Stadtwerke setzen auf Solarenergie SWM: In fünf Jahren gibt's nur noch Ökostrom in München

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Die Windkraftanlage auf dem Fröttmaninger Berg. Foto: imago images / Lindenthaler

Die Stadtwerke wollen bis 2025 München komplett mit Ökostrom versorgen. Wie sie das schaffen wollen – und wo es die größten Hürden geben dürfte.

 

München - Aktuell sind es schon 80 Prozent, bis 2025 wollen die Stadtwerke München (SWM) so viel Ökostrom in den eigenen Anlagen produzieren, dass die ganze Stadt damit versorgt werden kann. Die letzten 20 Prozent seien jedoch besonders zäh, erklärt SWM-Chef Florian Bieberbach in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Hamburg Institut, ein Beratungs- und Forschungsunternehmen, das die Ausbauoffensive Erneuerbare Energien der SWM analysiert hat.

Der Münchner Strom wird überwiegend von Windkraft-Anlagen produziert, die weit außerhalb der Stadt liegen. Weit mehr als die Hälfte der Anlagen liegen zwar in Deutschland, allerdings sorgen auch große Windparks in Norwegen und Polen für den Ökostrom innerhalb der Stadt – ein häufiger Kritikpunkt. "Der Ort der Emissionsminderung ist dabei eigentlich irrelevant", sagt Christian Maaß vom Hamburg Institut. Dennoch sei das Ziel der SWM, beschreibt Bieberbach, möglichst viel des Ökostroms in der Region zu gewinnen.

Ökostrom-Ausbau hat Grenzen

Aktuell betreiben die SWM in der Stadt und im Umland 33 Photovoltaik-Anlagen, 14 Wasserkraftanlagen, ein Hackschnitzelwerk, eine Biomasseanlage und eine Biogasaufbereitungsanlage, fünf Geothermieanlagen und eine Windkraftanlage. Eine zweite wird noch 2020 in Freimann in Betrieb gehen.

Das Problem: Der Ausbau stößt in der dicht besiedelten Metropolregion München schnell an seine Grenzen. Maaß erklärt: "Weder bei der Windkraft noch bei Biomasse sehen wir nennenswerte Ausbaumöglichkeiten." Die Optionen im Bereich der Wasserkraft seien bereits zum großen Teil realisiert. Das Hamburg Institut sollte unter anderem untersuchen, wo es in der Region noch Potenzial gibt, Ökostrom zu produzieren. "In Photovoltaik-Anlagen!", sagt Maaß.

Doch auch der Ausbau von Photovoltaik-Anlagen auf Dächern der Stadt, wie die grün-rote Regierung sie auch in ihrem Koalitionsvertrag fordert, habe ihre Grenzen. Maaß nennt einige Probleme: Zum einen müsse das Dach geeignet ausgerichtet sein. Denn Photovoltaik auf einem Dach, auf das kaum die Sonne scheint, sei kaum zielführend.

Problematisch sind die Dächer Münchens

Ein weiteres Problem, das eher spezifisch für München ist, nennt Bieberbach: In der Stadt gibt es viele Eigentümergemeinschaften, nur wenige Menschen besitzen ihr eigenes Dach, auf dem sie Photovoltaik-Anlagen errichten können. Das Ziel, das Bieberbach und die Experten vom Hamburg Institut anstreben: Photovoltaik auf 25 Prozent der Münchner Dächer.

Gerade weil die Kapazitäten begrenzt sind – und die Stadt wächst und somit der Strombedarf weiter steigt – wollen die SWM im Münchner Umland weitere Photovoltaik-Anlagen auf eigenen Flächen sowie auf Pachtflächen errichten. "Hier suchen wir aktuell noch Partner", erklärt Bieberbach. Unter anderem sei der Plan, von Landwirten und Grundstücksbesitzern brachliegendes Ackerland und Wiesen zu pachten.

Doch auch die Münchner seien laut Bieberbach gefragt. Wer das Glück hat, sein eigenes Dach zu besitzen, wird von den Stadtwerken umfangreich beraten und bekommt die Photovoltaik-Anlage auf das Dach montiert.

Solarbausteine statt Solaranlagen

Eine Solaranlage auf einem mittelgroßen Einfamilienhaus vermeidet Jahr für Jahr bis zu 3.000 Kilogramm CO²-Emissionen. Das entspricht jährlich 240 neu gepflanzten Bäumen. Wer kein eigenes Dach besitzt, kann sich Solarbausteine kaufen. In der ersten Runde war dieses Projekt bei den Münchnern sehr beliebt, berichtet Bieberbach: Die Bausteine für eine Photovoltaikanlage in Perlach, Kostenpunkt 120.000 Euro, waren innerhalb weniger Tage ausverkauft.

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