Was schnell auffällt ist die Leichtigkeit, die die Arbeit des Piloten im Polestar 2 begleitet.

Volvo Polestar: Günstigere Einstiegsversion kommt 2021

Es geht definitiv nicht sänftenartig, aber auch nicht brutal hart zur Sache, die 2,1 Tonnen Lebendgewicht relativieren sich dank der ausgewogenen Gewichtsverteilung: Der Eurasier kommt auf Wunsch auch sehr schnell ums Eck, ohne zu zucken. Dass er auch noch vorne 35 und hinten 405 bis 1.095 Liter gut nutzbares Kofferraumvolumen bietet, kommt zu seiner Alltagstauglichkeit noch dazu.

Aus dem ursprünglichen Basispreis von 57.900 Euro werden nach Abzug aller Prämien und der Steuersenkung exakt 48.450 Euro. Den mid-Testwagen zierten noch das Performance Pack mit Brembo- und Öhnlins-Komponenten (5.849 Euro), eine Anhängerkupplung (1.072 Euro) und die Lackierung in Snow Metallic (975 Euro) - schön zu haben, aber nicht lebenswichtig.

Und wem der appetitliche Schwedenhappen aktuell noch zu teuer ist, der muss rund noch bis Ende 2021 warten: Dann gibt es eine Einstiegsversion mit einem Motor und kleinerem Akku für unter 40.000 Euro - vor Abzug der Prämien.

Lesen Sie hier: Volvo XC60 B5 - Mittelklasse, aber nicht Mittelmaß

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading