Starke Einschnitte in München Die Stadtsparkasse muss sparen: Jetzt geht’s an die Filialen!

Das Stadtsparkasse-Verwaltungszentrum an der Ungererstraße. Foto: Ullstein

Am Freitag fällt die Entscheidung über kürzere Öffnungszeiten, SB-Filialen ohne Personal und das Ende mehrerer Standorte in den Vierteln.

München - Die kleine Sparkasse um die Ecke – sie hat Tradition. Hier hat man als Kind sein Sparbuch hingetragen, hier gehen heute noch viele Münchner hin. Und gerade viele Ältere auch immer noch zum Schalter. Doch die liebgewonnene Tradition könnte in den Stadtteilen in den nächsten Jahren immer mehr aussterben. Denn das klassische Schaltergeschäft ist bei allen Banken auf dem Rückzug. Am Freitag soll der Verwaltungsrat der Stadtsparkasse starke Einschnitte im Filialnetz beschließen.

Aus Verwaltungsrats-Kreisen heißt es, die Stadtsparkasse wolle gleich auf drei verschiedene Arten beim teuren Betrieb der Filialen sparen. Mehrere Insider bestätigen, dass sowohl einzelne Standorte aufgegeben werden sollen, als auch mehrere klassische Filialen künftig nur noch SB-Betrieb anbieten sollen. Dort gäbe es in Zukunft also gar kein Personal mehr hinterm Schalter, sondern nur noch Geld- und Serviceautomaten, an denen man etwa Überweisungen selbst eintippen kann. Andere Filialen sollen künftig nur noch an einzelnen Wochentagen öffnen, nicht mehr Montag bis Freitag.

Die Stadtsparkasse argumentiert laut Insidern, dass inzwischen sehr viele Kunden ohnehin nicht mehr am Schalter Bankgeschäfte abwickeln. Die Stadtsparkasse dementierte auf AZ-Nachfrage nicht, dass diese Pläne am Freitag beschlossen werden sollen. Man bitte aber um Verständnis, "dass wir Gremienentscheidungen grundsätzlich nicht vorgreifen und daher vorweg nicht kommentieren", erklärte ein Sprecher. Man werde "über wichtige Entscheidungen informieren, nachdem sie getroffen wurden".

108-mal online Bankgeschäfte – und nur einmal in die Filiale

Dass Sparkassen manche Standorte ganz aufgeben, ist schon länger im Gespräch. Anfang 2016 erklärte der Bayerische Sparkassenverband, man werde Filialen schließen. Inzwischen komme ein Kunde im Durchschnitt nur einmal pro Jahr an den Schalter, hieß es damals – nehme aber 108 Mal pro Jahr online Kontakt auf. "Der Kunde geht nicht mehr in die Geschäftsstelle." In Zeiten des niedrigen Zinses sei es "wichtig und richtig, Kräfte zu konzentrieren".

So wie andere Banken und Sparkassen auch ächzt die Stadtsparkasse seit Jahren unter der Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). 14,8 Milliarden Euro, hieß es Anfang dieses Jahres, habe man dort für seine Kunden gebunkert – und dafür 2017 Strafzins in Höhe von zehn Millionen Euro gezahlt. Das für alle Regionalbanken so wichtige Zinsgeschäft ist so in den vergangenen Jahren immer mehr eingebrochen. 16 Millionen Euro weniger als 2015 hat die Stadtsparkasse 2016 erwirtschaftet. Nach eigenen Angaben wären es ohne buchhalterische Sondereffekte sogar noch mal 25 Millionen weniger gewesen.

Die Stadtsparkasse verzeichnete so vergangenes Jahr gerade noch einen Überschuss von 41 Millionen Euro. Besonders bitter für die Stadtsparkasse: Eigentlich läuft das Geschäft gut. Firmenkredite, Girokonten, Immobilienvermittlung: Überall schlug 2016 ein Plus zu Buche. Und so klang auch Sparkassen-Chef Ralf Fleischer etwas konsterniert, als er Anfang des Jahres sagte: "Wir bauen unser Geschäft aus. Am Ende bleibt aber weniger hängen."

So ist die Stadtsparkasse weiter zu einem Sparkurs gezwungen. Der auch bei den normalen Kunden ankommt. Erst reformierte man die Kontoführungsgebühren und schaffte neue Gebühren, etwa für das Einzahlen oder Überweisungen am Automaten. Dann sorgten Strafzinsen für Aufregung (die aber nach wie vor nicht Privatkunden, sondern nur Firmen mit höheren Einlagen betreffen). Heuer kamen auch noch höhere Gebühren für Schließfächer dazu. Die sind immer begehrter. Ein Grund dafür: die Angst vor Einbrechern. Ein anderer: Die Zahl der Schließfächer wird knapp – weil Banken Filialen schließen, in denen man auch Schließfächer nutzen konnte. Auch dieser Effekt wird sich also künftig weiter verschärfen. Keine guten Aussichten für den ganz normalen Sparkassen- oder Bankkunden, der nicht alles nur online erledigen will.

Filialschließungen: So läuft’s bei anderen Banken

Commerzbank: Die Commerzbank hat aktuell 34 Filialen im Stadtgebiet. Vor vier Jahren waren es noch 36. Für diese beiden Schließungen hat die Bank einen einfachen Grund: Vor acht Jahren übernahm die Commerzbank die Dresdner Bank, einzelne Filialen standen so plötzlich eng zusammen. Deshalb wurden Filialen zusammengelegt. Derzeit sind laut Commerzbank keine weiteren Schließungen geplant.

Deutsche Bank: Die Deutsche Bank beschloss im vergangenen Jahr einen bundesweiten Umbau des Geschäfts. Dieser umfasste auch neue Filialstrukturen. In München schloss die Bank so acht Filialen. Mittlerweile gibt es noch 15 statt 23 Filialen in der Stadt.

Hypo-Vereinsbank: Auch die Hypovereinsbank hat in den vergangenen Jahren Filialen zusammengelegt. Genaue Zahlen zu München liegen nicht vor, jedoch gibt die Bank an, bundesweit das Netz bis zum Ende des Jahres 2014 von 570 auf 341 Filialen verkleinert zu haben. Die Filialzusammenlegungen in München hätten sich in dieser Zeit ebenfalls im 40-Prozent-Bereich bewegt. Seitdem ist die Zahl jedoch konstant bei rund 40 Filialen im Stadtgebiet geblieben. Diese hatte die Hypovereinsbank im Zuge der Zusammenlegungen umfangreich modernisiert.

Postbank: 29 Filialen betreibt die Postbank derzeit im Stadtgebiet, vor fünf Jahren waren es noch zwei mehr. Anpassungen im Filialnetz seien immer Einzelfallentscheidungen und richteten sich nach Kriterien wie Marktpotenzial, finanzieller Ausgangslage der Filiale und der Abdeckung in der Region, teilt die Bank auf Anfrage mit. In München übernahmen die Dienstleistungen der zwei weggefallenen Filialen Partneragenturen der Deutschen Post.

Münchner Bank: Im Vergleich zu 2012 ist auch die Münchner Bank geschrumpft: 37 Filialen betrieb sie damals in München und im Umland, inzwischen sind es noch 28. Gleichzeitig hat die Bank verstärkt ihre Homebanking Angebote ausgebaut.

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