Streit um Pachtvertrag Münchner Traditions-Kino: Filmtheater am Sendlinger Tor vor dem Aus?

, aktualisiert am 05.02.2020 - 18:33 Uhr
Das Filmtheater am Sendlinger Tor wurde 1913 eröffnet. Im Sommer läuft der Pachtvertrag aus. Foto: imago images/Spöttel

Verliert München eines seiner ältesten Kinos? Das Filmtheater am Sendlinger Tor ist vom Aus bedroht – es gibt Streit um den Pachtvertrag. Zwischen Betreiberin und Verwaltungs des Kinos verhärten sich die Fronten.

 

München - Wie lange es das traditionsreiche Filmtheater am Sendlinger Tor noch gibt, scheint ungewiss. Der derzeitige Pachtvertrag endet am 30. Juni. Geht es nach der Verwalterin, soll er nicht verlängert werden. Geht es nach Junior-Betreiber Christoph Preßmar (46), fehlen für eine wirksame Kündigung Unterlagen, und gebe es keinen Anlass, das Kino zu schließen. "Sie hat mehrfach Kündigungen geschrieben: zu Weihnachten, im März, zuletzt im Juni, aus welchen Gründen auch immer", sagt Preßmar. "Es hängt ein Damoklesschwert über dem Kino."

Schon vor fünf Jahren wollte mit Ex-Cinemaxx-Chef Hans-Joachim Flebbe ein Großunternehmer das Familienkino übernehmen, das Vorhaben scheiterte. "Momentan gibt es keinen ernsthaften Bewerber", sagt Verwalterin Birte Winkelmann. Denkbar als Nachmieter sei "irgendwas im Kulturbereich, was die Szene in München unterstützt", sagte sie eher vage. Winkelmann hält dem Betreiber-Duo Fritz Preßmar und Sohn Christoph unrentables Wirtschaften vor. "Er hat in mehreren Monaten in 2019 die Miete aus eigener Tasche bis zu einem Mindestbetrag aufstocken müssen." Zudem sei "die für einen reibungslosen Betrieb wichtige Ausstattung, wie die Klimaanlage oder die Lebensmittelaufbewahrung, veraltet". Zugleich betont Winkelmann, beim Betrieb "nicht jeden Cent" umzudrehen. Und: "Wir wollen eine gütliche Einigung."

Filmtheater: Besucherzahlen gehen zurück

Christoph Preßmar widerspricht den Vorwürfen. "Digitale Produktion und in 3D, die Klimaanlage: Es ist alles auf dem neuesten Stand. Es ist keine Unzumutbarkeit, zu uns rein zu kommen." Man schreibe schwarze Zahlen, trotz baustellenbedingter Einbußen. Obgleich die Besucherzahlen, allgemeinen Trends folgend, rückläufig seien.

Die Kündigungsschreiben der Kanzlei Winkelmann seien überdies unvollständig: Er wisse von einem der Kino-Gesellschafter, den er nicht namentlich nennen wolle, dass dieser der Kündigung nicht zugestimmt habe. Begründung: Ein Nachmieter müsse gesichert sein. Er gehe darum von einem Weiterbetrieb bis mindestens Ende Juni 2025 aus. Seit zehn Jahren gebe es Interessenten, sagt Preßmar. Die hätten aber "immer wieder abgewunken".

Eine Neuvermietung würde mit einem "riesen Aufwand" aufgrund von Denkmal- und Brandschutzauflagen einhergehen. Gemauerte Schächte, derzeit unter Bestandsschutz, wären "heute gar nicht mehr zulässig". Einen Nachmieter, der bereit sei, eine notwendige "utopische Summe" zu zahlen, habe es "nie gegeben". Stattdessen eigene Vorschläge, um den Eigentümern konstante Mieteinnahmen sicherzustellen: durch eine Festpacht statt Umsatzbeteiligung, durch Rückgriff auf einen Mäzen.

Ranking: Kino deutschlandweit auf Platz 46

Bei manchen Filmen sei das Filmtheater "eines der bestbesuchten in Deutschland", erhalte Preise dafür, sich als Einzelkino gegenüber Ketten zu behaupten, betont Preßmar. Im aktuellen Kino-Ranking des Vergleichsportals "Testberichte.de" belegt das Kino deutschlandweit Rang 46 von 299, bayernweit Platz 10 von 35, in München Platz 8 von 23.

Der Seniorenverband VdK München-Pasing stellte sich am Mittwoch hinter die Betreiber. In einem offenen Brief bat Vorstand Herbert Flammensbeck OB Dieter Reiter (SPD) um Unterstützung. Das Filmtheater gelte mit dem monatlichen "Superpreis"-Angebot von 1,50 Euro pro Karte für Senioren "gewissermaßen auch als soziale Einrichtung". Flammensbeck, lange Schatzmeister von "Rettet das Deutsche Theater", kündigte Unterschriftsaktionen für den Erhalt an, mit Unterstützung von Bürgerinitiativen. Auch eine Mahnwache sei denkbar.

 

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