Statistik zum Freistaat So samma mia: Die aktuellsten Zahlen über Bayern

Zahlen, Daten, Fakten: Das Statistische Jahrbuch zeigt, wie der weiß-blaue Freistaat aufgestellt ist. Foto: dpa

Wie wir leben, arbeiten, wohnen und verdienen: Das Statistische Jahrbuch für Bayern 2014 ist da. Die offiziellen Zahlen zeigen, wie wir Bayern sind. Die AZ fasst die wichtigsten Daten zusammen.

 

München - Ein bayerischer Chef im Baugewerbe verdient im Monat durchschnittlich 6026 Euro brutto. Nicht schlecht, aber als Boss in der Branche der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen ist da schon mehr drin: 8239 Euro brutto im Monat. Also, wenn man ein Mann ist. Eine Chefin kriegt fürs Gleiche nur 6806 Euro im Schnitt. So ist das halt in Bayern.

Wie der Freistaat sonst noch so ist, kann man auf 650 frisch gedruckten Seiten nachlesen. Das Statistische Jahrbuch für Bayern 2014 ist da, mit über 173 000 Zahlen, Daten und Fakten über Bayern. Joachim Herrmann, der Innenminister, hat es am Montag stolz vorgestellt: „Hinter diesen Zahlen verbirgt sich das wirklich wahre Leben in Bayern“, sagte er.

Die AZ zeigt die wichtigsten Zahlen aus dem aktuellen Report. Sie zeigen, wie die Menschen im Freistaat leben und arbeiten, wie sie wohnen, was sie verdienen und was sie in ihrer Freizeit machen.

BEVÖLKERUNG

12 604 244 Menschen leben in Bayern und verteilen sich auf 6 123 000 Haushalte. Im Schnitt teilen sich 179 Bayern einen Quadratkilometer ihres Freistaats. Theoretisch, denn Oberbayern ist mit durchschnittlich 255 Einwohnern pro Quadratkilometer dichter besiedelt als etwa die Oberpfalz, wo im Schnitt bloß 111 Menschen auf einem Quadratkilometer leben.

Die Bevölkerung ist im Jahr 2013 um 84 673 Personen gewachsen. Und das, obwohl in diesem Jahr zum sechsten Mal in Folge mehr Bayern starben (126 903) als neu geboren wurden (109 562). Allerdings sind auch weitaus mehr zugezogen (366 329) als weggezogen sind (268 682). Der sogenannte Wanderungsgewinn, also der Überhang an Zuzüglern, liegt bei 97 647 Personen. Das klingt zwar viel, im Jahr 1990 waren es mit 215 692 Personen aber noch deutlich mehr.

Die meisten Zugezogenen stammen aus Baden-Württemberg (38 045) und aus Nordrhein-Westfalen (20 633). Unter den Ausländern, die nach Bayern kommen, haben Rumänen (30 864) und Polen (28 167) den größten Anteil. Zum zweiten Mal in Folge sind aus Bayern in die Türkei mehr Menschen ausgewandert (5460), als von dort zu uns gekommen (4205) sind.

FAMILIENVERHÄLTNISSE

In Bayern leben rund 1,873 Millionen Familien. Bei gut 73 Prozent der Familien waren die Eltern verheiratet, 21 Prozent waren alleinerziehend, fünf Prozent lebten in einer Lebens- gemeinschaft. In Bayern gab es 2013 rund 362 000 nichteheliche Lebensgemeinschaften.

Fast die Hälfte der Bayern ist verheiratet (46,1 Prozent). 40,6 Prozent der Bevölkerung sind hingegen ledig, 6,7 Prozent sind verwitwet. 8326 Personen (0,1 Prozent) leben in einer eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft.

BAUEN UND WOHNEN

Bayern ist das größte Bundesland der Republik (70 550 Quadratkilometer). Von dieser Fläche werden elf Prozent als Siedlungs- und Verkehrsflächen genutzt (49 Prozent sind landwirtschaftliche Flächen, 35,1 Prozent sind Wald). 6 610 487 Wohnungen gibt es in Bayern verteilt auf knapp drei Millionen Wohngebäude. 2013 wurden 47 059 neue Wohnungen fertiggestellt. Das sind immerhin 5920 und damit 14,4 Prozent mehr als noch im Jahr davor. In Bayern entstanden 2013 insgesamt 17 516 neue Ein-, 1874 Zwei- und 2196 Mehrfamilienhäuser. 55 972 Wohnungen haben 2013 eine Baugenehmigung erhalten.Das sind lediglich 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die meisten Bayern wohnen geräumig: 86,8 Prozent der Wohnungen haben mindestens drei Räume, 52,2 Prozent sogar fünf oder mehr Räume. Gerade auf dem Land haben eben viele ein Haus. Bei den Mieten sind die regionalen Unterschiede groß: Zahlen Niederbayern im Schnitt nur 4,99 Euro pro Quadratmeter und Monat, so muss der Oberbayer dafür durchschnittlich 8,42 Euro hinlegen. Eine genaue Zahl für München ist in der Statistik nicht genannt, sie dürfte aber freilich noch höher liegen. Der Landesschnitt liegt bei 6,75 Euro.

VERKEHR

Das bayerische Straßennetz ist 41 892 Kilometer lang. Zum Vergleich: Der Äquator misst gut 40 075 Kilometer. Wer also alle Straßen Bayerns abgefahren ist, hat streckenmäßig eine Weltumrundung hinter sich.

Die Bayern besitzen immer mehr Autos. 687 789 Kraftfahrzeuge wurden 2013 neu zugelassen. 9,24 Millionen waren Anfang dieses Jahres hier registriert, 7,31 Millionen davon sind Personenkraftwagen. Das macht 580 Pkw pro 1000 Einwohner. 213 138 Führerscheine wurden 2012 ausgestellt.

Die meisten Bayern fahren mit dem Auto zur Arbeit (67,7 Prozent). 40 Prozent der Auto-Pendler müssen weniger als zehn Kilometer fahren, 22 Prozent haben 25 Kilometer oder mehr zur Arbeit.

Insgesamt passierten 2013 372 482 Unfälle (2,2 Prozent mehr als im Vorjahr). Bei 51 819 Unfällen wurden Personen verletzt. Der gefährlichste Tag der Woche ist dabei der Freitag (8317 Unfälle), der sicherste der Sonntag (4940 Unfälle). Die Zahl der Verletzten im Straßenverkehr liegt bei 69 457, 680 Menschen starben bei Unfällen.

Im öffentlichen Verkehr beförderten die 238 größten Unternehmen im Schienennah- und gewerblichen Buslinienverkehr knapp 1,3 Milliarden Fahrgäste. 19,28 Millionen Menschen kamen 2013 am Flughafen München an, 19,24 Millionen flogen dort ab. Das sind etwas mehr als noch im Jahr zuvor. An den Flughäfen Nürnberg und Memmingen nehmen die Fluggastzahlen hingegen ab.

WIRTSCHAFT

47 Prozent der bayerischen Bevölkerung arbeiten für ihren Lebensunterhalt. 24 Prozent leben hauptsächlich von Rente und Pension, 27 Prozent beziehen Unterhalt von Angehörigen und zwei Prozent leben von Sozialleistungen. Insgesamt sind 6,59 Millionen Menschen in Bayern erwerbstätig. Davon haben allerdings bloß 4,91 Millionen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Zum vergangenen November waren 3,4 Prozent der erwerbsfähigen Bayern arbeitslos. Damit ist die Quote hier so niedrig wie nirgends sonst in Deutschland. Die meisten Arbeitslosen sind im Alter zwischen 45 und 55 Jahren und haben eine abgeschlossene Berufsausbildung. Den höchsten Anteil an Arbeitslosen gibt es im Bereich der Arbeitsagentur Nürnberg, die wenigsten im Bereich der Agentur in Ingolstadt.

Rund 35 Prozent der Erwerbstätigen verdienen mehr als 2000 Euro netto im Monat, acht Prozent müssen mit weniger als 500 Euro auskommen.

Im Freistaat wirtschaften 661 989 Unternehmen und 702 024 Betriebe mit steuerbarem Umsatz. Die bayerischen Unternehmen machten im Jahr 2012 insgesamt 959 Milliarden Euro Umsatz, der durchschnittlich Umsatz pro Unternehmen betrug 1,6 Millionen Euro. Die bayerischen Umsatzsteuer-Vorauszahlungen an den Fiskus lagen bei rund 21,1 Milliarden Euro.

Die Zahl der Gewerbeanmeldungen in Bayern ist 2013 gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozent auf 129 998 zurückgegangen. Die meisten Gewerbeanmeldungen gab es im Handel und in der Reparatur von Kraftfahrzeugen (20,7 Prozent). Auch das Baugewerbe (15,4 Prozent) war beliebt.

LÖHNE

Die Arbeitnehmer werden hier in fünf Leistungsgruppen aufgeteilt, von solchen in leitender Position bis hin zu ungelernten Kräften. Am meisten verdient im Schnitt ein Mann als Chef in der Informations- und Kommunikationsbranche: 8534 Euro brutto pro Monat. Weibliche Chefs liegen bei 6725 Euro. Als Angestellter mit abgeschlossener Berufsausbildung kriegt man 4044 Euro, als Frau in dieser Position 3353 Euro. Der Durchschnittsverdienst der Branche liegt bei 4781 Euro brutto im Monat.

Am anderen Ende der Skala: das Gastgewerbe. Frauen in leitender Position bekommen hier pro Monat im Schnitt 3985 Euro, Männer 5184 Euro. Als Angestellte mit abgeschlossener Ausbildung verdienen Frauen durchschnittlich 1977 Euro, Männer 2199 Euro. Der Durchschnittsverdienst der Branche liegt bei 2249 Euro im Monat.

Da es oft unterschiedliche Zuschläge gibt, lohnt sich auch ein Blick auf die Bruttojahresgehälter. Hier liegen die Hersteller von Kraftwagen und Kraftwagenteilen mit durchschnittlich 65 964 Euro vorn. Männer kriegen auch hier mehr. 67 618 Euro sind es im Schnitt, bei Frauen hingegen nur 55 142 Euro. In anderen Branchen ist die Ungleichheit aber noch größer, etwa im Sektor der Finanz- und Versicherungsdienstleister: Männer verdienen hier im Schnitt 72 552 Euro brutto im Jahr, Frauen nur 51 070 Euro. Das drückt die Gesamtheit der Beschäftigten auf ein Jahresbrutto von 63 800. Natürlich liegt die Autobranche aber auch deshalb vorne, weil dort vergleichsweise viele gut bezahlte Männer arbeiten.

Ganz hinten liegt wiederum das Gastgewerbe: Männer haben hier ein durchschnittliches Jahresbrutto von 29 119 Euro, Frauen von 24 440 Euro (Branchenschnitt: 26 901 Euro).

FREIZEIT

Das Vereinsleben blüht, wie zum Beispiel die Zahlen des Bayerischen Landessportverbands zeigen: 12 105 Sportvereine gibt es. Diese haben 4 429 089 Mitglieder. Am beliebtesten ist Fußball mit 4682 Vereinen und 1 530 842 Mitgliedern. Sehr beliebt sind auch Turnen (3132 Vereine mit insgesamt 909 135 Mitgliedern), Tennis (2378 Vereine mit insgesamt 323 842 Mitgliedern) und der Skisport (1426 Vereine mit insgesamt 279 254 Mitgliedern).

BILDUNG

In unserem Bundesland gibt es 8989 Kindertageseinrichtungen. Hierzu zählen Kinderkrippen, Kindergärten, Horte sowie altersgemischte Einrichtungen. Sie bieten insgesamt 562 378 Plätze, 508 575 davon wurden zum Stichtag im März 2014 genutzt. Die Zahl der bayerischen Schüler ging um 16 829 auf jetzt insgesamt 1 281 124 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zurück.

Schaut man auf die 8. Jahrgangsstufe, sieht man, welche der weiterführenden Schulen am beliebtesten ist: die Realschule. 32,9 Prozent der Achtklässler besuchten diese Schulart. Das Gymnasium liegt mit 32,2 Prozent aber nur knapp dahinter. Die Mittel- beziehungsweise Hauptschulen folgen mit 27,2 Prozent. Weitere Schularten sind die Volksschulen zur sonderpädagogischen Förderung (3,6 Prozent der Schüler), die Wirtschaftsschulen (3,1 Prozent) und sonstige allgemeinbildende Schulen (ein Prozent).

Im aktuellen Wintersemester haben die bayerischen Hochschulen 355 915 Studierende, etwa sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Davon studieren 66 809 im ersten Semester.

Am Jahresende 2013 gab es 246 743 Auszubildende in Bayern, das sind 1,3 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Während sich die jungen Männer vor allem für Berufe in den Bereichen Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung interessieren (von den 90 276 auszubildenden in diesen Bereichen waren 79 512 männlich), sind bei jungen Frauen Berufe aus den Bereichen Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht und Verwaltung beliebter. Hier waren 31 812 der 44 664 Auszubildenden Frauen.

VERSORGUNG

Rein rechnerisch verfügen rund 5,4 Millionen der 6,1 Millionen Haushalte über ein Bruttogeldvermögen von durchschnittlich 63 400 Euro. Die Bayern stehen damit beim Diridari ganz gut da, denn im Bund liegt dieser Wert bei 46 800 Euro.

Mehr als die Hälfte der Haushalte hat zudem ein Haus- und Grundvermögen mit einem durchschnittlichen Verkehrswert von 316 000 Euro.

Besonders wichtig ist heute die Versorgung mit Internet. Trotzdem haben nur knapp 83 Prozent aller bayerischen Haushalte einen Anschluss. Gerade bei Ein-Personen-Haushalten ist die Zahl niedrig (72 Prozent), was aber vor allem an älteren alleinlebenden Menschen liegt.

Überraschend ist eine Zahl zur Internetnutzung: 98,5 Prozent der 16- bis 24-Jährigen haben das Internet bereits mindestens einmal genutzt.

Das heißt: 1,5 Prozent der Bayern dieser Altersgruppe waren noch nie online.

Auch interessant: 33,9 Prozent der bayerischen Beamten haben einen Heimtrainer. Bei den Angestellten sind es nur 26,5 Prozent.

 

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