Streit um geplantes Hotel Schillerstraße: Mieter wehren sich gegen Räumungsklage

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
An dieser Stelle soll ein neues, großes Hotel entstehen. Die Bestandsgebäude werden dann abgerissen. Foto: Daniel von Loeper

Die Schillerstraße in München kein Raum zum Wohnen? Das sagen jene, die am Hauptbahnhof ein Motel One bauen wollen. Doch einige Mieter sehen das anders und gehen nicht. Sie könnten das Recht auf ihrer Seite haben.

 

Sie sind nicht in Deutschland geboren, sprechen einfaches Deutsch und arbeiten in bodenständigen Berufen: Die Mieter aus der Schillerstraße 3 und 3a wirken nicht sehr wehrhaft. Tatsächlich sind die meisten der Mieter in dem Gebäude mit dem Sexkino und dem kultigen Café Schiller mit einer Abfindung von 5.000 bis 10.000 Euro ausgezogen, nachdem sie die Kündigung erhalten haben.

Doch der Mietverein München e.V. stuft die Kündigungen als nicht rechtens ein. Trotzdem hat die Hand voll Mieter, die nicht ausgezogen ist, mittlerweile Räumungsklagen erhalten.

2019 soll in der Schillerstraße ein Motel One entstehen

Das ist passiert: Im Frühjahr 2017 kauft die Münchner Concrete Capital I GmbH die Schillerstraße 3 und 3a. Das Unternehmen baut derzeit auch in Perlach den Plaza mit 400 Wohnungen. Im September erhalten die etwa 35 Mieter der Schillerstraße eine schriftliche Kündigung, da beide Gebäude abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden soll. Concrete Capital, die laut Eigenbeschreibung einem "exklusiven Investorenkreis Einstieg in Projektentwicklung" ermöglicht, ist zu 75 Prozent eine Gesellschaft, hinter der die Familie des Immobilienunternehmers Hubert Haupt steht und zu 25 Prozent Motel One.

Der Konzern möchte im Bahnhofsviertel sein neuntes Hotel in München mit 550 Betten bauen. Mittlerweile haben sich Bezirksausschuss und Stadträte eingeschaltet, da das Bahnhofsviertel schon jetzt die höchste Hoteldichte Europas hat. In der Ludwigsvorstadt gab es 2017 insgesamt 117 Hotels, die meisten beim Bahnhof.

Einige Mieter sind auf die Wohnungen angewiesen

Obwohl immer mehr Touristen und immer weniger Münchner im Viertel leben, gibt es Menschen, die hier bleiben wollen. Wie die Mieter aus der Schillerstraße, die sich an die AZ gewandt haben – mit der Bitte, anonym zu bleiben. Erst vor einem Monat wurde ihnen der Aufzug im Haus abgestellt. Sie berichten von weiteren Schikanen, die für die AZ nicht zu beweisen sind. Sie leben seit Jahren im Bahnhofsviertel, arbeiten oder haben hier gearbeitet. Sie zahlen beispielsweise 396 Euro Warmmiete für 23,5 Quadratmeter. "Wenn wir hier rausmüssen, finden wir keine Wohnung mehr", sagt einer, der seit der Kündigung nur noch "ein Strich in der Landschaft" ist, so drückt er selbst es aus.

Die Mieter bleiben, weil ihr Anwalt die Kündigung als nicht rechtens ansieht. Es handelt sich um eine Verwertungskündigung, in der der wirtschaftliche Nachteil laut Mieterverein München beziffert werden muss. Denn den Mietern wird wegen eines Abrisses und Neubaus gekündigt.

Es gibt noch keine Baugenehmigung

Peter Fritsche, Geschäftsführer von Concrete Capital sagt: "Wir stützen uns auf Urteile, in denen eine Kündigung wirksam ist, wenn man beweist, dass man das Bauvorhaben ernsthaft betreibt." Allerdings: Eine Baugenehmigung liegt bisher nicht vor und die braucht es laut Volker Rastätter, Geschäftsführer des Mietervereins, wenn bald das Amtsgericht über die Räumungsklage entscheidet.

Die einige tausend Euro, die die Concrete Capital den verbleibenden Mieter angeboten hat, können sie nicht zum Auszug bewegen. Die Ersatzwohnungen sind etwa in der Leopoldstraße 206 und mit 610 Euro Warmmiete teurer. Zumal sie für diese Wohnungen nur Untermietverträge angeboten bekommen haben.

Fritsche erklärt, dass Concrete Capital die Wohnungen auf dem freien Markt angemietet habe und nur Untermietverträge biete, weil die Vermieter die Mieter sonst nicht wollen. "Bei dieser Konstruktion kann es passieren, dass die Wohnung irgendwann weg ist", sagt Rastätter vom Mieterverein.

Mieter hin oder her: Anfang 2019 soll ein Motel One gebaut werden. "Die richtige Idee zum richtigen Ort. Wir sind nicht der Meinung, dass der Hauptbahnhof ein Ort zum Wohnen ist", verteidigt Fritsche das Projekt. Da widersprechen ihm die widerständigen Mieter aus der Schillerstraße ganz sicher.

München verliert: Lesen Sie hier den Kommentar von AZ-Lokalchef Felix Müller zum Thema

 

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