Stadt veröffentlicht Zahlen Wiesn: Die bittere Bilanz des letzten Jahres

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Dieses Foto mit regennassem Oktoberfest entstand am ersten Wiesn-Wochenende 2016. Da gab’s Dauerregen und lange Gesichter – besonders bei den Schaustellern. Foto: Matthias Balk/dpa

Eine Auswertung der Stadt belegt, dass das Oktoberfest 2016 einige Negativrekorde gebrochen hat. Wie’s heuer werden könnte.

 

München - Nass war’s, kalt war’s, schee war’s. Wer an die Wiesn im vergangenen Jahr zurückdenkt, erinnert sich an durchweichte Schuhe, gemütliche Wiesnbummel und Bierzelte, in denen es beinahe immer Platz für Spontanbesucher gab.

Jetzt hat die Stadt in ihrem Statistikheft erstmals Zahlen veröffentlicht, die zeigen, wie mies die Wiesn im vergangenen Jahr wirklich besucht war. 5,6 Millionen Menschen kamen auf das Festgelände, nur 2001 waren es weniger Gäste (5,5 Millionen). So weit, so bekannt. Rechnet man aber den Verlängerungstag von 2016 dazu und die Zahl der durchschnittlichen Tagesbesucher aus, waren es täglich nur 329.000 Wiesnbesucher. So wenige waren es seit mindestens 1985 nicht mehr.

Das Oktoberfest 2016 hat noch weitere Negativ-Rekorde gebrochen: So wurden nur 66.231 Hektoliter Bier ausgeschenkt. Im Vergleich zu den Vorjahren ist das ein Rückgang um 15 Prozent. Die Maß Bier kostete im Durchschnitt übrigens 10,57 Euro. Der um 30 Cent gestiegene Preis soll aber laut Statistikamt keinen Einfluss auf das Trinkverhalten gehabt haben. Unerklärlich bleibt, warum der Wiesnbesucher die Würstl verschmäht hat. Während 2015 noch 536.174 Bratwürste gegessen worden waren, sind es im vergangenen Jahr nur 292.430 gewesen. 

Es gibt auch gute Neuigkeiten: Die Zahl der angezeigten Straftaten sank im Vergleich zu den fünf Vorjahren um ein Viertel.

Das Wetter ist nicht an allem schuld

Auf der Suche nach Gründen sprechen die Verantwortlichen schnell vom Wetter. "Es lag vor allem an den ersten vier Regentagen. So eine Wiesn habe ich noch nicht erlebt", sagt Wirtesprecher Toni Roiderer und erinnert an das nasskalte Eröffnungswochenende.

Wer einen Blick in die Tabelle wirft, sieht, dass es Hundswetter auch schon in anderen Wiesnjahren gab: 2007 regnete es noch mehr, und es war im Schnitt drei Grad kälter als im vergangenen Jahr mit 13,8 Grad. 2007 kamen trotzdem 6,2 Millionen Besucher.

Die Tabelle zeigt, dass letztes Jahr so wenig Besucher wie lange nicht mehr kamen. (Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)
(zum Vergrößern bitte anklicken!)

Wobei, wenn’s Wetter schön war wie 2011, kamen noch mehr: 6,9 Millionen. Das Wetter scheint wichtig; wichtiger aber ist, dass die Menschen in Feierstimmung sind.

"Werd scho wieder"

Nach den Anschlägen in Nizza, Ansbach und einer Regionalbahn in Nürnberg – um nur einige zu nennen – hatten viele Menschen offenbar Angst, auf das größte Volksfest der Welt zu gehen. Auch wenn die Sicherheitsbehörden keine konkrete Gefährdungslage mit Hinweisen auf einen geplanten Anschlag hatten, blieben viele Gäste daheim. Wirtesprecher Roiderer: "2015 kamen weniger Besucher, weil die Grenzen wegen der Flüchtlingsproblematik dicht waren und den Leuten nicht nach Feiern war. Im letzten Jahr hatten die Menschen Angst vor Terror."

Diese Angst scheint zu bleiben, obwohl 2016 das Sicherheitskonzept überarbeitet wurde: Mehr Sicherheitsleute, mehr Polizei, eine eingezäunte Wiesn und Taschenkontrollen. Heuer gibt’s für den Ernstfall Lautsprecherdurchsagen auf dem ganzen Gelände – auch in den Zelten.

"Werd scho wieder", sagt Toni Roiderer. "Heuer herrscht genauso eine Begehrlichkeit nach Tischen auf der Wiesn wie in den Jahren zuvor." Die Wettervorhersage fürs Eröffnungswochenende ist bisher trocken und warm. Wenn’s doch wieder eine ruhige Wiesn wird, profitieren vor allem jene davon, die das Oktoberfest nicht eventisieren.

Jene Wiensbesucher, die nach Feierabend eine Rose schießen, eine Maß trinken und sich ein Hendl schmecken lassen. Oder eine Bratwurst.

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