Streit um Flüchtlingsheim im Bayerischen Wald Ist diese Asylunterkunft zu abgelegen?

Die Asylbewerber-Unterkunft im niederbayerischen Böbrach. Foto: Renate Roßberger /BR

Der Freistaat weist die Kritik zurück. Die Flüchtlinge protestieren allerdings weiter vor dem Sozialministerium in München.

 

Böbrach - Der Regierungspräsident von Niederbayern, Heinz Grunwald, hat die Kritik an der umstrittenen Asylunterkunft Böbrach zurückgewiesen. „Das ist ein Top-Haus. Nicht alle Flüchtlinge sind so gut untergebracht“, sagte Grunwald am Montag bei einem Besuch der Einrichtung.

Hintergrund: Seit mehreren Tagen protestieren Asylbewerber in München gegen ihre Unterbringung in der Gemeinschaftsunterkunft in Böbrach (Kreis Regen): Diese sei zu weit abgelegen, die Bewohner bekämen zu wenig zu essen und würden schikaniert.

Grunwald betonte, das gerade erst vor wenigen Wochen nach einer Sanierung geöffnete Haus sei sicherlich etwas abgelegen, aber nicht jeder Flüchtling könne in München untergebracht werden. Die Bushaltestelle sei vom Haus etwa 500 Meter entfernt und der Ortskern von Böbrach nur einen Kilometer.

Zudem seien Fernsehanschlüsse in jedem Zimmer vorhanden. Auch ein Internetanschluss soll folgen. „Die Unterkunft ist absolut zumutbar. Nicht alle Flüchtlinge können in Großstädten leben“, sagte der Regierungspräsident.

Derzeit leben etwa 30 Flüchtlinge in dem Haus unweit des 1600-Einwohner-Ortes. Insgesamt bietet es Platz für 92 Menschen. In Niederbayern sind derzeit 2300 Flüchtlinge untergebracht – die Zahlen steigen.

Bei der Kritik gehe es nicht um die Ausstattung, sondern vor allem um die Lage, sagte die Landtagsabgeordnete der Grünen, Rosi Steinberger, die um den Ortstermin gebeten hatte. Man könne zwar gut Urlaub machen im Bayerischen Wald. „Aber die Situation der Flüchtlinge ist anders. Sie sind hier nicht auf Urlaub.“ Zu einem selbstbestimmten Leben gehöre auch, dass die Menschen wissen, wo sie einkaufen könnten und wie sie dorthin kommen. „Das hilft auch gegen die aufkommende Langeweile“, sagte Steinberger.

Der Integrationsbeauftragte der Staatsregierung räumte bei dem Besuch in Böbrach zwar ein, dass größere Städte attraktiver für Flüchtlinge sein. „Aber wir müssen auch andere Unterkünfte zur Verfügung stellen“, erläuterte Martin Neumeyer (CSU).

Den Landrat von Regen, Michael Adam (SPD), stört, dass von der Region ein Bild gezeichnet werde, das sie nicht verdient habe. Er kritisierte die Unterstützergruppen in München, die die Flüchtlinge regelrecht aufhetzten. „Das schürt Ausländerfeindlichkeit.“

Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) hat ein rasches Gespräch mit den in München protestierenden Asylbewerbern angekündigt. Müller hielt jedoch daran fest, dass eine Unterbringung in Böbrach zumutbar sei.

„Wer bei uns Schutz sucht, der findet diesen auch in Böbrach – wie überall in Bayern.“ Es gehe nicht an, sich durch öffentliche Proteste einen Aufenthaltsort zu erzwingen. „Daran ändert auch der Hungerstreik nichts. Der Rechtsstaat ist nicht erpressbar.“

 

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