Streit um Radl-Autobahn Rathaus-CSU will den Münchner Radschnellweg ablehnen

Bald sollen die Parkplätze auch auf der Leopoldstraße für den Radverkehr weichen. Foto: Sigi Müller

Unter dem geplanten Radschnellweg könnte auch der Busverkehr leiden – die Münchner Rathaus-CSU will ihn deshalb komplett ablehnen.

 

München - Sportsachen, Duschzeug und der Anzug fürs Büro: Ihre Mitglieder brauchen einfach das Auto, klagt Regina Zankl, Inhaberin vom Fitnessstudio "Leo’s Sports Club" in der Leopoldstraße. Sie ist zusammen mit anderen Mitgliedern der Einladung der CSU-Rathausfraktion gefolgt.

Der Grund der Versammlung: Am Donnerstag stimmt der Stadtrat über einen Radschnellweg ab, der vom Stachus über den Marienplatz, die Brienner Straße, den Odeonsplatz, entlang der die Ludwig-, Leopold- und Ingolstädter Straße zur nördlichen Stadtgrenze verlaufen soll. Der 9,1 Kilometer lange Schnellweg soll pro Fahrtrichtung vier Meter breit sein. Die SPD und Grünen haben bereits angekündigt, dafür zu stimmen. Die CSU will die Radl-Autobahn verhindern.

Radschnellweg würde ÖPNV behindern

Der Frust ist in der Rathaus-Fraktion nicht nur groß, weil mehr als 800 Parkplätze weichen sollen – die von der CSU geforderten Tiefgaragen als Ersatz hat die Stadt als nicht machbar eingeschätzt. Als mindestens so kritisch wie die Parkplatz-Streichungen bewertet Manuel Pretzl, Chef der Rathaus-CSU: Radler sollen künftig auf der Schnellstrecke Vorfahrt vor dem ÖPNV bekommen.

"Erst wird alles getan, um den Busverkehr zu beschleunigen, jetzt soll er teilweise auf 20 Stundenkilometer ausgebremst werden – zugunsten der Radler", beschwert sich Pretzl. So sollen etwa Ampeln künftig auf Radverkehrsströme angepasst werden – statt auf Busse! Pretzl nennt Zahlen: 25.000 Radler gibt es schätzungsweise täglich auf der Strecke (und zwar bei gutem Wetter). 205.000 Menschen nutzen allein entlang der Leopoldstraße täglich Busse. Pretzl: "Jeder mit Verstand würde gegen den Radlschnellweg sein – aber Rot und Grün wollen ein weiteres ihrer Prestigeprojekte durchpeitschen."

Kritikpunkte: Parkplätze und Baumfällungen

Jedoch ist die Vorfahrt für Radler eine der Voraussetzungen, Fördermittel für den Weg der Schnellstrecke zu bekommen. Und für einen Großteil der Kosten (24 Millionen Euro) hat die Stadt schließlich vor, Freistaat und Bund anzuzapfen.

Stadträtin Sabine Bär (CSU) kritisiert: In der Vorlage sei auf der Ingolstädter Straße von "massiven Baumfällungen" für den Radlschnellweg die Rede.

Und Stadtrat Thomas Schmidt (CSU) weist nicht zuletzt auf die vielen Gewerbetreibenden hin. "Viele sehen den Wegfall von Parkplätzen als existenzbedrohend", sagt er. Darunter Anton Kumar, Betriebsleiter vom Blockhaus. Er sagt: "Wenn die Parkplätze weg sind, gehen die Münchner woanders hin."

Auch SPD und Grüne: Kritik am Plan für den Radschnellweg 

Das von der CSU angesprochene ÖPNV-Problem erkennen auch die anderen Fraktionen im Rathaus. So kritisiert SPD-Stadträtin Bettina Messinger am Mittwoch: "Eine rein auf den Radverkehr ausgerichtete Priorisierung wird es mit uns nicht geben – der ÖPNV muss weiter funktionieren."

Und OB Dieter Reiter (SPD) ergänzt: "Durch den Radschnellweg darf auf keinen Fall der ÖPNV beeinträchtigt werden." Stefan Hofmeir von der Aktion Münchner Fahrgäste sagt: "Viel wichtiger als bessere Radrouten ist der schnelle Ausbau des ÖPNV. Denn wer mit Trambahn und Bus fährt, entlastet die Straßen."

OB-Kandidatin Katrin Habenschaden (Grüne) bekennt sich zum Radschnellweg als wichtigen Schritt zur Verkehrswende. Aber: "Auch der Baumschutz muss berücksichtigt werden!"

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