Steueroasen und Verfolgungswahn So wird der Schweiz-"Tatort: Verfolgt"

Kommissar Flückiger (Stefan Gubser, li.) kann nicht so ganz glauben, was der IT-Fachmann Thomas Behrens (Alexander Beyer) ihm da auftischt Foto: SRF/Daniel Winkler

Kaum spricht man nicht mehr über den Steuer-Konflikt zwischen Deutschland und der Schweiz, präsentieren die Eidgenossen mit "Verfolgt" (20.15 Uhr, Das Erste) einen "Tatort" zu eben diesem Thema. Lohnt sich das Einschalten? Hier gibt es die Antwort!

 

München - Nachdem die Österreicher am vergangenen Sonntag die "Tatort"-Saison eröffnen durften, geht es nun weiter mit dem nächsten Alpen-Anrainer. Im "Tatort: Verfolgt" (Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste) haben sich die Schweizer eines ihrer Klischees vorgeknöpft und laden zum Blick hinter die Kulissen der Steueroase.

Um was geht's im "Tatort: Verfolgt"?

Der Computerfachmann Thomas Behrens (Alexander Beyer) wird beschuldigt, seine Geliebte ermordet zu haben. Lange müssen Reto Flückiger (Stefan Gubser) und seine Luzerner Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer) nicht nach ihm fahnden, denn der Gesuchte stellt sich der Polizei. Allerdings sieht er sich nicht als Täter, sondern als potenzielles Opfer, das bei der Polizei Schutz sucht. Man trachte ihm nach dem Leben, weil er eine CD mit geheimen Schweizer Bankdaten an ein deutsches Finanzamt verkaufen wolle. Die beiden Kommissare wissen nicht, was sie von dieser seltsamen Geschichte halten sollen.

Lohnt sich das Einschalten?

Ja, denn der SRF hat einen klassischen Krimi abgeliefert, in dem die Lösung des Falls auch für viele "Tatort"-Routiniers bis zum Schluss ein Rätsel bleiben dürfte. Nicht experimentiert wird auch an anderer Stelle: Das Privatleben der Kommissare Flückiger und seiner Kollegin Ritschard bleibt diesmal tabu. Ein Hauch von persönlich wird es bestenfalls, wenn der Kommissar einem kleinen Mädchen eine Gute- Nacht-Geschichte vorliest.

Das tut er übrigens in einer Villa mit beeindruckender Architektur. Anstelle einer Treppe führt eine rollstuhlgerechte Schräge ins Obergeschoss, was dem Schauspieler Gubser auch privat "sehr gut" gefallen hat, wie er im Interview mit spot on news erklärt. "Es war ein echter Glücksfall, dass wir in so einer Villa drehen durften. Der Architekt hat dieses Gebäude für sich selbst gebaut."

Weniger Glück haben die Hunde in dieser Ausgabe des Kult-Krimis, werden sie doch als "Todesboten" verunglimpft. "Das ist ein schwachsinniger Aberglaube", sagt Schauspieler Gubser im Gegensatz zum Hunde-Hass-Objekt Flückiger dazu. An vermeintlich irrationalem Verfolgungswahn leidet aber auch der Bank-Angestellte und Computerfachmann Thomas Behrens. Oder gibt es da doch Verstrickungen bis in höchste Kreise?

Der Luzern-Krimi holt zum großen Rundumschlag gegen das Schweizer Finanzwesen samt deutscher Steuersünder aus, in Zeiten, in denen das Thema fast von der Bildfläche verschwunden wäre. Ob das die Wunde wieder aufreißt? "Ich denke nicht", sagt Gubser im Interview. "Das gute nachbarschaftliche Verhältnis zwischen der Schweiz und Deutschland ist von dem Konflikt nicht nachhaltig gestört worden." Und Uli Hoeneß? "Ich kenne keinen vergleichbaren Fall in der Schweiz", so Gubser. Als Schweizer wäre der Fußball-Manager aber wohl "eher zu einer Geldstrafe verdonnert worden".

Die eidgenössischen "Tatort"-Macher scheuen sich nicht vor den Klischee-Themen, was auch im übernächsten Fall zu sehen sein wird. Denn dann geht es um das Asylwesen, in einem Land, das Anfang des Jahres mit der Abstimmung über die Initiative "Gegen Masseneinwanderung" für Aufregung sorgte.

 

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