Stadtratskandidat der Freien Wähler Strip-Eklat auf Weihnachtsfeier: BA-Kinderbeauftragter vor dem Aus

, aktualisiert am 13.12.2019 - 11:15 Uhr
Thomas Neuberger (r.), Stadtratskandidat der Freien Wähler hat eine Stripperin für eine Chor-Weihnachtsfeier gebucht. Foto: privat/ho, AZ-Montage

Der Strip-Eklat auf einer Weihnachtsfeier des Matrosenchors in Obermenzig bleibt nicht ohne Folgen. Die Freien Wähler wollen Thomas Neuberger auch nicht mehr in den Stadtrat schicken.

 

München - Sprachlos, konsterniert und stocksauer haben die Münchner Freien Wähler am Donnerstag in der Abendzeitung nachgelesen, was sich ihr Stadtratskandidat Thomas Neuberger (43), der auch Kinderbeauftragter im Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg (BA) ist, geleistet hat. Der von ihm organisierte Auftritt einer Nackttänzerin auf der Weihnachtsfeier des Matrosenchors in Obermenzing vor den Augen von Kindern – "zum Fremdschämen", sagte ein Funktionsträger zur AZ. "Wie kann man auf so eine hirnrissige Idee kommen."

Freie-Wähler-Stadtchef Piazolo äußert sich zu Vorfall

Für die Partei ist der Vorfall ein politischer GAU drei Monate vor der Kommunalwahl am 15. März. Die Freien Wähler stellen aktuell nur eine Stadträtin (von 80) und hoffen freilich auf deutlich mehr Mandate.

Für Thomas Neuberger dürfte seine angestrebte politische Karriere im Rathaus deshalb schon zu Ende sein, bevor sie beginnt. Wie zu hören ist, will der Freie-Wähler-Stadtverbandsvorstand ihm in einer Krisensitzung nahelegen, auf seinen Listenplatz 10 zu verzichten.

"Ich persönlich würde Herrn Neuberger raten, seine Kandidatur für den Stadtrat zurückzuziehen", sagte Freie-Wähler-Stadtchef und Kultusminister Michael Piazolo am Donnerstag zur AZ. "Der Vorgang an sich ist problematisch, auch Thomas Neubergers Reaktion darauf und die Tatsache, dass man als Kinderbeauftragter besonders sensibel sein sollte."

Wie berichtet, hatte Neuberger, der Erster Vorstand des Matrosenchors ist, auch nach dem Strip-Auftritt vor Kindern keine Probleme dabei gesehen. Auf AZ-Nachfrage hatte er erklärt: "Wir sind Matrosen, wir sind mit allen Wassern gewaschen."

Denkbar ist deshalb, dass Neuberger nicht freiwillig geht. Wie aus der Partei zu hören ist, werde der Stadtverband in diesem Fall eine zweite Aufstellungsversammlung einberufen und ihn abwählen. Allerdings bleibt dafür nur wenig Zeit: Die endgültige Stadtratsliste muss spätestens am 23. Januar im Wahlamt eingereicht werden.

Amt als BA-Kinderbeauftragter dürfte er verlieren

Auch sein Amt als Kinderbeauftragter im BA dürfte Neuberger verlieren. "Ich werde in der nächsten Vorstandssitzung vorschlagen, ihm das Amt zu nehmen", sagt BA-Chefin Anna Hanusch (Grüne). "Wenn Herr Neuberger der Meinung ist, dass es für Kinder angemessen ist, bei einem Striptease-Auftritt zuzuschauen, sehe ich eine große Diskrepanz zu seinem Amt. Offenbar fehlt ihm auch das Gefühl dafür, was für ein abwertendes Frauenbild eine solche Veranstaltung vermittelt."

Bislang allerdings zeige er sich noch uneinsichtig. "Herr Neuberger hat mir erklärt, sein Amt nicht freiwillig abgeben zu wollen", so Hanusch.

Möglich, dass ihm die 40 BA-Kollegen am Dienstag noch einmal ins Gewissen reden. Da ist nämlich ihre Weihnachtsfeier in einer Gaststätte in Neuhausen geplant – ohne Striptease-Einlage.

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