Stadtratswahl in München Die SPD sah ihr Debakel schon lange im voraus

OB-Kandidat Dieter Reiter (links) und SPD-Fraktionschef Alexander Reissl. Foto: Daniel von Loeper

Die SPD im Rathaus ist in den vergangenen Jahren immer blasser geworden. Es gab auch Kritik daran aus der eigenen Partei.

 

München - Das Wahl-Debakel kommt für die SPD nicht überraschend: Die Partei weiß das schon lange aus Umfragen, die sie selbst in Auftrag gegeben hat. Die ergaben: Der OB-Kandidat liegt vorn, die Fraktion verliert.

Wer mit der Partei ehrlich war, kannte die Gründe. Die Münchner SPD ist schon lange in Lethargie erstarrt, was hinter dem strahlenden und agilen Christian Ude verborgen geblieben ist. Kommentare in dieser Zeitung, die genau dies thematisierten, wurden oft genug von führenden SPD-Mitgliedern mit Häme überzogen. In diesem Freiraum haben CSU und Grüne sich präsentiert und profiliert.  Die SPD konnte kaum noch eigene Themen setzen. Dazu kamen ihr auch aktuelle Schlagzeilen in die Quere – etwa der Wohnungsleerstand oder die Klinik-Misere.So war die SPD permanent in Abwehrkämpfe verwickelt, wobei die Wähler den Grünen diese Misstände offenbar nicht verübelt haben.

Die SPD muss jetzt ihr Auftreten überdenken

Die Stadtratsfraktion ist schwächer geworden. Die Fraktionsführung schiebt das auf die eigenen Stadträte. Die wiederum klagen, der mit strenger Hand regierende Fraktionschef Alexander Reissl lasse sie nicht zum Zuge kommen. Fakt ist: Die Fraktion war in den vergangenen Jahren nicht selten zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Selbst in den letzten Wahlkampfwochen ist sie kaum in Erscheinung getreten. Pressekonferenzen, bei denen sie ihre Themen hätten präsentieren können, waren so selten wie Wasser in der Wüste.

Sind jetzt die Tage des Fraktionschefs Reissl gezählt? OB-Kandidat Dieter Reiter hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass er einen anderen Fraktionschef will. Reissl gilt als Grünen-Waslbeißer, eher als Repräsentant von Schwarz-Rot. Das würde zu den jetzigen Mehrheits-Optionenen passen. Mit Horst Lischka oder einer Beatrix Zurek gibt es qualifizierte Kandidaten. Ein Fraktionschef muss ein schweres Kaliber sein. Fest steht: Mit dem, was die Fraktion in den letzten Jahren bot, war die Niederlage absehbar. Das auf den Bundestrend zu schieben, ist Augenwischerei.

 

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